Wer mit dem Wohnmobil nach Marokko reist, bekommt häufig zwei völlig unterschiedliche Reaktionen. Die einen halten das Land für ein exotisches Abenteuer, das nur etwas für besonders Mutige ist. Die anderen winken ab und behaupten, Marokko sei spottbillig und Risiken gäbe es ohnehin nicht.
Nach über drei Monaten unterwegs durch Frankreich, Spanien und Marokko können wir sagen: Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen.
Natürlich ist Marokko günstiger als viele Regionen Europas. Gleichzeitig handelt es sich aber keineswegs um eine kostenlose Reise. Wer mit einem großen Wohnmobil unterwegs ist, Fähren nutzt, Campingplätze ansteuert und sich unterwegs auch einmal etwas gönnt, wird am Ende durchaus einige Tausend Euro ausgeben.
Wir haben unsere Ausgaben während der gesamten Reise detailliert erfasst. Allerdings sind unten nicht nur die Kosten in Marokko eingerechnet, sondern auch Frankreich und Spanien – hier haben wir bei den einzelnen Posten ähnliche Kosten wie in Deutschland.
Die Gesamtkosten
Für den Zeitraum von März bis Mai lagen unsere Gesamtausgaben bei 3.870 Euro. Das entspricht rund 1.290 Euro pro Monat beziehungsweise knapp 43 Euro pro Tag für zwei Personen.
Dabei sind sämtliche laufenden Reisekosten enthalten: Campingplätze, Lebensmittel, Restaurantbesuche, Treibstoffkosten, Fähren, Eintrittsgelder, Telefonkosten und kleinere Nebenausgaben.
Nicht enthalten sind hingegen Fahrzeuganschaffung, Versicherung, Kfz-Steuer, Wartung oder Wertverlust des Wohnmobils. Nicht enthalten sind auch Kosten für einen Klinikaufenthalt in Agadir.
Der größte Posten: Treibstoff
Das der Diesel den größten Kostenfaktor stellen wird, war zu erwarten. Insgesamt sind wird 13172 km gefahren, haben im Schnitt etwa 10 l/100 km verbraucht und insgesamt € 2000,66 ausgegeben.
Die Dieselbeschaffung machte uns zeitweise etwas Sorgen. Die USA hatten gerade den Konflikt mit dem Iran begonnen und wir hatten etwas Sorge über die Entwicklung der Ölversorgung. Tatsächlich mussten wir lernen, dass hier offensichtlich andere wirtschafts- und geopolitische Faktoren wirksam sind als dass wir sie überblicken können.
Der zweitgrößte Posten: Lebensmittel
Mit 1.637 Euro entfiel der größte Ausgabenblock auf Lebensmittel und Verbrauchsgüter.
Das überrascht zunächst etwas, zeigt aber sehr deutlich, dass auch auf Reisen gegessen werden muss. Zwar sind viele Produkte in Marokko deutlich günstiger als in Deutschland, besonders wenn man in den üblichen kleinen Läden kauft. Gleichzeitig kauft man unterwegs oft spontaner ein, besucht lokale Märkte oder gönnt sich Spezialitäten, die man zuhause vielleicht nicht gekauft hätte. In den großen Städten gibt es Supermärkte, wie wir sie von zuhause gewohnt sind, aber diese sind teuer und hier kauft die marokkanische Mittelschicht ein – und Touristen.
Auf die gesamte Reise verteilt entspricht das etwa 18 Euro pro Tag für zwei Personen. Die Kosten waren deshalb so niedrig, weil wir (in Marokko) häufig essen gegangen sind.
Handeln muss man bei Lebensmitteleinkäufen übrigens nicht, bei Souvenirs u.ä. wir das schon erwartet, ansonsten zahlt man viel zu viel.
Übernachtungen: Erstaunlich günstig
Für Camping- und Stellplätze gaben wir insgesamt 839 Euro aus.
