Wir sind...
...Sabine und Michael – seit über 40 Jahren ein Paar, wir haben zwei Kinder groß gezogen, sind seit Kurzem beide im Ruhestand und seitdem: unterwegs. Mit unserem VW Grand California haben wir angefangen den Norden Europas zu bereisen, entdecken stille Orte, beobachten, staunen, fotografieren und schreiben.
In unserem früheren Leben war vieles durch Beruf, Familie und Alltag strukturiert. Jetzt beginnt ein neues Kapitel – langsamer, freier, neugieriger. Wir lassen uns treiben, folgen den kleinen Straßen und den Geschichten, die sie erzählen. Dabei interessieren uns weniger die touristischen Hotspots als das, was oft übersehen wird: alte Bahnhöfe, vergessene Dörfer, Menschen mit Geschichte, Landschaften mit Seele.
Doch der Norden ist nur der Anfang. Uns zieht es weiter: nach Spanien, Portugal, Marokko. Nach Montenegro, Griechenland, Georgien. Vielleicht nach Belarus, Russland – vielleicht noch viel weiter. Wir wissen es nicht. Und genau das macht es so spannend.
Unser Zuhause ist jetzt auf vier Rädern – zumindest für zwei Drittel des Jahres. Vier Monate reisen wir gen Norden oder Osten, vier Monate in den Süden. Den Rest der Zeit bleiben wir sesshaft – an unserem festen Ort zum Ankommen und Atemholen. Wir leben reduziert, aber nicht spartanisch – mit allem, was wir brauchen, und ohne viel Überflüssiges. Morgens wach werden mit Blick auf einen See oder den Wald. Kaffee unter freiem Himmel. Arbeiten am Klapptisch, wenn nötig. Lesen, schreiben, schweigen, fahren – in unserem eigenen Tempo. Wichtig sind uns Ruhe, Einfachheit, echte Begegnungen – und ein bisschen Komfort darf’s auch sein.
Sabine liebt es, nach über 50 Jahren im Beruf die Welt neu zu entdecken. Meer, Weite, Geschichte, Natur – alles darf neu gesehen und gespürt werden. Michael schreibt, fotografiert, tüftelt an Technik und dokumentiert unsere Reise – mit einem Blick für Details und Geschichten.
Wir reisen langsam. Folgen kleinen Straßen, verweilen an stillen Orten, machen aus Umwegen Geschichten. Unser Alltag spielt sich zwischen Klapptisch, Fotokamera, Straßenkarte (meistens Google Maps und park4night) und Espressokocher (eine Staresso) ab. Mal draußen, mal drinnen, mal online, mal ganz weit weg vom Netz.
Und wenn es regnet? Dann lesen wir. Oder schauen aus dem Fenster. Oder diskutieren über den Sinn des Lebens – und warum man im ganzen Norden beispielsweise kein ordentliches Brot zu kaufen bekommt.
Unterwegsnotizen ist unser gemeinsames Reisetagebuch – für uns, für Freunde, für alle, die mit uns mitreisen möchten. Persönlich, ungeschönt, manchmal nachdenklich, oft staunend.
Unterwegsnotizen entstand aus dem Wunsch heraus, unsere Reise nicht nur zu erleben, sondern auch festzuhalten – für uns selbst, für Familie und Freunde, und für alle, die ähnlich unterwegs sind oder es werden wollen. Was als private Sammlung von Bildern, Texten und Gedanken begann, wurde mehr und mehr zu einem echten Herzensprojekt. Eine Einladung, mitzureisen – im Kopf, im Herzen oder vielleicht irgendwann ganz real.
Sabine
Sabine ist eine waschechte Schwäbin – mit einem feinen sächsischen Unterton, der manchmal durchblitzt. Fast fünf Jahrzehnte lang hat sie als Krankenschwester gearbeitet, später übernahm sie Führungsverantwortung bei einem großen Gesundheitsdienstleister. Das hieß: viele Reisen, auch weit über Europas Grenzen hinaus – nach Skandinavien, quer durch Europa, manchmal sogar in die USA. Doch so aufregend das klingt: von den Orten selbst hat sie kaum etwas gesehen. Ihr Weg führte meist nur vom Flugzeug ins Hotel, vom Hotel in die Klinik oder den Konferenzraum und wieder zurück.
