Weiter südlich öffnet sich das Vorland der Pyrenäen, das an das Allgäu erinnert. Anders als dort weiden hier jedoch meist Schafe auf den tiefgrünen Wiesen.
Die Landschaft verändert sich deutlich: Von den flachen, sandigen Ebenen der Küstenregion geht es über in ein sanft gewelltes Hügelland, das nach Süden hin stetig ansteigt. Je näher man dem Gebirge kommt, desto deutlicher zeichnen sich am Horizont die ersten markanten Erhebungen der Pyrenäen ab, insbesondere im Baskenland.
Das Baskenland bietet eine landschaftlich beeindruckende Kulisse: grüne Hügel, schroffe Küsten und eine starke regionale Kultur. Doch unter dieser Oberfläche verbirgt sich eine Geschichte, die erklärt, warum diese Region mehr ist als nur ein Landstrich zwischen Atlantik und Pyrenäen.
Das Baskenland ist eine politisch bewegte Region. Vor allem auf der spanischen Seite war der Konflikt um Autonomie und Unabhängigkeit über Jahrzehnte von Spannungen und Gewalt geprägt. Die Aktivitäten der Untergrundorganisation ETA haben die Region bis weit ins 21. Jahrhundert hinein überschattet.




Bauernhofidylle in den Pyrenäen
Wir fahren durch Saint-Jean-Pied-de-Port, einen der Haupteinstiegspunkte des Jakobswegs. Auf dem Weg nach Roncesvalles, das bereits auf spanischem Boden liegt, kommen wir an zahlreichen Pilgern vorbei, die den beschwerlichen Weg entlang der Straße zurücklegen, da der Fußweg auf der anderen Talseite deutlich länger wäre.



Klosteranlage in Roncesvalles
Am Abend erreichen wir Olite, ein charmantes Städtchen in der Region Navarra, das vom Tourismus weitgehend unberührt geblieben ist. Olite ist kein Muss, sondern eher ein Zwischenstopp, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die perfekte Mischung aus Geschichte, Atmosphäre und einer unaufdringlichen Schönheit macht es zu einem besonderen Ort. Einst Residenz des Königs von Navarra, zeugt der Palast von dieser glorreichen Vergangenheit. Abseits des Palastes präsentiert sich Olite bodenständig: enge Gassen, Natursteinhäuser, kleine Plätze und gemütliche Cafés. Alles wirkt ruhig, ein wenig verschlafen, aber angenehm unaufgeregt. Olite drängt sich nicht auf, sondern lädt zum Verweilen ein.
Die Landschaft unterscheidet sich deutlich vom Baskenland. Trocken und wüstenartig präsentiert sie sich, das satte Grün der Südausläufer der Pyrenäen ist verschwunden. Stattdessen dominieren karge Flächen, niedrige Vegetation und weit auseinanderliegende Ortschaften. Die Farben sind heller geworden – Ocker, Beige und Staubgrau. Felder ziehen sich über sanfte Hügel, dazwischen immer wieder brachliegende Flächen. Bäume sind selten geworden.
Die Städte, die wir durchqueren, präsentieren sich in einem völlig anderen Licht. Sie sind in das ockerbraun der Umgebung eingebettet, belebt von Menschen auf den Straßen, offenen Bars, regem Treiben und Lärm. Dennoch scheinen viele, insbesondere kleinere Orte, dem Verfall preisgegeben zu sein. Zahlreiche Häuser stehen leer, bei einigen sind bereits die Dächer eingebrochen und Mauern stürzen ein.






Eindrücke aus Olite
Almazán, unser nächster Halt, ist ein Ort, der vom Massentourismus verschont geblieben ist. Alte Stadtmauern mit einem imposanten Markttor, einige Türme und verwinkelte Gassen zeugen von einer Zeit, in der dieser Ort strategisch bedeutender war als heute. Gegründet von muslimischen Eroberern, lag Almazán einst strategisch günstig im Grenzgebiet zwischen den islamisch geprägten Reichen im Süden und den christlichen Königreichen im Norden der Iberischen Halbinsel.
Ein dunkles Kapitel der Geschichte verbindet Almazán mit dem Spanischen Bürgerkrieg. In dieser Zeit diente die Stadt und ihre Umgebung der deutschen Legion Condor als Operations- und Versorgungsbasis. Beim Spaziergang durch die ruhigen Straßen von Almazán ist davon jedoch nichts mehr zu spüren.
Die Umgebung von Almazán ist geprägt von Weite und Leere. Felder, sanfte Hügel und wenig Verkehr prägen die Landschaft. Hier ist man nicht in den touristisch geprägten Regionen Spaniens, sondern in einem Teil des Landes, der seinen eigenen Rhythmus hat.
Hinter Almazán erstreckt sich zunächst eine weite Landschaft. Felder, Hügel und wenig Verkehr prägen die Szene. Eine ruhige und einsame Strecke führt über eine Hochebene, die sich fast unbemerkt verändert – bis plötzlich ein Bruch in der Landschaft auftaucht.




