Wasser, wo keines sein sollte
Als ob die Liste der Mängel an unserem Grand California nicht ohnehin schon lang genug wäre, meldet sich nun ausgerechnet unterwegs in Albanien die Wasseranlage.
Angefangen hatte alles vergleichsweise harmlos. Der Wasserhahn im Bad ist undicht. An seiner Basis sammelt sich etwas Wasser – lästig, aber mit einem herumgelegten Lappen zunächst beherrschbar. Der nimmt das Wasser auf, wir tauschen ihn regelmäßig aus und verschieben die eigentliche Reparatur auf den ohnehin bereits vereinbarten Werkstatttermin nach unserer Reise.
Dann taucht plötzlich Wasser an einer ganz anderen Stelle auf: Zwischen Badschränkchen und Toilette steht eine kleine Pfütze. Nicht viel. Trockenwischen, fertig. Nur: Ein paar Stunden später ist sie wieder da. Und damit beginnt die Fehlersuche, denn Wasser ist schnell der Tod eines Wohnmobils.
Die Wände von Schrank und Toilette sind trocken, ebenso die sichtbaren Anschlüsse. Auch der Lappen um den undichten Wasserhahn bleibt trocken. Aber selbst mit ausgeschalteter Wasserpumpe bildet sich über Nacht erneut eine Pfütze. Wo zum Teufel kommt das Wasser her?
Also räume ich den Badschrank aus und gehe mit der Taschenlampe auf Spurensuche. Unten in der rechten Schrankwand entdecke ich eine kleine Öffnung mit einer Art Rinne. Hier läuft das Wasser offenbar aus dem Schrank in den Spalt neben der Toilette. Die Pfütze kommt also aus dem Schrank – nur woher kommt das Wasser dort?
Eine erste Spur gibt es: Ganz unten verlaufen grau isolierte Heizungsrohre, deren Isolierung auf der rechten Seite feucht ist. Darüber liegen Wasserleitungen, Filter und Anschlüsse. Doch alles Erreichbare ist trocken. Kein Tropfen, kein sichtbares Leck. Die eigentliche Ursache bleibt verborgen.
Damit haben wir inzwischen eine hübsche kleine kriminalistische Beweiskette: Das Wasser läuft durch die Öffnung neben die Toilette. Vorher befindet es sich unten im Schrank. Dort werden die isolierten Heizungsrohre feucht. Aber wo das Wasser ursprünglich herkommt, wissen wir noch immer nicht.
Und dann ist da natürlich weiterhin der bereits defekte Wasserhahn. Vielleicht sind das zwei voneinander unabhängige Probleme. Vielleicht gehört alles zusammen und Wasser läuft innerhalb oder unterhalb der Armatur einen Weg, den man von außen überhaupt nicht sehen kann.
Normalerweise würde ich sagen: Werkstatttermin machen, auseinanderbauen lassen, fertig. Dummerweise stehen wir gerade in Albanien. Und selbst Hand anlegen ist schier unmöglich, ich müsste Silikonnähte trennen, Möbel ausbauen etc. Das geht einfach nicht und außerdem hätte ich danach Probleme mit der Garantie.
Also heißt es vorerst: trockenlegen, beobachten, fotografieren, dokumentieren – und möglichst wenig Wasser ins System bringen.
Das eigentlich Ärgerliche ist dabei längst nicht mehr dieser eine Wasserhahn. Unser Grand California ist gerade einmal drei Jahre alt, und die Mängelliste wird immer länger. Riss in der Duschkabinenwand, verzogene Duschtür, defekte CEE-Klappe, defekter LPG-Anschluss, herabfallender Himmel, Wasser an Stellen, an denen keines sein sollte – und inzwischen beginnt sich auch noch die geklebte Befestigung einer Führungsschnur am Fliegengitter des hinteren Dachfensters zu lösen. Das alles sind nur die aktuellen Probleme. Hinzu kommt das, was bereits repariert wurde...
Jeder einzelne dieser Defekte mag eine Kleinigkeit sein. In der Summe entsteht allerdings langsam ein ungutes Gefühl, denn bei einem Reisemobil möchte man sich unterwegs eigentlich mit der Frage beschäftigen, wo man morgen hinfährt. Und nicht damit, woher heute schon wieder das Wasser kommt.
Am Ende haben wir das Frischwasser abgelassen, die ganze Wasserversorgung stillgelegt und versorgen uns nun mit Wasser aus Kanistern und Flaschen. Duschen und Abspülen müssen wir halt auf dem Campingplatz, beim Klo kann man immer noch mit Wasser aus einer Flasche nachhelfen.
Wozu haben wir ein Wohnmobil für deutlich über € 100.000 …?