Jetzt, nach fast 50 Jahren Arbeit, holt sie nach, was all die Jahre zu kurz gekommen ist: die Welt wirklich erfahren. Nicht aus Konferenzräumen heraus, sondern mit offenen Fenstern im Camper, mit Sand unter den Füßen und dem Blick in weite Landschaften.
Worauf sie sich am meisten freut – z. B. Polarlichter, einsame Seen, neue Begegnungen.
Michael
Michael ist zwischen Rhön und Vogelsberg aufgewachsen, umgeben von Wiesen, Wäldern und kleinen Dörfern. Schon als Junge zog es ihn hinaus in die Natur, und eigentlich wollte er einmal Forstwirtschaft studieren. Doch die damalige ZVS hatte andere Pläne.
So führte ihn sein Weg zunächst in die Pflege: Mit Leidenschaft wurde er Krankenpfleger – ein Beruf, der ihn viele Jahre erfüllte und prägte. Später wechselte er in eine ganz andere Welt: die IT. Als Freelancer baute er Webseiten, entwickelte digitale Strategien und spezialisierte sich schließlich auf digitales Dokumentenmanagement. Dabei entstanden auch mehrere Fachbücher, in denen er sein Wissen weitergab. Sein jüngstes, eher privates Herzensprojekt ist jedoch ganz anderer Art: das Schreiben von Fantasy-Romanen. Unter therapage-apfelcomputer sammelt er Gedanken und Projekte – von der digitalen Ordnung bis zu den gesellschaftlichen Folgen der KI. Und Michael schreibt Fantasy-Romane-
Und wenn er heute am Ufer eines nordischen Sees sitzt, fühlt es sich an wie eine Rückkehr zu dem Jungen, der einst barfuß durch die Wiesen zwischen Rhön und Vogelsberg lief.
Grand California
Ein versuchter Fahrzeug-Review
Ein Wohnmobil stand schon lange auf unserer Wunschliste. In den 90ern fuhren wir einen selbst ausgebauten T3 – ein schönes Fahrzeug, das sich leider als „Montagsmodell“ entpuppte. Danach konnten oder wollten wir uns lange kein WoMo leisten, da andere Prioritäten bestanden.
Vor drei Jahren mieteten wir einen ausgebauten VW T6.1 und fuhren nach Schweden. Es war ein tolles Erlebnis, aber die tägliche Bettenauf- und abbauerei war mühsam, und für das Hochdachbett sind wir einfach zu alt. Trotzdem liebäugelten wir mit einem individuell ausgebauten T6.1, der uns den Umbau der Liegefläche ersparen würde. Ein Angebot über 114.000 € lag bereits vor, aber ein solcher Preis für einen VW-Bus ist doch recht hoch.
Im darauffolgenden Jahr wagten wir einen zweiten Versuch mit einem gemieteten Grand California 680. Danach war uns klar: Er ist deutlich größer als ein Bus, fährt sich aber kaum anders. „Deutlich größer“ bedeutet vor allem: Längsbetten und Stehhöhe. Im Gegensatz zu vielen FIAT-WoMos kann Michael mit seinen 2,05 m Körpergröße bequem auf Fahrer- und Beifahrersitz sitzen, ohne sich zu verrenken.
Wir suchten und fanden – das Fahrzeug stand bereit beim Händler. Es war teuer, teurer als ein FIAT-WoMo, aber hoffentlich mit entsprechendem Gegenwert. Seit zwei Jahren sind wir nun damit unterwegs: zunächst kürzere Touren, dann ein dreiwöchiger Urlaub und schließlich eine mehrmonatige Ostsee-Umrundung, die dem Auto technisch einiges abverlangte. Zeit für ein Zwischenfazit: Was überzeugt am Grand California und wo gibt es Optimierungsbedarf?
