Wer mit dem Wohnmobil durch Europa reist, merkt schnell, wie unterschiedlich Länder auf diese Form des Reisens reagieren. Dabei geht es gar nicht nur um Stellplätze oder Infrastruktur, sondern oft um eine grundsätzliche Haltung.

Natürlich gibt es Probleme. Wenn ganze Straßen mit abgestellten Wohnmobilen blockiert werden, sorgt das verständlicherweise für Ärger. Große Fahrzeuge passen nicht überall hin, besonders nicht in dicht bebaute Wohngebiete. Niemand möchte, dass der Blick aus dem eigenen Vorgarten mit einer Schrankwand versperrt wird. Und wenn ich mir die Heidelberger Adlerstraße anschaue, wo mittlerweile bis zu 10 Fahrzeuge in Reihe abgestellt werden, ist das durchaus eine Zumutung. Aber die entscheidende Frage lautet doch: Wohin sollen diese Fahrzeuge eigentlich ausweichen?

Genau hier beginnt das eigentliche Versagen vieler deutscher Kommunen. Seit Jahren steigt die Zahl der Wohnmobile massiv an. Gleichzeitig fehlt es nahezu überall an einfachen und bezahlbaren Abstellmöglichkeiten außerhalb der Reisezeiten. Statt frühzeitig Flächen auszuweisen oder praktikable Konzepte zu entwickeln, reagiert man erst dann, wenn die Konflikte längst eskaliert sind. Dann kommen Poller, Höhenbegrenzungen, Übernachtungsverbote und Schilderwald.

Deutschland macht dabei wieder etwas sehr Deutsches: Man versucht Entwicklungen mit Verboten einzuhegen, die man vorher verschlafen hat.

Dabei wäre die Lösung oft erstaunlich simpel. Viele Wohnmobilfahrer wären vermutlich sofort bereit, ihr Fahrzeug auf ausgewiesenen kommunalen Flächen abzustellen – wenn es diese denn (zu einem vernünftigen Preis) gäbe. Es bräuchte keine luxuriösen Campingplätze. Oft würde schon ein befestigter Platz (vielleicht sogar mit etwas Infrastruktur) reichen. Aber anstatt aktiv zu gestalten, dominiert häufig die Verbotslogik.

Besonders auffällig wird das im Vergleich mit anderen Ländern.

In Spanien beispielsweise hat man vielerorts längst verstanden, dass Wohnmobilreisende kein Störfaktor, sondern ein Wirtschaftsfaktor sind – gerade für strukturschwache Regionen. Selbst kleinere Orte bieten dort oft kostenlose oder sehr günstige Stellplätze an: mit Frischwasser, Entsorgung und manchmal sogar (meist kostenlosem) Strom. Nicht luxuriös, aber funktional. Die Botschaft dahinter ist klar: Reisende sind willkommen, denn sie bringen Leben und Geld in Regionen, die sonst oft wenig touristische Infrastruktur besitzen.

Natürlich geschieht das nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit. Wohnmobilfahrer kaufen ein, gehen essen, tanken, besuchen Märkte und Sehenswürdigkeiten. Gerade kleinere Städte profitieren davon enorm.

Frankreich wiederum geht einen etwas anderen Weg. Dort begegnet man Wohnmobilen ebenfalls mit Regeln und Einschränkungen. Die berüchtigten Höhenbegrenzungen findet man fast überall, ebenso Durchfahrtsverbote für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen – wovon viele moderne Wohnmobile inzwischen betroffen sind. Einfach ist das Reisen dort also keineswegs. Und trotzdem wirkt der Grundton anders.

Wohnmobile werden in Frankreich zwar gelenkt und eingehegt, aber nicht grundsätzlich bekämpft. Viele Gemeinden haben verstanden, dass Wohnmobilreisende Teil des touristischen Lebens geworden sind. Deshalb existieren selbst in kleinen Orten häufig kommunale Stellplätze oder sogenannte Aires Campingcar, oft überraschend unkompliziert und pragmatisch organisiert. Man versucht, die Ströme zu lenken – und nicht, sie grundsätzlich zu verdrängen.

Deutschland hingegen diskutiert wie so oft erstaunlich moralisch über das Thema. Das Wohnmobil wird schnell zum Symbol für angeblichen Luxus, Flächenverbrauch oder Egoismus. Statt über Lösungen zu sprechen, beginnt häufig sofort die Debatte darüber, warum etwas verboten werden müsse.

Dabei steckt hinter vielen Wohnmobilen gar kein Luxusleben. Für viele Menschen ist das Fahrzeug schlicht eine Möglichkeit, unabhängig und vergleichsweise einfach zu reisen. Gerade ältere Menschen entdecken damit eine Freiheit wieder, die in klassischen Pauschalreisen kaum noch existiert.

Natürlich braucht es Regeln. Niemand möchte dauerhaft zugeparkte Innenstädte oder Wohngebiete, die zu kostenlosen Langzeitstellplätzen werden. Aber Regeln allein lösen keine Probleme, wenn gleichzeitig die Alternativen fehlen.

Vielleicht liegt genau darin der Unterschied: Andere Länder versuchen oft zuerst, Entwicklungen praktisch zu organisieren. Deutschland dagegen neigt dazu, sie zunächst einmal skeptisch zu betrachten und anschließend möglichst detailliert zu regulieren.

Oder etwas überspitzter formuliert:

Was wir nicht verstehen, verbieten wir erst einmal.