Gerade im Vergleich zu vielen europäischen Reisezielen ist das bemerkenswert wenig. In Deutschland, Frankreich oder Skandinavien kann dieser Betrag bereits nach wenigen Wochen erreicht sein.
In Marokko findet man zahlreiche einfache, aber gut nutzbare Campingplätze, mehr als € 10,00 zahlt man selten. Luxus darf man nirgends erwarten, insbesondere die sanitären Anlagen sind gewöhnungsbedürftig. Dafür bleiben die Kosten überschaubar.
Im Durchschnitt lagen unsere Übernachtungskosten bei weniger als 10 Euro pro Tag.
Wir hätten die Kosten auch deutlich senken können, wenn wir öfter frei gestanden hätten, das ist in Marokko problemlos möglich. Schauergeschichten über Überfälle speziell im Rif-Gebirge haben wir nicht erlebt.
Essen gehen gehört dazu
Natürlich wollten wir nicht nur selbst kochen. Und dann ist Essengehen in Marokko spottbillig. Oft gibt es ein kleines Angebot an den Campingplätzen, aber es gibt auch zahllose Restaurants. Mehr als € 10,00 pro Person zahlt man selten.
Und außerdem: In Marokko gehört ein Besuch in einem kleinen Restaurant oder ein Tee auf einer Terrasse einfach zum Reiseerlebnis dazu. Angesichts der niedrigen Preise lohnt es sich oft nicht, überhaupt selbst zu kochen. Darüberhinaus ist es wichtig, auch die lokale Küche kennenzulernen.
Für Cafés und Restaurantbesuche gaben wir insgesamt 733 Euro aus.
Fähren
Der Weg nach Afrika ist nicht kostenlos. Für Fähren (Algeciras - Tanger Med und Ceuta - Algeciras) fielen insgesamt 405 Euro an. Es geht auch teuer, die Fähre von Genua aus kostet rund € 1200,00, die von Sete € 800,00 – dafür reduzieren sich die Treibstoffkosten und man muss weniger fahren.
Verglichen mit den Gesamtkosten ist das, wenn man von Algeciras aus übersetzt, erstaunlich wenig. Die vielfach gefürchteten Fährkosten spielen auf die gesamte Reisedauer betrachtet eine deutlich geringere Rolle, als viele vermuten.
Sehenswürdigkeiten und Eintritte
Für Eintritte und ähnliche Ausgaben haben wir 149 Euro ausgegeben.
Das zeigt auch etwas über unsere Art zu reisen. Wir verbringen viel Zeit in Landschaften, kleineren Altstädten, auf Märkten oder einfach beim Beobachten des Alltags. Viele der schönsten Erlebnisse kosten überhaupt keinen Eintritt. Die üblichen Touristenmagnete, die deutlich teurer sein mögen, umfahren wir in der Regel.
Was uns überrascht hat
Die größte Überraschung war nicht, wie günstig Marokko ist. Die eigentliche Überraschung war, wie wenig Geld man insgesamt benötigt, wenn man langsam reist.
Über drei Monate unterwegs. Tausende Kilometer durch Frankreich, Spanien und Marokko. Atlasgebirge, Wüste, Atlantikküste, Königsstädte und unzählige Begegnungen.
Und trotzdem lagen die laufenden Reisekosten für zwei Personen unter 4.000 Euro. Die meisten Menschen geben für drei Monate Alltag zuhause ein Vielfaches davon aus.
Fazit
War Marokko billig? Nein.
War die Reise günstig? Absolut. Vor allem dann, wenn man berücksichtigt, was man dafür bekommt: spektakuläre Landschaften, eine faszinierende Kultur, gastfreundliche Menschen und das Gefühl, tatsächlich unterwegs zu sein.
Für uns war die Reise nicht nur eine der spannendsten Wohnmobilreisen bislang. Sie war gleichzeitig deutlich preiswerter, als viele Menschen vermuten würden.