Nebenbei: Auf dem Stellplatz in Wismar sprach uns ein Hymer-Fahrer an: „Neu gekauft? Fehler. So etwas kauft man, wenn es ein, zwei Jahre alt ist und der Vorbesitzer die Mängel behoben hat.“ Er hatte leider nicht ganz unrecht – die Liste kleiner und mittlerer Mängel ist branchenweit oft lang und der Grand California bildet da keine Ausnahme.
Gründe für den Grand California
Nach mehreren Messebesuchen und einem Termin bei einem Wohnmobilausbauer stand fest: Wenn Wohnmobil, dann auf Basis eines VW Crafter oder MAN TGE. Ein FIAT kam trotz des deutlich günstigeren Preises (rund zwei Drittel) nicht in Frage – mit 2,05 m Sitzhöhe ist Michael dort schlichtweg zu groß.
Ein absolutes Muss: Stehhöhe. Der Grand California bietet mit 2,07 m genau die richtige Höhe. Ebenso wichtig waren uns die Betten. Aufgrund von Michaels Größe kamen nur Längsbetten in Frage, auch das erfüllt der GC.
Darüber hinaus war uns die Gestaltung wichtig. Wir wollten ein Fahrzeug, das sowohl innen als auch außen ein harmonisches Gesamtbild abgibt. Holzimitat-Plastik ist nicht unser Geschmack, und eine weiße Außenlackierung kam ebenfalls nicht in Frage – wir bevorzugen eine unauffälligere Optik.
Fündig wurden wir schließlich bei einem Händler in Darmstadt: Unser Grand California entspricht zu ca. 90 % unseren Vorstellungen. Zum Kaufzeitpunkt hätten wir zwar eine Dieselheizung bevorzugt, dieses Modell verfügt jedoch über eine Gas-/Strom-Heizung. Diese ist sowohl zum Leben geeignet als auch eine sauberere Alternative.
Was wir gut finden
Außen: Das Design ist ansprechend, ohne aggressiv zu wirken. Besonders hervorzuheben ist die elegant integrierte Kassettenklappe, die bei vielen Kastenwagen oft unschön gelöst ist.
Innenraum: Der Innenraum ist aufgeräumt und wirkt durch die angeschrägten Oberschrankfronten luftig. Das Befüllen kann jedoch etwas knifflig sein. Wir empfehlen die Verwendung von länglichen Packtaschen, wie sie beispielsweise günstig bei Amazon erhältlich sind. Manche mögen den Innenraum mit einer Zahnarztpraxis vergleichen, aber wir, die aus dem Medizinumfeld kommen, empfinden ihn eher als sachlich.
Ergonomie: Vorn hat Michael mit seinen langen Beinen und seiner Körpergröße ausreichend Platz. Die Stehhöhe ist ausreichend. Die Längsbetten sind lang genug und mit fast 1,70 Meter Breite bequem, auch wenn man mal etwas Abstand vom Mitfahrer benötigt.
Bad: Die Dusche ist zweckmäßig und leicht zu reinigen. Eine Einlage in die Duschwanne ist jedoch unerlässlich.
Kritikpunkte
Trotz einer langen Liste an Verbesserungsmöglichkeiten würden wir den GC wieder kaufen. Wie bei den meisten stark genutzten Wohnmobilen gibt es Optimierungspotenzial.
Motor
Der Vierzylinder-Motor (EA288) treibt ein 4,2-Tonnen-Fahrzeug an. Mit 177 PS bietet er zwar ausreichende Leistung, wirkt aber für die Fahrzeugmasse unterdimensioniert. Ein Sechszylinder-Motor wäre hier besser geeignet. Die Frage stellt sich: Wie lange hält dieser kleine Motor unter Dauerlast?
Moderne Abgas- und Effizienzsysteme wie Start-Stopp, Dieselpartikelfilter (DPF), Abgasrückführung (AGR) und AdBlue belasten die Technik zusätzlich. Zwar sind diese Systeme angeblich umweltpolitisch sinnvoll, in der Praxis aber komplex und können die Haltbarkeit beeinträchtigen. Ein weiteres Problem stellt der als „nasslaufend“ ausgeführte Zahnriemen dar. Die Kombination aus heißem Öl und Riemen ist auf Dauer nicht optimal und kann zu einem Motorschaden führen, falls der Riemen reißt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass zwischen dem Nachhaltigkeitsanspruch (Ressourcenschonung und Verlängerung der Lebensdauer) und der realen Praxis (höhere Komplexität, teurere Reparaturen und schnellerer Fahrzeugwechsel) eine erhebliche Lücke besteht.
