Die Fährüberfahrt mit der GMV Pegasus (einem nicht mehr ganz „frischen“ Schiff) selbst verlief unspektakulär. Wir fuhren spätabends auf die Fähre, aßen noch eine Kleinigkeit und legten uns kurz nach dem Ablegen schlafen.
Weniger erfreulich war allerdings unsere Kabine. Die eigentlich gebuchte – und natürlich auch bezahlte – Premium-Kabine mit Doppelbett und eigener Sitzgarnitur stand uns nicht zur Verfügung. Ob es sie schlicht nicht gab oder ob sie anderweitig vergeben worden war, blieb offen. Stattdessen mussten wir mit einer eher unkomfortablen Vierbettkabine vorliebnehmen. Immerhin hatten wir sie für uns allein, und immerhin war es eine Außenkabine.
Bleibt nur noch die Frage, ob wir auch das zu viel bezahlte Geld wiedersehen. Wir sind gespannt …







Mit der Nachtfähre von Bari nach Durres
Der erste Abschnitt auf dem Weg nach Shkodër ist zunächst eher ernüchternd. Die Schnellstraße führt schnurgerade durch die Ebene, rechts und links gesäumt von Tankstellen, Gewerbeflächen und erstaunlich vielen Autowaschanlagen. Dazwischen stehen immer wieder Gebäude, die entweder nie fertiggestellt wurden oder längst wieder aufgegeben wurden. Kein besonders malerischer Einstieg in Albanien.
In Shkodër selbst finden wir schließlich einen kleinen Stellplatz bei einer älteren Dame, die ausschließlich Albanisch spricht. Die Verständigung funktioniert trotzdem irgendwie über DeepL – und kaum stehen wir richtig, werden wir mit einem riesigen Berg Weintrauben beschenkt. Ein deutlich herzlicherer Empfang als die Straße zuvor vermuten ließ.
Ein Land hinter verschlossenen Grenzen
Wer heute durch Albanien reist, kann sich kaum vorstellen, wie isoliert dieses Land noch vor wenigen Jahrzehnten war. Bis 1912 Teil des Osmanischen Reiches, erlebte Albanien nach seiner Unabhängigkeit politische Turbulenzen, eine kurze Monarchie unter König Zog und während des Zweiten Weltkriegs die Besetzung durch Italien und später Deutschland.
Die prägendste Phase des modernen Albaniens begann jedoch erst nach dem Krieg. 1944 übernahmen die Kommunisten unter Enver Hoxha die Macht und errichteten eine der strengsten kommunistischen Diktaturen Europas. Politische Gegner wurden verfolgt, Wirtschaft und Landwirtschaft verstaatlicht und die Bevölkerung vom Geheimdienst überwacht. Hoxha verfolgte eine Politik der Unterdrückung der Religion, indem er Kirchen und Moscheen schloss, zerstörte oder zweckentfremdete und religiöse Betätigung unterdrückte.
Anfangs orientierte sich Albanien an Jugoslawien und wandte sich später der Sowjetunion zu. Doch selbst deren kommunistischer Kurs ging Enver Hoxha irgendwann nicht weit genug. Er brach zunächst mit Moskau und verbündete sich mit Maos China. Nach Maos Tod kam es 1978 jedoch zu einem weiteren Bruch, als sich auch China öffnete.
Diese Isolation führte dazu, dass Hoxha Albanien von potenziellen Feinden umgeben sah. Er ließ überall Verteidigungsanlagen errichten, und Reisen ins Ausland wurden für die meisten Albaner praktisch unmöglich. Die Grenzen wurden streng bewacht, und Kontakte zur Außenwelt stark eingeschränkt.
Nach Hoxhas Tod im Jahr 1985 übernahm Ramiz Alia die Führung. Zunächst änderte sich wenig. Doch während Ende der 1980er-Jahre überall in Osteuropa die kommunistischen Regime zusammenbrachen, ließ sich auch Albanien nicht mehr dauerhaft abschotten. 1990 kam es zu Protesten und Massenfluchten, Tausende Menschen suchten Zuflucht in ausländischen Botschaften. Im folgenden Jahr fanden erstmals pluralistische Wahlen statt, 1992 verlor die kommunistische Nachfolgepartei die Macht.
