Wir sind nun endlich unterwegs. Albanien ist das Ziel, die Fähre von Bari nach Durrës geht am 14. September – und inzwischen sind wir am Rhein in Laufenburg angekommen, unsere erste Reiseetappe.
Bis zur Abfahrt der Fähre haben wir noch ein paar Tage Zeit. Einfach möglichst schnell von Heidelberg nach Bari zu fahren, wäre also wenig sinnvoll. Stattdessen wollten wir schon die Anreise nutzen: mit überschaubaren Tagesetappen, schönen Zwischenstopps und genügend Zeit, unterwegs auch etwas zu sehen.
Nur: Wo fährt man lang, wenn nicht einfach die schnellste Route das Ziel ist?
ChatGPT als Reiseplaner
Für solche Planungen haben wir in letzter Zeit zunehmend ChatGPT eingesetzt. Nicht nach dem Muster „Plane mir eine Route von Heidelberg nach Bari“, sondern mit einem recht ausführlichen Prompt, den wir vorher erstellt haben.
Dieser Prompt macht aus ChatGPT zunächst einmal einen ziemlich neugierigen Reiseplaner. Statt sofort eine fertige Route auszuspucken, stellt uns die KI Fragen: Wie lange wollen wir täglich fahren? Wollen wir jeden Tag weiter oder gelegentlich zwei Nächte bleiben? Autobahn oder Landstraße? Städte oder Natur? Wann müssen wir spätestens in Bari (oder wo auch immer) sein? Wie groß und schwer ist unser Wohnmobil?
Gerade der letzte Punkt ist bei uns nicht ganz unwichtig. Unser Grand California wiegt 4,2 Tonnen. Damit spielen Mautregelungen, Straßenbeschränkungen und die Eignung einzelner Strecken eine etwas größere Rolle als bei einem normalen Pkw.
Aus unseren Antworten entstand schließlich eine Route von Heidelberg über die Schweiz und Italien bis nach Bari. Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell in den Süden zu kommen. Die Anreise ist bereits Teil der Reise.
Den verwendeten Prompt können wir hier leider nicht selbst zum Download anbieten. Ihr findet ihn aber bei Sascha Ohde: KI-Prompt: Routenplaner
Und was machen wir vier Wochen lang in Albanien?
Nachdem die Anreise einigermaßen geklärt war, kam die wesentlich spannendere Frage: Was machen wir eigentlich, wenn wir in Albanien angekommen sind? Dafür haben wir einen eigenen Prompt entwickelt – diesmal noch etwas umfangreicher. Sascha war immerhin der Ideengeber – allerdings ist unser Prompt deutlich umfangreicher.
Wieder sollte ChatGPT nicht einfach irgendeine Rundreise ausspucken. Zunächst mussten wir Fragen beantworten. Was interessiert uns? Küste, Berge, Kultur, Natur? Wie lange dürfen Wanderungen sein? Welche Straßen wollen wir unserem 4,2-Tonnen-Wohnmobil zumuten? Wie lange wollen wir an einem Ort bleiben? Wie oft brauchen wir Ver- und Entsorgung, Strom oder eine Waschmaschine? Sind Etappen mit Fähren in Ordnung? Müssen bestimmte Orte unbedingt dabei sein?
Interessant war dabei auch die Frage, was wir nicht brauchen. Tirana beispielsweise stand keineswegs zwingend auf unserer Liste. Nur weil eine Stadt Hauptstadt ist, müssen wir sie schließlich nicht automatisch besuchen. Diese Großstädte sind ohnehin nicht unser Ding.
Nach und nach entstand daraus eine Rundreise für etwa vier Wochen, die wesentlich besser zu unserer Art zu reisen passt als eine klassische Liste nach dem Muster „Die 20 Sehenswürdigkeiten Albaniens, die ihr unbedingt gesehen haben müsst“.
Den Prompt für diese Albanienplanung stellen wir am Ende des Artikels als TXT-Datei zum Download zur Verfügung. Vielleicht ist er für den einen oder anderen eine brauchbare Grundlage für die eigene Reiseplanung. Die Antworten auf die Fragen lassen sich schließlich beliebig an die eigenen Vorstellungen anpassen.

Reiseplan für die Route Heidelberg - Bari (Ausschnitt)
Was ist anders als bei einem klassischen Reiseführer?
Natürlich könnte man für eine solche Reise auch einfach einen Reiseführer kaufen – und das tun wir durchaus. Nur beantwortet ein klassischer Reiseführer eine andere Frage.
Ein Reiseführer sagt uns, was es in Albanien zu sehen gibt. Er beschreibt Orte, Landschaften und Sehenswürdigkeiten, liefert Hintergrundinformationen und gibt Empfehlungen. Was er nicht weiß: dass wir mit einem 4,2 Tonnen schweren und fast sieben Meter langen Wohnmobil unterwegs sind, ungern ausgesetzte Bergstraßen mit engen Serpentinen fahren, keine trainierten Wanderer sind und normalerweise erst gegen 11 Uhr aufbrechen. Er weiß auch nicht, dass wir alle drei bis vier Tage eine Ver- und Entsorgungsmöglichkeit brauchen und ungefähr einmal pro Woche eine Waschmaschine ganz praktisch fänden.
Genau hier liegt für uns der entscheidende Unterschied.
Bei ChatGPT können wir all diese persönlichen Rahmenbedingungen in die Planung einfließen lassen. Aus der allgemeinen Frage „Was sollte man in Albanien gesehen haben?“ wird damit die sehr viel konkretere Frage: „Welche Reise durch Albanien passt zu uns, unserem Wohnmobil und unserer Art zu reisen?“
Auch ein klassischer Routenführer kann diese Individualisierung nur begrenzt leisten. Seine Route wurde für viele Leser geschrieben. Unsere mit ChatGPT entwickelte Route entsteht dagegen erst aus unseren Antworten und wird von ChatGPT nur für uns geschrieben.
Dafür haben Reiseführer andere Stärken. Ein guter Autor kennt ein Land, hat Orte selbst besucht, kann Atmosphäre vermitteln und Dinge einordnen, die sich nicht aus Daten und einer geschickten Routenberechnung ergeben. Und vor allem: Ein Reiseführer ist eine redaktionell bearbeitete Quelle. Bei den Angaben von ChatGPT sollte man dagegen immer damit rechnen, dass etwas falsch, veraltet oder schlicht erfunden sein kann.
Deshalb ersetzt ChatGPT für uns weder Reiseführer noch Karten, Stellplatz-Apps oder die Recherche unterwegs. Es übernimmt vielmehr eine Aufgabe, die früher ziemlich mühsam war: Es verbindet die Informationen mit unseren persönlichen Vorstellungen und macht daraus einen Reisevorschlag.
Vielleicht lässt sich der Unterschied am einfachsten so zusammenfassen:
Der Reiseführer zeigt uns, was es gibt.
ChatGPT hilft uns dabei, daraus unsere Reise zu machen.

