Unsere Marokko-Tour scheint leider von Pech verfolgt zu sein. In Royan musste Michael sogar notfallmäßig ins Krankenhaus – ein altes Problem, das wir glaubten, im Griff zu haben, meldete sich zurück. Glücklicherweise war die Notambulanz kompetent und freundlich, sodass das Problem recht bald behoben war und Michael mit etwas wackeligen Beinen entlassen werden konnte.

Intermezzo in der Notambulanz


In Frankreich erhältst du medizinische Hilfe in der Regel in der Notambulanz eines Krankenhauses („Urgences“) oder in einer Bereitschaftspraxis („Maison médicale de garde“). Mit deiner deutschen gesetzlichen Krankenversicherung bist du über die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) abgesichert, die sich auf der Rückseite deiner Gesundheitskarte befindet.

Bei der Anmeldung zeigst du einfach deinen Ausweis und die EHIC vor. Anschließend erfolgt eine kurze medizinische Ersteinschätzung, dann beginnt die eigentliche Versorgung. Die Behandlung unterscheidet sich kaum von der in Deutschland, mit Ausnahme der Tatsache, dass das Krankenpflegepersonal in Frankreich offensichtlich deutlich mehr Kompetenzen hat.

Was die Kosten betrifft, gibt es zwei Möglichkeiten: Einige Kliniken rechnen direkt über die EHIC ab, oft musst du die Behandlung jedoch zunächst selbst bezahlen. Du erhältst dann eine Rechnung („facture“), die du später bei deiner deutschen Krankenkasse einreichen kannst. Gleiches gilt für Medikamente aus der Apotheke.

Es ist wichtig, alle Rechnungen, Quittungen und Arztberichte aufzubewahren, um sich die Kosten nach der Reise von der Krankenkasse erstatten lassen zu können.

Eine explizite Auslandskrankenversicherung ist sinnvoll, da das EHIC-Verfahren oft Lücken aufweist, die man selbst tragen muss. Sie sorgt dafür, dass man im Ernstfall nicht auf hohen Kosten sitzen bleibt und sicher nach Hause zurückkehren kann. Man sollte jedoch beachten, dass nicht alle Länder abgedeckt sind und die versicherte Reisezeit begrenzt sein kann. Für längere Reisen gibt es spezielle Langzeit-Auslandskrankenversicherungen.


Drei Dinge, die in Frankreich nicht so toll sind

Höhenbeschränkungen

Drei Dinge können Wohnmobilisten und Vanlifern in Frankreich zuverlässig den Nerv rauben. Und nein, es sind nicht die zahlreichen Kreisverkehre oder die berüchtigten Temposchwellen. Ganz oben auf der Liste der Ärgernisse stehen die Höhenbeschränkungen an Parkplätzen.

Stellen dir vor: Du entdeckst einen idyllisch gelegenen Parkplatz, vielleicht sogar mit Blick aufs Meer oder auf eine charmante Altstadt. Du biegst ab, rollst auf die Einfahrt zu – und plötzlich hängt ein Balken quer über der Zufahrt. 2,10 Meter. Manchmal sogar nur 1,90 oder 1,80 Meter. Für einen normalen PKW ist das kein Problem. Für ein Wohnmobil bedeutet es jedoch eindeutig: Hier ist Schluss.

Und das ist kein Einzelfall. Es scheint, als wären drei Viertel aller Parkplätze betroffen, insbesondere in Küstennähe, an Stränden, in Innenstädten oder bei touristischen Zielen.

Natürlich gibt es dafür einen Grund. Frankreich ist eines der beliebtesten Camperländer Europas. Viele Vanlifer und Wohnmobilfahrer haben Parkplätze lange Zeit als kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten genutzt. Wenn man sich vorstellt, was auf solchen Flächen in der Hochsaison los wäre bzw. war, wenn dort jede Nacht eine kleine Wagenburg entstehen würde, versteht man schnell, warum Gemeinden irgendwann reagiert haben.

Der Querbalken über der Einfahrt ist dabei die einfachste Lösung.

Hohe Fahrzeuge werden abgewiesen, während Autos einfahren dürfen. Für Wohnmobilfahrer kann das frustrierend sein, doch für Städte und Gemeinden ist es eine effektive Methode zur Parkraumbewirtschaftung. Und wenn wir ehrlich sind, tragen wir Camper wahrscheinlich auch einen Teil der Schuld an dieser Entwicklung.


Gewichtsbeschränkungen

Ein weiteres Thema, das Camper in Frankreich frustriert, sind Gewichtsbeschränkungen. Für viele Camper ist das kein Problem, da die meisten Campervans und viele Wohnmobile zumindest offiziell unter der 3,5-Tonnen-Grenze liegen und damit rechtlich als normale PKW gelten.

Unser Grand California hingegen wiegt 4,2 Tonnen und fällt damit auf dem Papier in eine andere Fahrzeugklasse. In Frankreich sind viele Straßen mit dem Schild „3,5 t“ versehen. Ist dieses Schild mit einem LKW-Symbol verbunden, gilt die Beschränkung nur für Lastwagen und man kann beruhigt weiterfahren.

Ein fehlendes LKW-Symbol bedeutet jedoch: Alles über 3,5 Tonnen muss draußen bleiben. Dieses Schild taucht oft genau dann auf, wenn man schon ein paar Kilometer auf einer schmalen Landstraße unterwegs ist. Man fährt um eine Kurve – und plötzlich steht es da: 3,5 t. Ende der Durchfahrt.