Fahrwerk
Der lange Radstand sorgt für ein ruhiges Fahrverhalten, allerdings besteht die Möglichkeit von Bodenkontakt zwischen den Achsen.
Trittstufe: Die Trittstufe hängt relativ tief und sammelt daher schnell Schmutz. Sie kann auch schnell aufsetzen. In Lettland mussten wir eine Schnellstraße nicht anfahren, da die Einmündung einem Knick glich. In Finnland sorgten Fährfahrten wegen der oft stark abgenickten Rampe für etwas Aufregung. Die Trittstufe wurde entfernt – ein klappbarer Tritt wäre eine praktische Alternative gewesen.
Höherlegung: Eine Höherlegung um bis zu 9 cm wäre möglich, allerdings nur mit größerer Bereifung. Dadurch würde mehr Luft unter das Auto gelangen, allerdings ist diese Option mit höheren Kosten verbunden. Die Entscheidung steht noch aus.
Bereifung/Felgen: Unser GC war mit Loder AT Reifen auf 17”-Lismore-Felgen ausgestattet (18” war leider nicht lieferbar). Die Loder Reifen sind eher eine Mischung aus Serien-Ganzjahresreifen und echten AT Reifen. Sie sind leise und der Verbrauch ist in Ordnung. Für Fahrten auf viel Asphalt sind sie völlig ausreichend. Schicke Alufelgen würden wir heute nicht mehr wählen, da Schotter und Bremsstaub ihnen schnell den Glanz nehmen. Schlichte Stahlfelgen wären eine bessere Wahl gewesen; beim Nachfolgemodell gibt es schwarz eloxierte Alufelgen.
Kassettenklappe
Wir kommen mit der serienmäßigen Thetford-Kassette super zurecht – „groß“ ist an Bord ja auch nicht unbedingt das Ziel. Für den Notfall haben wir Flexaport dabei (Hundekot-Beutel im „Blumentopf“). Okay, nicht gerade der Inbegriff von Eleganz, aber im Notfall echt praktisch.
Die Kassettenklappe ist echt gut integriert, da gibt’s nichts zu meckern. Allerdings dehnen sich Karosserie und Rahmen ja unterschiedlich aus, wenn es heiß wird. Dadurch arbeitet die Verklebung, der Rahmen reißt – und schon ist Feuchtigkeit im Schacht. Und Wasser ist ja bekanntlich der Feind eines jeden WoMos. Unsere Klappe wurde schon zweimal ausgetauscht (zuletzt sogar neu lackiert). Die Garantie greift noch, aber wie es langfristig aussieht, wissen wir noch nicht. Manche GC-Besitzer berichten ja auch von mehreren Tauschaktionen nacheinander.
Elektrik
VW kann wirklich viel – Software ist da allerdings noch ein bisschen Luft nach oben.
Infotainment: Es bietet viele Funktionen, ist aber manchmal etwas unübersichtlich. Die Stauinformationen sind teilweise nur im Abo verfügbar, und die Navigation kann gelegentlich etwas lückenhaft sein. Daher greifen wir oft auf Google Maps zurück. Dort führt die Option „Autobahn meiden“ allerdings manchmal auch auf Phantomstraßen – ein kleiner Wermutstropfen. Abstürze, Freezes und CarPlay-Aussetzer sind uns aus früheren VW-Modellen bekannt. Natürlich passieren diese Dinge immer im ungünstigsten Moment. Ein einfacher Reset hilft meist weiter.
Ein besonders ärgerlicher Vorfall war ein Totalabsturz nach einem Over-the-Air-Update. Das Steuergerät musste daraufhin ersetzt werden, was Kosten von rund € 4000,00 bis € 5000,00 plus etwa 11 Arbeitsstunden à € 200,00 verursachte. Glücklicherweise hat die Garantie in diesem Fall übernommen.