Für Albanien bedeutete das nicht einfach nur einen Regierungswechsel. Innerhalb weniger Jahre öffnete sich ein Land, das über Jahrzehnte fast hermetisch von der Außenwelt getrennt gewesen war. Marktwirtschaft, westliche Konsumwelt und Reisefreiheit trafen auf eine Gesellschaft, die darauf kaum vorbereitet sein konnte. Viele Albaner verließen das bitterarme Land; 1997 folgte eine weitere schwere Krise: Hunderttausende Albaner verloren ihre Ersparnisse in betrügerischen Anlage- und Schneeballsystemen, die zuvor enorme Renditen versprochen hatten. Die darauf folgenden Unruhen eskalierten so weit, dass in Teilen des Landes die staatliche Ordnung zeitweise zusammenbrach.
Wer heute durch Albanien reist, erlebt eine bemerkenswerte Transformation, die sich innerhalb einer einzigen Generation vollzogen hat. Bunker am Straßenrand, monumentale Bauten aus kommunistischer Zeit und der manchmal schroffe Kontrast zwischen Verfall, Improvisation und hochmoderner Architektur erhalten vor diesem Hintergrund eine ganz neue Bedeutung. Das Albanien, das wir heute kennen, hat nur wenige Jahrzehnte gebraucht, um sich von einem nahezu vollständig abgeschotteten Staat zu einem offenen europäischen Land zu entwickeln.
Shkodër – eine Stadt zum Herumlaufen
Shkodër erschließt sich nicht unbedingt über eine lange Liste großer Sehenswürdigkeiten. Viel angenehmer ist es, sich einfach durch das Zentrum treiben zu lassen. Rund um die ausgedehnte Fußgängerzone zeigt sich die Stadt von ihrer lebendigsten Seite: Cafés, Restaurants, alte Fassaden, Fahrräder und erstaunlich viel Leben auf der Straße. Besonders am späten Nachmittag und am Abend, wenn es kühler wird, füllen sich die Gassen.
Mitten im Zentrum steht die große Ebu-Bekr-Moschee. Wir wollten sie anschauen und wurden gleich wieder vertrieben - Gebetszeit. Nur wenige Straßen weiter finden sich katholische und orthodoxe Kirchen. In der Franziskaner-Kirche findet man statt klassischer religiöser Bilder eher modernere Bilder, welche die Unterdrückung religiösen Lebens zu Hoxa-Zeit symbolisieren.
Dieses selbstverständliche Nebeneinander verschiedener Religionen gehört zu Shkodër und erinnert daran, wie vielschichtig die Geschichte der Stadt und Albaniens überhaupt ist. Trotzdem ist Albanien ein schwerpunktmäßig muslimisches Land – aber mit einem sehr toleranter Islam. Kopftücher sind hier eher die Ausnahme. Wenn man die sehen will, fährt man besser nach Berlin oder Duisburg.
Dann das Marubi-Fotomuseum, das wirklich sehenswert ist: Die Geschichte der Familie Marubi reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, und ihre Fotografien sind weit mehr als alte Porträts. Sie dokumentieren Menschen, Kleidung, Alltag und gesellschaftliche Veränderungen und öffnen damit ein ungewöhnliches Fenster in ein Albanien, das heute weitgehend verschwunden ist.
Die Burg Rozafa liegt auf einem Hügel über der Stadt, wir haben sie nicht besucht – uns war der Weg schlichtweg zu weit. Von der alten Festungsanlage selbst sind vor allem Mauern und Ruinen geblieben. Tatsächlich soll man von hier oben einen tollen Ausblick haben: weit über Shkodër hinweg, auf den Skutarisee und die Flusslandschaft von Buna und Drin bis zu den Bergen am Horizont.



Shkodër: Fußgängerzone und Moschee




Wenn ein Gesellschaftsversuch statt zu einem besseren Leben zu Armut für Alle wird
Fahrbar heißt noch lange nicht empfehlenswert
Unser Plan war es, heute nach Theth zu fahren. Die Straße dorthin gilt inzwischen als gut ausgebaut und vollständig asphaltiert, sodass selbst größere Wohnmobile die Strecke problemlos bewältigen können – heißt es. Also machten wir uns mit unserem Grand California auf den Weg in die Albanischen Alpen. Nach etwa der Hälfte der Strecke drehten wir jedoch um.