Dann gibt es im Grunde drei Möglichkeiten: Einen mehr oder weniger weiten Umweg fahren, umdrehen und im schlimmsten Fall zehn Kilometer zurückfahren, weil es vorher keine Abzweigung gab, oder Option drei: Man fährt trotzdem weiter.


Umweltplaketten

Ein weiteres Thema, das in Frankreich gelegentlich für Verwirrung sorgt, sind die Umweltzonen. Grundsätzlich ist das System recht einfach: In vielen französischen Städten benötigt man die Crit’air-Plakette. Diese haben wir natürlich – schon allein, weil wir nicht allzu weit von der französischen Grenze entfernt wohnen. Sie ordnet das Fahrzeug einer bestimmten Emissionsklasse zu und entscheidet, ob man in bestimmte Umweltzonen einfahren darf. Warum die bei uns bekannte EU-Plakette nicht ausreicht, bleibt ein Rätsel.

So weit, so gut. Das Problem beginnt jedoch dort, wo zusätzliche lokale Regelungen hinzukommen. Viele Städte haben eigene Umweltzonen eingerichtet, sogenannte ZFE (Zones à Faibles Émissions). Und diese Zonen funktionieren nicht überall gleich. Manche gelten nur an bestimmten Tagen, andere nur bei hoher Luftverschmutzung, wieder andere dauerhaft. Teilweise sind sie auf einzelne Stadtteile beschränkt, teilweise betreffen sie fast das gesamte Stadtgebiet.

Die Beschilderung ist oft dezent bis gar nicht vorhanden, und die Regeln unterscheiden sich von Stadt zu Stadt. Wer sich nicht vorher informiert, merkt spätestens, dass er sich in einer eingeschränkten Zone bewegt, wenn ihm eine Rechnung von mehreren Hundert Euro ins Haus flattert.

In der Praxis bedeutet dies für viele Wohnmobilfahrer, dass sie sich gut überlegen, ob sie überhaupt noch mit dem Camper in größere Städte fahren oder lieber außerhalb stehen bleiben und den Rest mit Bus, Tram oder Fahrrad erledigen. Für uns hieß das: Bordeaux musste auf unseren Besuch verzichten, da es unklar war, ob man dort überhaupt reinfahren durfte.


Ein Segen für Vanlifer: Waschmaschinen am Supermarkt


Landschaft südwestlich von Bordeaux

Südwestlich von Bordeaux verändert sich die Landschaft deutlich. Weinberge weichen kleineren Ortschaften, und bald fährt man durch ausgedehnte Wälder. Die Forêt des Landes, einer der größten zusammenhängenden Kiefernwälder Europas, prägt diese Region.

Dieser Wald trägt die Spuren vergangener Waldbrände. Immer wieder sieht man Flächen, auf denen die Bäume fehlen oder nur verkohlte Stämme stehen. Waldbrände sind hier ein wiederkehrendes Problem. Die extrem trockenen Sommer der letzten Jahre haben große Gebiete zerstört. Der letzte große Waldbrand ereignete sich im Sommer 2022. Ganze Waldstücke wurden Opfer der Flammen, und obwohl vielerorts bereits neu aufgeforstet wurde, bleibt die Landschaft stellenweise noch lange gezeichnet.

Zu Beginn dieses Jahres kam dann fast wie ein Gegenbild dazu das andere Extrem: wochenlanger Dauerregen. Die Böden, ohnehin sandig und wenig aufnahmefähig, waren schnell gesättigt. In vielen Bereichen stand das Wasser zwischen den Bäumen, Wege wurden aufgeweicht oder unpassierbar, und selbst kleine Senken verwandelten sich in ausgedehnte Wasserflächen.

Was man heute sieht, ist oft eine Mischung aus beidem: Flächen, die vom Feuer gezeichnet sind – und daneben Böden, die noch immer schwer und feucht wirken. Die Natur zeigt sich hier nicht nur ruhig und gleichmäßig, sondern auch als ein System, das immer wieder zwischen Extremen pendelt.

Brücke über die Dordogne


Schließlich tauchen plötzlich Lagunen und flache Seen auf – stille Wasserflächen, oft von Schilf umgeben. Viele davon sind natürliche Senken im sandigen Boden, andere ehemalige Abbauflächen oder alte Wasserläufe. Sie verleihen der Gegend eine eigenartige Mischung aus Wald-, Moor- und Küstenlandschaft.

Und irgendwann kommt dann der Moment, auf den man während der Fahrt unbewusst wartet: der erste Blick auf den Atlantik. Oder besser gesagt: zuerst hört man ihn. Schon aus einiger Entfernung liegt ein tiefes, gleichmäßiges Rauschen in der Luft, ein Geräusch, das sich deutlich von dem unterscheidet, was man von Ostsee oder Nordsee kennt. Wenn sich schließlich die Dünen öffnen und der Blick frei wird, versteht man sofort warum.

Der Atlantik präsentiert sich hier in seiner ganzen Pracht: größer, wilder und kraftvoller. Die Wellen rollen mit einer ganz anderen Wucht an den Strand, und spätestens in diesem Moment wird einem bewusst, dass man nicht nur einfach am Meer steht, sondern am Atlantik.

Bicarosse Plage