Wir haben uns ein solches Teil (Grand California 680) zu Hochpreiszeiten gekauft und dann nochmal 20 - 25% des Kaufpreises für Ausstattung und individuelle Lösungen reingesteckt - alles völlig unvernünftig, ich weiß. Aber es war eine der besten Entscheidungen unseres Lebens gewesen. Wir sind 2/3 - 3/4 des Jahres unterwegs. Wunderbar.


Warum ich der CMT fernbleibe und was der Markt gerade lehrt

Die CMT läuft gerade in Stuttgart. Für viele ist das ein Pflichttermin, für manche ein Ritual, für andere der Startschuss für den nächsten Kauf (von was auch immer). Ich wollte eigentlich hinfahren und habe es dann doch bewusst nicht gemacht bzw. mache es auch die nächsten Tage nicht. Nicht, weil mich das Thema nicht mehr interessiert – im Gegenteil. Sondern weil ich ziemlich sicher wieder in eine Art Kaufrausch geraten wäre – auch wenn es bei den meisten Sachen nur beim „Haben-wollen“ geblieben wäre. Weil mir schon vorab klar war: Ich hätte das meiste von dem, was auf der CMT glänzt, eigentlich gar nicht gebraucht.

Diese Einsicht fühlt sich ungewohnt nüchtern an. Und sie passt erstaunlich gut zur aktuellen Lage des Wohnmobilmarkts.


Der große Rausch – und das leise Erwachen

Der Corona-Boom hat die Caravan- und Campingbranche in einen Ausnahmezustand versetzt. Wohnmobile wurden plötzlich nicht mehr als Fahrzeuge gekauft, sondern als Versprechen. Sicherheit. Unabhängigkeit. Ein Urlaub ohne fremde Regeln. Die Nachfrage explodierte, die Preise zogen massiv an, teils verdoppelten sich die Preise für einige Modelle in kurzer Zeit - einen voll ausgestatteten Grand California kriegtest du bis vor kurzem nicht mehr unter € 90.000. Geld war billig, Finanzierungen leicht, Wertverluste schienen aufgehoben.

Viele kauften nicht, weil sie wussten, wie sie reisen wollen – sondern weil sie reisen wollten, ohne genauer zu definieren wie und warum. Außerdem ist so ein Wohnmobil auch ein Statussymbol.

Die Händler reagierten nachvollziehbar: Sie expandierten, füllten ihre Höfe - oft auf Kredit. Alles deutete darauf hin, dass es so weitergehen würde. Doch das tat es nicht. Mit dem Ende der Pandemie endete auch der Ausnahmezustand. Die Nachfrage brach ein, die Realität kehrte zurück. Kredite konnten von vielen Händlern nicht mehr bedient werden.

Und mit dem Nachfrageeinbruch kam die Ernüchterung.


Camping ist kein billiger Urlaub – nur ein anderer

Viele der sogenannten „Ad-hoc-Camper“ stellten schnell fest, dass das Wohnmobil kein magischer Ausweg ist. Die Stellplätze sind teuer geworden, die Abstellplätze zuhause und im Winterlager kosten Geld, die ganze Camping-Infrastruktur ist oft überlastet. Camping ist kein Sparmodell wie noch vor 30 Jahren, sondern eine bewusste Lebens- und Reiseform - und durchaus auch hochpreisig (damit meine ich nicht nur das sogenannte „Glamping“). Wer das erst nach dem Kauf von Equipment merkt, zahlt doppelt: emotional und finanziell.

Besonders hart trifft es derzeit den Wohnmobilmarkt. Dort folgte auf den Boom eine deutliche Korrektur. Die Preise sinken, die Restwerte brechen ein, die Fahrzeuge (egal ob neu oder gebraucht) stehen wie Blei auf dem Hof der Händler. Wohnwagen (als Parallelkonzept zum Wohnmobil) haben diesen Zyklus weniger extrem durchlaufen - Wohnwagenkäufer sind eine etwas andere Klientel. Wohnwagen waren nie so stark emotional aufgeladen, nie so stark überbepreist. Kurz: Weniger Glamour, dafür mehr Stabilität.


Marktentspannung ist keine Kaufaufforderung

Heute wirkt vieles wieder „vernünftig“. Größere Auswahl, kürzere Lieferzeiten, bessere Preise. Doch genau darin liegt die nächste Falle. Nur weil der Markt sich entspannt hat, wird ein Wohnmobilkauf nicht automatisch sinnvoll. Ein Wohnmobil rechnet sich nicht - es wird sich nie rechnen, jeder Hotelurlaub ist preiswerter. Ein Wohnmobil trägt sich nur, wenn es genutzt wird – regelmäßig, bewusst und passend zum eigenen Leben. Und selbst dann ist es im Regelfall teurer als ein Hotelaufenthalt.

Zum Vergleich: Zwei Wochen im Adlon kosten in der Hochsaison inkl. Frühstück „nur“ rund € 6.000. Wenn du ein eher preisgünstiges Wohnmobil kaufst, könntest du von gleichen Geld rund zehn Jahre Sommerurlaub im Adlon machen und da habe ich Campingplatz-, Treibstoff- und andere Nebenkosten noch gar nicht einkalkuliert.