Das sensible KFG: Das Kunden-Funktionsgerät (KFG) integriert die Aufbauelektrik ins Bordnetz. Wenn es mal hängt, können Anzeigen (zum Beispiel CU an der Duschwand), Heizung, Ambientelicht und die Pumpe nicht richtig funktionieren. Meistens ist das KFG die Ursache, nicht die Hardware.
Workarounds:
- Ambientelicht kurz ein- und ausschalten (warum das hilft, wissen wohl nur die Entwickler bei VW).
Aufbauelektrik:
Um die Aufbauelektrik kurz auszuschalten, einfach den Batteriehauptschalter für ein paar Minuten betätigen.
KFG-Stecker:
Falls nötig, kann der KFG-Stecker unter dem Handschuhfach kurz gezogen und wieder gesteckt werden. Der Zugang ist etwas knifflig, aber mit einem Verlängerungskabel für rund € 80,00 lässt sich das Problem leicht lösen. Seitdem läuft alles reibungslos.
Hauptschalter-Position:
Der Hauptschalter befindet sich ab Werk im Technikschrank. Bei voller Heckgarage ist er etwas schwer erreichbar, besonders bei Regen. Wir planen, ihn nach hinten unter die Außendusche zu verlegen. Ein Spezialist in Wuppertal kann das für einen angemessenen Preis übernehmen.
Bordbatterie:
Die Bordbatterie ist ungewöhnlich angeordnet: Die Starterbatterie befindet sich hinten und die Aufbaubatterie vorn. Verbaut ist eine 92-Ah-AGM-Batterie, von der real ~45 Ah nutzbar sind. Für längeres Stehen an einem Ort ist das etwas schwach, sodass Landstrom oft notwendig ist. Deshalb haben wir einen ausreichend dimensionierten BOS-Akku im Technikschrank installiert, sodass wir fast nie mehr Landstrom benötigen.
Der Küchenblock
Die Kühlbox-Schublade ist optisch ansprechend und im Gegensatz zu einigen anderen Modellen wirklich praxistauglich. Die Dometic Koch-/Spül-Einheit ist allerdings etwas knapp bemessen. Große Pfannen stoßen an die Glasabdeckung, was etwas Platz verschwendet. Die Spüle ist eher für kleinere Geschirrteile geeignet und nicht ideal für große Teller oder Töpfe. In solchen Fällen bietet sich das Klappwaschbecken der Dusche oder die Spülküche auf dem Campingplatz an.
Der Wasserhahn wirkt etwas spielzeughaft, auch wenn es sich um die „verbesserte“ Version handelt. Es ist etwas mühsam, den Bereich hinter dem Hahn trocken und sauber zu halten. Das aktuelle GC-Modell hat einen anders konstruierten Hahn, den wir vermutlich nachrüsten werden.
Die Oberschränke
Die Kritik „da passt nichts rein“ teilen wir nicht. Ja, unten ist wegen der Schräge weniger Platz, oben frisst eine Trägerverkleidung Volumen. Mit länglichen Packtaschen (Amazon) passt es: Nichts fliegt lose, notfalls fällt eben die ganze Tasche raus – und ist schnell wieder verstaut.
Was nervt, sind die Verschlussriegel. Wir fahren oft ruppige Pisten; ein Schrank ging immer auf – besonders der untere über dem Küchenblock. Der Händler unseres Vertrauens hat das glücklicherweise in den Griff bekommen.
Der nutzlose Router
Der Lesswire-Router war teuer und ist schwach: schlechter Empfang, nur 4G, jeder iPhone-Hotspot ist überlegen. Updates gibt’s auch keine mehr – dass VW das Teil überhaupt anbot, ist fragwürdig (in neueren Versionen entfällt er wohl).
Da wir unterwegs arbeiten und streamen, brauchen wir eine verlässliche Lösung. Jetzt haben wir eine Starlink Mini mit Powerbank. Zur Not tun es auch zwei Konservendosen mit Schnur …
Der blecherne Sound
Die Serienlautsprecher füllen den Innenraum klanglich nicht. Eine Bluetooth-Soundbox macht’s deutlich besser.