Reiseplan für eine Albanienrundreise (Ausschnitt)
Ein Reiseplan ist kein Stundenplan
Wer uns kennt, ahnt allerdings schon, was jetzt kommt: Ob wir diese Reise tatsächlich genauso fahren werden, steht auf einem völlig anderen Blatt.
Vermutlich nicht.
Und genau das ist auch gar nicht der Sinn der Sache.
Wir wollen morgens nicht auf den Reiseplan schauen und feststellen, dass wir um 10:37 Uhr losfahren müssen, weil um 14:15 Uhr die nächste Sehenswürdigkeit auf dem Programm steht. Wenn es uns irgendwo gefällt, bleiben wir. Wenn uns ein Ort nicht gefällt, fahren wir weiter. Wenn uns jemand unterwegs einen Tipp gibt, ändern wir die Route. Und wenn wir morgens aufwachen und überhaupt keine Lust auf das haben, was ChatGPT für diesen Tag vorgesehen hat, dann machen wir eben etwas anderes.
Der Plan ist kein Stundenplan und schon gar keine Verpflichtung. Er ist allenfalls ein roter Faden. Aber da wir das Reiseziel nicht kennen, ist so etwas eine große Hilfe.
Und genau darin liegt für uns der eigentliche Nutzen einer solchen KI-gestützten Reiseplanung. Wir müssen nicht jeden Abend von vorne anfangen und überlegen, wo es am nächsten Tag hingehen könnte. Wir haben eine grobe Vorstellung davon, welche Richtung sinnvoll ist, welche Orte interessant sein könnten und wie sich daraus eine halbwegs schlüssige Runde ergibt.
Planung und Spontaneität schließen sich nicht aus
Früher bedeutete eine ausführliche Reiseplanung vor allem eines: ziemlich viel Recherche. Reiseführer, Blogs, Google Maps, Stellplatz-Apps und diverse Webseiten mussten miteinander abgeglichen werden. Das funktioniert natürlich auch heute noch – und auf viele dieser Quellen werden wir unterwegs weiterhin zurückgreifen.
ChatGPT ersetzt sie für uns nicht.
Die KI hilft uns vielmehr dabei, die vielen Informationen und unsere eigenen Wünsche zu einer Struktur zusammenzufügen. Vor allem der Dialog ist dabei interessant: Eine gute Planung entsteht nicht durch einen genialen einzelnen Prompt, sondern dadurch, dass ChatGPT nachfragt und wir unsere Vorstellungen dabei selbst immer weiter konkretisieren.
Manchmal merkt man nämlich erst durch eine Frage, dass man über einen bestimmten Punkt noch gar nicht nachgedacht hat.
Natürlich sollte man den Ergebnissen trotzdem nicht blind vertrauen. Ob eine Straße mit einem großen Wohnmobil tatsächlich sinnvoll befahrbar ist, ob ein Stellplatz noch existiert oder ob sich Vorschriften geändert haben, muss im Zweifel überprüft werden. ChatGPT ist ein Planungswerkzeug und kein allwissendes Reiseorakel.
Aber als solches funktioniert es erstaunlich gut.
Jetzt stehen wir erst einmal in Laufenburg am Rhein. Vor uns liegen noch die Schweiz, Italien, Bari und schließlich die Fähre nach Durrës.
Und irgendwo auf unseren Geräten liegt ein ziemlich detaillierter Plan für die nächsten Wochen.
Mal sehen, wie lange wir uns daran halten.

Laufenburg/Rhein (deutsche Seite)

Laufenburg/Rhein (schweizerische Seite)
Unser Prompt für die Wohnmobil-Reiseplanung
Für unsere Albanien-Rundreise haben wir einen ausführlichen Prompt entwickelt, der ChatGPT nicht sofort eine Route erstellen lässt. Stattdessen fragt die KI zunächst Schritt für Schritt nach Reisezeit, Tagesetappen, Interessen, Wohnmobil, Straßenpräferenzen, Wanderungen, Ver- und Entsorgung und weiteren persönlichen Wünschen.
Erst aus diesen Antworten entsteht die individuelle Reiseplanung.
Download: Prompt „Prompt für die individuelle Wohnmobil-Reiseplanung“ als TXT-Datei
Der Prompt ist bewusst allgemein gehalten. Ihr könnt ihn übernehmen und mit euren eigenen Angaben nicht nur für Albanien, sondern auch für andere Wohnmobilreisen verwenden.