Der Grund dafür war nicht die Straßenbeschaffenheit. Im Gegenteil: Der Asphalt war in gutem Zustand, und zumindest auf dem Abschnitt, den wir befahren hatten, gab es keine nennenswerten Steigungen oder Kehren. Das Problem lag in der Tatsache, dass die Straße über weite Strecken faktisch einspurig war – und gleichzeitig erstaunlich stark befahren.
Die Fahrt mit einem knapp sieben Meter langen und 4,2 Tonnen schweren Wohnmobil wurde dadurch schnell zur Nervenprobe. Immer wieder kam Gegenverkehr, und wir mussten anhalten, ausweichen oder eine geeignete Stelle abwarten. Mit einem normalen Pkw wäre das vielleicht kaum der Rede wert gewesen, aber mit einem großen Wohnmobil sah die Sache anders aus. Irgendwann stellten wir uns die entscheidende Frage: Warum tun wir uns das eigentlich an?
Es mag sein, dass die Strecke weiter oben spektakulärer wird und Theth tatsächlich wunderschön ist. Aber wir sind nicht unterwegs, um Reiseziele abzuhaken oder zu beweisen, wo wir mit unserem Wohnmobil überall hinkommen. Wenn schon die Anfahrt mehr Stress als Freude bereitet, ist es völlig in Ordnung, einfach umzukehren.
Auf dem Rückweg begegnet uns tatsächlich noch ein ausgewachsener Wohnmobil-Liner. Es scheint also doch möglich zu sein. Unser spontaner Gedanke: Viel Vergnügen! Denn „fahrbar“ ist ein erstaunlich dehnbarer Begriff. Mit einem großen Wohnmobil kann man vermutlich auf vielen Straßen fahren, wenn man es wirklich möchte. Die interessantere Frage ist jedoch irgendwann nicht mehr, ob man es kann, sondern warum man es sollte.
Wir jedenfalls müssen niemandem etwas beweisen. Albanien ist groß genug und wir haben genügend Zeit, um uns Straßen zu suchen, auf denen die Fahrt selbst Teil der Reise ist – und keine Prüfung der eigenen Leidensfähigkeit. Also zurück zum Shkodër-See. Jetzt stehen wir am Wasser, blicken hinüber auf die Berge und warten ab, was kommt.
Theth läuft uns nicht weg. Und zwei plötzlich unverplante Tage in Albanien sind vielleicht sogar der bessere Reiseplan.

Die Straße nach Theth: The Point of Return
Ziemlich viel Ärger
Das Wohnmobil bereitet leider eine Menge Ärger: Wasserschaden, zerbrochenes Schrankschloss, defektes Fliegengitter, Riss in der Duschkabinenwand, Riss im Tisch, verzogene Tür zur Duschkabine und defekte CEE-Einspeisung.
Das Auto ist drei Jahre alt und hat deutlich über € 100.000 gekostet. Es ist jedoch wenig erfreulich, morgens aufzuwachen und festzustellen, dass es wieder einen neuen Defekt gibt. Die größte Sorge bereitet uns dabei der Wasserschaden: Wohin ist das Wasser bereits gelangt? Mehr dazu im nächsten Artikel.
Das Problem: Alle ab 2020 gebauten Camper weisen mehr oder weniger gravierende Qualitätsprobleme am Ausbau auf. Ein Campingnachbar beschrieb seinen frisch gekauften Pössl als „einen einzigen Sauhaufen“ und hatte bereits nach zwei Wochen einen Wasserschaden. Ein Hymerbesitzer rät: „Einen Camper kauft man erst, wenn er zwei oder drei Jahre alt ist und der Vorbesitzer alle Mängel behoben hat.“
Unter „Das Auto“ hatten wir seinerzeit trotz schon damals auftretender Probleme einen wohlwollenden Review geschrieben. Mittlerweile nehmen wir das zurück. Das Basisfahrzeug ist sicher gut, aber der Ausbau ist der eines Schönwettercampers, der per Autobahn seine Ziele anfährt. Schade drum.