Bereits erfolgte Veränderungen
Bereifung
Ab Werk Conti VanContact, direkt getauscht auf Loder AT (17” - 18” war nicht lieferbar). Für unseren Mix aus Asphalt und Schotter okay; beim nächsten Wechsel ggf. gröber (General Grabber o. ä.). Die ADAC-Diskussion über AT-Reifen können wir von unserem Einsatzprofil her nicht bestätigen: Auf Pisten zählen Grip und robuste Seitenflanken.
Fahrradträger
War dran, haben wir abgebaut – Kopfstoß-Gefahr. Geplant waren zwei Brompton in der Heckgarage; de facto nutzen wir sie selten. Die verbliebenen Airline-Schienen lassen sich anders einsetzen - wir haben eine Airline-Platte von Styl montiert
Reserverad-Halterung
15.000 km ohne Reserverad im Norden sind unentspannt (immerhin gibt es im Norden ein ADAC-Pendant. In Marokko musst du dir schon selbst helfen können). Die Serienhalterung unter dem Chassis passt nicht zur Lismore-Felge, 17”-Stahlfelge gibt’s nicht. Lösung: Heckhalterung von Greenmonkey – nicht hübsch, aber nötig.
Heckauszug
Erleichtert den Zugriff auf Boxen/Räder in der Heckgarage. Obenauf Airline-Schienen: Ladung sichern(entsichern), rausziehen, fertig.
Sitzbezüge
Die Originalbezüge sind nicht campingtauglich (Wasserflecken schon durch blosses Anschauen, trist grau). Drive Dressy-Bezüge: top Stoff, wohnlicher Look; Montage anstrengend, nach 1,5 Jahren erste Falten – besser als Serie, aber nicht perfekt. In Polen gibt es einen Anbieter, der für wenig mehr Geld die Sitze komplett neu polstert.
Frontscheibenverdunkelung
Die VW-Lösung dunkelt kaum ab. Die Matten von Project Camper sitzen und funktionieren – in Montage ähnlich, qualitativ aber eine andere Liga.
Gastankflaschen
Schwere Flaschen seitlich aus dem engen Kasten wuchten? Nie wieder. Zwei fest installierte Tankgasflaschen mit Außenstutzen – teuer, aber Gold wert.
Zusätzliche Lithium-Batterie
Zur 92-Ah-AGM haben wir parallel ein BOS-Lithium-Pack eingebaut (unsichtbar im Technikschrank, am Hauptschalter). Trotz Kritik in den Foren an den Leitungswegen: Der Fachbetrieb verbaut es regelmäßig – bei uns bislang problemlos.
Auflastung
Serie: 3.880 kg. Testwiegung (volle Tanks, wenig Gepäck): 3.890 kg. Es musste eine Auflastung her. Papiergutachten, keine Technikänderung – jetzt 4,2 t. Wie „komfortabel“ die Reserve ist, prüfen wir lieber nicht zu oft …
Trittstufe weg
Praktisch, aber riskant. Wegen Bodenfreiheit und Radstand flog sie raus. Eine kleine mobile Trittleiter reist mit.
Starlink Mini
Der Lesswire-Router ist sein Geld nicht wert, aber irgendwie braucht man Netz. Die Alternative Daten-SIM in Kombination mit Hotspot ist im Ausland mehr als unbequem. Also haben wir eine Starlink Mini gekauft - der Download und der Upload ist bei Feier Sicht etwas 10x so schnell wie unser heimisches DSL. Die Starlink bekam auch gleich eine einschiebbare Powerbank und kann somit ohne Kabelgedöns vor die Tür gestellt werden.
Bergehaken
Die werkseitigen Abschleppösen wollen wir keinen 4,2 t zumuten. Richtige Bergehaken werden nachgerüstet; der Aufwand hält sich in Grenzen.
Geplante Veränderungen
Höherlegung
Durch viele Schotterpisten ist Luft unterm Auto willkommen. Bis zu 9 cm (mit größerer Bereifung) sind möglich. Entscheidung offen; zuerst verschwindet die Trittstufe.