Und dann macht auch noch die Batterie schlapp
Als hätten wir mit den anderen kleinen und größeren Problemen am Grand California nicht schon genug zu tun, meldet sich nun auch noch die Stromversorgung. Allerdings: Da war am Ende ein Handling- und kein Fahrzeugproblem – aber da muss man erst einmal drauf kommen...
Am Morgen zeigt die Camper Unit nur noch 30 Prozent Batteriekapazität und 12,0 Volt. Merkwürdig, denn neben der normalen Bordbatterie haben wir vier BOS LE300, waren am Vortag gefahren und hatten reichlich Sonne.
Ein heimlicher Stromfresser ist schnell ausgeschlossen. Die zeitweise angezeigten −5 Ampere kommen hauptsächlich vom Kühlschrank; ohne ihn bleiben gerade einmal −1 Ampere.
Also will ich wissen, was die vier BOS-Akkus machen. Dafür muss ich erst Gepäck ausräumen und ein mit rund zehn Schrauben befestigtes Brett entfernen. Dahinter die Überraschung: Alle vier LE300 zeigen Rot und sind weitgehend entladen. Warum man Batterien mit Statusanzeigen derart unzugänglich verbaut, bleibt eines der Geheimnisse des Wohnmobilausbaus. Das Brett bleibt jedenfalls draußen.
Die Fehlersuche macht es nicht eindeutiger. Solar liefert Strom, und auch die Lichtmaschine lädt: +46 Ampere bei laufendem Motor, mit gedrückter Ladetaste sogar +74 Ampere. Am Landstrom steigt die Spannung schließlich langsam bis auf 13,7 Volt, während der Ladestrom von zunächst 14 auf nur noch 2 Ampere sinkt.
Das Merkwürdige: Zweieinhalb Jahre lang funktionierte das System problemlos ohne besondere Ladetaste und zuletzt sogar rund ein Jahr ohne Landstrom. Erst seit unserer Hamburg-Tour gibt es Probleme. Dort standen wir drei Tage im Schatten ohne Landstrom. Möglicherweise wurden die BOS-Akkus damals stark entladen und haben sich seitdem nie wieder vollständig erholt.
Diesmal bleibt der Grand California deshalb über Nacht am Landstrom. Am nächsten Morgen werden wir sehen, ob sich auch die vier BOS-Akkus wieder berappelt haben.
Eines hat die Aktion allerdings schon jetzt gezeigt: Ein Batteriesystem, dessen tatsächlichen Zustand man kaum überwachen kann, ist im Fehlerfall ausgesprochen unpraktisch. Die Camper Unit zeigt zwar Spannung und Strom des Bordnetzes, verrät aber nicht, was die einzelnen BOS-Module gerade machen. Vier LEDs hinter einem fest verschraubten Brett davor sind dafür nur bedingt ein Ersatz. Das Brett kommt jedenfalls nicht wieder hinein.
Am nächsten Morgen dann immerhin Entwarnung: Alle vier BOS-Akkus zeigen wieder Grün. Sie sind also nicht ausgefallen, sondern haben sich über die lange Ladung am Landstrom wieder vollständig erholt. Ob damit auch das eigentliche Problem gelöst ist, wird sich allerdings erst in den nächsten Tagen zeigen. Jetzt wissen wir zumindest, dass wir mit vollen Akkus starten – und können beobachten, ob und wie schnell die Energie wieder verschwindet.


Unterwegs ist anders
Eigentlich sind wir nach Albanien gefahren, um Albanien zu sehen. Im Moment lernen wir stattdessen erstaunlich viel über Wasserleitungen, Heizungsrohre, Batteriemanagement und die Innereien eines Grand California.
Natürlich kann an einem Wohnmobil immer etwas kaputtgehen. Es ist ein Fahrzeug, eine Wohnung und ein kleines Kraftwerk auf Rädern. Nur sollte man bei einem gerade einmal drei Jahre alten und nicht gerade billigen Reisemobil erwarten dürfen, dass die Reise nicht zunehmend zur mobilen Fehlersuche wird.
Das Wasser werden wir bis zum Werkstatttermin irgendwie im Zaum halten. Die Batterien bekommen gerade ihre erste vollständige Landstromladung seit langer Zeit. Und das fest verschraubte Brett vor den BOS-Akkus hat seine letzte Reise hinter sich.
Morgen fahren wir weiter. Hoffentlich wieder mit der Frage: Was wollen wir uns ansehen?
Und nicht: Was ist heute kaputt?
Gestern hat sich übrigens ein Schließriegel der Oberschränke verabschiedet, einfach so. Wir kleben jetzt die Schranktüten mit Gaffer-Tape fest. Funfact: Diese Schlließriegel waren alle schon mal erneuert worden.