Rundgang in Almazan
Die Hoces del Río Duratón schneiden sich tief in die Hochebene ein. Was eben noch offen und unspektakulär war, fällt hier steil ab: rotbraune Felswände, enge Schleifen des Flusses und Geier, die über dem Canyon kreisen. Irgendwann läuft uns fast ein Wildschwein vor das Auto.


Hoces del Río Duratón
Die Straße bleibt danach relativ ruhig. Kleine Ortschaften, wenig Verkehr und viel Weite prägen die Landschaft. Allmählich kündigt sich das nächste landschaftliche Highlight an: die Puerto de Navafría in der Sierra de Guadarrama. Dieser Pass auf fast 1800 Metern Höhe wird von einer schmalen Straße durchzogen. Der Anstieg ist angenehm zu fahren, ohne große Dramatik, und der Verkehr ist hier ohnehin spärlich. Mit jeder Kurve sinkt die Temperatur, und oben angekommen, säumt etwas Schnee den Straßenrand.
Wer Spanien hauptsächlich mit Küstenurlaub, Badeorten und trockener Hitze assoziiert, erlebt im Landesinneren eine kleine Korrektur seines Spanienbildes. Weite Teile des Landes sind deutlich gebirgiger, rauer und höher gelegen, als man es aus der deutschen Urlaubsperspektive vermuten würde. Selbst weit südlich von Madrid ziehen sich noch ausgedehnte Gebirgszüge durch die Landschaft, viele davon mit Gipfeln bis zu 2500 Metern. Und selbst in Höhenlagen um 1900 Meter liegt stellenweise noch Schnee.
Für uns war das durchaus überraschend. Spanien, das klingt im Kopf schnell nach Sonne, Meer und milden Abenden. Die Realität unterwegs sieht zu dieser Jahreszeit oft ganz anders aus: klare Luft, kahle Höhen, schneebedeckte Bergflanken – und nachts Temperaturen um den Gefrierpunkt. Gerade diese Gegensätze machen das Reisen hier aber so spannend. Hinter jeder Passstraße wartet ein anderes Spanien: herber, stiller, weiter und wesentlich alpiner, als es die gängigen Klischees vermuten lassen.
Bei der morgendlichen Weiterfahrt kommt erst einmal ein kleiner Schreckmoment auf: Wir müssen tanken, doch an der ersten Tankstelle gibt es tatsächlich keinen Diesel. In einer Zeit, in der die Weltlage ohnehin nervös ist, weil ein durchgeknallter amerikanischer Präsident in seinem Eifer die Welt anzündet, bekommt so etwas schnell eine größere Wirkung, als es vielleicht verdient. Zum Glück bleibt der Schrecken kurz: An der nächsten Tankstelle fließt der Diesel ganz normal.
Spätestens an der Zapfsäule merkt man dann auch wieder, was so ein großes Fahrzeug unterwegs kostet. Unser Grand California, immerhin ein 4,2-Tonnen-Gefährt, liegt im Schnitt bei rund 10,5 Litern auf 100 Kilometer. Bei den in den letzten Wochen spürbar gestiegenen Kraftstoffpreisen summiert sich das schnell zu einem ordentlichen Posten in der Reisekasse. Nach bislang rund 3000 Kilometern stehen wir derzeit bei Kraftstoffkosten von 636,89 Euro. Wir werden sehen, wie sich die Kosten weiterentwickeln.
Von Lozoya aus führt uns die Straße wieder hinauf in die Berge. Die Landschaft wirkt hier rauer und weiter als zuvor, fast schon herb. In zahllosen Kurven schraubt sich die Straße über einen Pass, vorbei an kargen Höhen, lichten Wäldern und Hängen, auf denen das Gestein offen zutage tritt. Die Sierra de Guadarrama ist eine Hochgebirgslandschaft mit Gipfeln über 2.000 Metern, großen Kiefernwäldern und weiten, oft erstaunlich stillen Tälern. Ab etwa 1800 Metern liegt Schnee auf den Bergen.
Richtung Navarredonda de Gredos wird die Landschaft dann noch markanter. Die Sierra de Gredos ist bekannt für ihre Granitberge, tief eingeschnittenen Schluchten, Kiefernwälder und Hochweiden. In den mittleren Lagen prägen vor allem Pinien, Wacholder und Ginster das Bild. Dieser Wechsel aus dunklem Grün, grauem Fels und den offenen Weideflächen hat etwas sehr Eigenes.
Eine steile Straße bringt uns hinunter zu einem Campingplatz, auf dem wir die einzigen Camper sind. In der Nacht gibt es sogar leichten Frost.

Morgendlicher Blick auf die Sierra de Gredos