Mängelliste nach zwei Jahren
Unser GC hat 5 Jahre Garantie – gut so. Nach nur 2 Jahren standen an:
Basisfahrzeug
- Spurwechselassistent rechts ohne Funktion (mittlerweile, d.h. nach 3 1/2 Jahren ist er komplett ausgefallen)
- Infotainment stürzt regelmäßig ab (das zugehörige Steuergerät musste bereits getauscht werden - siehe oben)
Ausbau
- Dachhaube vorne und hinten: Risse
- Untere Oberschrankklappe über Küchenblock öffnet sich ständig
- Badspiegel löst sich bei Hitze
- Heckdusche läuft nach
- KFG fällt sporadisch aus
- Abwassertank-Anzeige zeigt falsche Werte (scheint normal zu sein)
- Dachhimmel löst sich (vorn über Staukasten, zwischen Badtür und Küche)
- Abdeckung Beifahrersitz mit Beule (vom Drehen - steht aber auch in der Bedienungsanleitung, dass das so passieren kann)
- Küchenschublade (rechts, Mitte) hat Schraube verloren, hängt schief
- Stift an Dusch/Toilettentür fehlt
Fazit: Alles im Lot
Die Liste wirkt lang, ist aber größtenteils Kleinkram (Ausnahme: Kassettenklappe; hier suchen wir eine dauerhafte Lösung). Unterm Strich ist der GC ein großartiges Reisefahrzeug, fährt sich pkw-ähnlich, verbraucht moderat und gefällt uns innen wie außen. „Zahnarztpraxis-Feeling“ ist Geschmackssache – uns ist es lieber als Holzimitat. Höherlegung, Reserverad & Co. sind Sonderwünsche; dafür kann VW wenig. Für unsere Art zu reisen sind sie dennoch sinnvoll.
Nachtrag und Update vom 20.9.2026 (also nach drei Jahren)
Wir sind auf Albanienreise. Schon vor der Anreise stellen wir einen Riss in der Duschwand außen und einen Riss im Tisch fest. Der GC hat schlicht die Sommerhitze nicht vertragen
Nacheinander gehen dann auf der Fahrt kaputt:
- Wasserleck im Bad: Es tropft im Innern des Badschranks, wir behelfen uns zuerst mit Tüchern und legen schließlich die gesamte Frischwasseranlage trocken und steigen auf Wasserkanister um
- Die Duschkabeninentür verzieht sich und das Schloß schließt nur noch, wenn man dagegentritt
- Wassereintritt am Getränkehalter: Vermutlich verursacht durch eine Undichtigkeit am Dach (dritte Bremsleuchte?)
- Die CEE-Steckdose gibt auf, flattert im Wind und muss mit Panzer-Tape befestigt werden
- Die Führungsschnüre der Moskitogitter der Dachfenster lösen sich von ihrer Befestigung
- Ein Schließriegel der Oberschränke bricht während der Fahrt ab, der Schrank muss mit Panzer-Tape zugeklebt werden
- Die Deckenverkleidung auf der Höhe der Duschkabine fällt herunter
Würden wir ihn nochmal kaufen? (Update)
Keine Ahnung. Anfangs konnten wir noch über die Mängel hinwegsehen. Aber das Fahrzeug ist nun 3 Jahre alt und irgendwann (nach weiteren zwei Jahren) läuft die Garantie aus – Was erwartet uns dann…?
Wir könnten ihn vorher verkaufen und uns einen Nachfolger zulegen. Aber dann fängt der ganze Zirkus von vorne an.
Wir könnten ein anderes Modell nehmen, mittlerweile gibt es Alternativen auf Crafter-Basis. Aber andere Camper haben andere Fehler und oft noch weitaus mehr – dazu haben wir uns zu oft die Klagen diverser Mitcamper anhören müssen.
Wären wir jünger, würden wir uns einen Crafter als Basisfahrzeug kaufen und selbst ausbauen – und zwar mit deutlich weniger elektronischem Firlefanz und mit deutlich besserer handwerklicher Qualität.
Zufriedenheit sieht jedenfalls anders aus.