Doch zurück zur Marktsituation: Der Markt zeigt derzeit sehr klar, was passiert, wenn Fahrzeuge aus Hoffnung statt aus Erfahrung gekauft werden. Wertverluste sind wieder real. Die Technik ist komplexer geworden, nicht einfacher (ich sage nur „Bus-System“… - wer ein neueres Wohnmobil nutzt, weiß, was ich damit meine). Und viele Fahrzeuge aus der Boomphase leiden unter Qualitätsproblemen, die man erst beim zweiten Blick erkennt: Hastig zusammengeschusterte Neufahrzeuge, reduzierte Ausstattung und bei Gebrauchtfahrzeugen gerne auch mal Feuchtigkeitsschäden, die man erst entdeckt, wenn es zu spät ist.

Dann der Wertverlust: Gerade bei Fahrzeugen oberhalb € 80.000 liegt er oft im Bereich von 50% für zwei Jahre alte Fahrzeuge - also genau jene zwei Jahre, nach denen man merkt, Wohnmobilurlaub ist doch nicht das Gelbe vom Ei.


Die Nebenkosten und andere Probleme

Dass die Treibstoffkosten im laufenden Betrieb der höchste Faktor sind, ist nicht richtig. Tatsächlich sind es (abgesehen vom Wertverlust der Hardware) die Campingplatzkosten. Beispielsweise in den Niederlanden (und nicht nur hier) bezahle ich auf einem guten Campingplatz Platzgebühren für die ich fast bereits eine Hotelunterkunft bekomme - € 60,00 und deutlich mehr sind keine Seltenheit. Und im Wohnmobil muss ich auch noch selbst das Bett machen und putzen. In der Woche kannst du grundsätzlich mal mit locker € 250,00 - 300,00 Campingplatzkosten rechnen, hinzu kommen Verpflegung- und Bespassungskosten. Hinzu kommt auch der ganze Stress um den Werterhalt der Hardware, du musst dich um die Wasser-, Gas- und Stromversorgung kümmern und und und.

Die Alternative Freistehen ist für die wenigsten eine Option, zumal es in vielen Ländern verboten ist. Der Hype um „autarkes Stehen “ ist halt auch nur ein Hype. Am Ende stehen die meisten doch auf dem Campingplatz und hängen an Netzkabel.

Und dann: Wohin mit dem Wohnmobil, wenn es nicht gebraucht wird? Am Straßenrand parken führt zu berechtigtem Unmut bei den Anwohnern (bei uns im Stadtteil, die inoffiziell als „Wohnmobilstraße“ bezeichnet wird…). Kuratierte Stellplätze können fast so viel kosten wie ein kleines Appartement (ich zahle € 50,00 - das ist an der unteren Grenze, aber auch für ein eher ungepflegtes Baugrundstück).

Dann braucht das Wohnmobil Pflege - und damit meine ich nicht die Autowäsche, die durchaus auch ein Problem ist, denn so einfach in die Waschanlage fahren geht aufgrund der Dimensionen nicht. Das Wohnmobil muss beispielsweise „winterfest“ gemacht werden und wer das nicht macht, riskiert teure Folgeschäden (die im Besten Fall der Gebrauchtkäufer ausbadet).


Technik, Zukunft und offene Fragen

Hinzu kommen beim Wohnmobil oder beim Wohnwagen strukturelle Themen, die unabhängig von Konjunkturzyklen bestehen bleiben. Beispiel Wohnwagen: Sinkende Anhängelasten erschweren klassische Caravan-Konzepte. Elektroautos versprechen viel, funktionieren aber im Zusammenspiel mit schweren Anhängern bislang nur eingeschränkt, eigentlich gar nicht. Und E-Wohnmobile: Vergiss es. Auch für die nahe Zukunft gilt: Zu schwer, zu geringe Reichweite. Ich sehe auch in fünf Jahren kein sinnvoll nutzbares E-Wohnmobil.

Wer heute kauft, kauft nicht in eine klare Zukunft, sondern möglicherweise in eine Übergangsphase. Das ist nicht per se schlecht. Aber es verlangt Ehrlichkeit.


Was bleibt – und was zählt

Auf den Punkt gebracht: Der Corona-Boom war eine Blase. Er hat Erwartungen erzeugt, die der Markt langfristig nicht erfüllen kann. Und er hat gezeigt, dass ein Wohnmobil kein Ersatz für eine geklärte Haltung zum Reisen ist.

Vielleicht liegt genau darin die neue Chance. Weniger Messe. Weniger Hochglanz. Weniger „man müsste eigentlich“. Stattdessen mehr Fragen: Wie oft bin ich wirklich unterwegs? Wie möchte ich reisen? Was brauche ich – und was glaube ich nur zu brauchen?

Dass ich nicht auf der CMT war, fühlt sich rückblickend nicht wie Verzicht an, sondern wie Klarheit. Die größte Freiheit liegt nicht im Besitz eines Fahrzeugs. Sie liegt darin, Nein sagen zu können, wenn ein Ja nur aus Gewohnheit, Verlockung oder Gruppendynamik entsteht.

Ein Wohnmobil ist dann sinnvoll, wenn der Wunsch aus Erfahrung entsteht. Nicht aus Angst, etwas zu verpassen. Und nicht aus der Hoffnung, dass ein Fahrzeug ein Lebensgefühl ersetzt, das man sich eigentlich ganz woanders erarbeiten müsste.

Für uns war der Kauf eines Wohnmobils jedenfalls ein Gamechanger. Und das war es uns wert. Auch zu Hochpreiszeiten.