Noch einmal Spätsommer am Ohridsee
Der Ohridsee ist so ein Ort, bei dem man erst einmal gar nicht merkt, was man da eigentlich vor sich hat. Er ist nur gut ein Drittel so groß wie der Bodensee – und trotzdem ein See der Superlative. Mit fast 300 Metern ist er der tiefste See des Balkans und mit mindestens 1,3 Millionen Jahren vermutlich der älteste noch existierende See Europas. In dieser langen Zeit hat sich hier ein ganz eigenes Ökosystem entwickelt, mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, die es nur im Ohridsee gibt.
Auch das Wasser nimmt einen ungewöhnlichen Weg. Einen großen oberirdischen Zufluss gibt es nicht, stattdessen wird der See von teilweise unterirdischen Karstquellen gespeist. Bei Struga geht es dann wieder hinaus: Dort verlässt der Schwarze Drin den Ohridsee, fließt mitten durch die Stadt und später weiter durch Albanien.
Wir stehen zwei Tage direkt am Ufer und können vom Camper aus über den See schauen. Viel besser kann man eigentlich nicht stehen. Allerdings liegen wir hier auf knapp 700 Metern Höhe – und Anfang Oktober merkt man das inzwischen deutlich. Sobald die Sonne weg ist, wird es empfindlich kühl und die lange Hose gehört am Abend wieder zur Grundausstattung, nachts müssen wir heizen.
Tagsüber sieht die Sache ganz anders aus. Dann scheint die Sonne, es wird angenehm warm und der Ohridsee liegt blau und ruhig vor uns, im Hintergrund die Berge. Noch einmal ein bisschen Spätsommer, bevor wir uns endgültig auf den Weg nach Norden und damit langsam auch in Richtung Herbst machen.

Ohridsee
Struga – unspektakulär, aber angenehm
Struga ist keine Stadt der großen Sehenswürdigkeiten. Es gibt keine spektakuläre Altstadt und auch kein Bauwerk, das man unbedingt gesehen haben müsste. Trotzdem gefällt uns die Stadt auf Anhieb. Sie wirkt auffallend aufgeräumt und gepflegt – gerade nach den vergangenen Wochen in Albanien fällt uns das sofort auf.
Das Zentrum ist überschaubar, es gibt eine Fußgängerzone und vor allem den Schwarzen Drin, der mitten in Struga aus dem Ohridsee herausfließt. An beiden Ufern ziehen sich Promenaden entlang, gesäumt von zahllosen Restaurants und Cafés. Ein paar hundert Meter weiter öffnet sich der Blick auf den See, auch dort kann man an einer langen Promenade entlanglaufen, vorbei an kleinen Stränden und immer mit den Bergen am anderen Ufer im Blick.
Struga ist vielleicht gerade deshalb angenehm, weil man hier gar nichts „abarbeiten“ muss. Man kann einfach durch die Stadt schlendern, irgendwo einen Kaffee trinken, am Fluss sitzen und später wieder am See entlanglaufen.
Wir machen daraus allerdings gleich eine kleine Wanderung und laufen vom Campingplatz bis nach Struga und anschließend wieder zurück. Auf der Karte sah das irgendwie harmloser aus. Als wir wieder am Camper ankommen, sind wir jedenfalls ziemlich platt. Aber gut – wir sind halt auch nicht mehr die Jüngsten. Und für diesen Tag reicht es dann auch mit den Sehenswürdigkeiten.



Flusspromenade in Struga
Vom Ohridsee Richtung Skopje
Von Struga aus geht es weiter nach Norden, zunächst durch eine Landschaft, die noch einmal zeigt, wie gebirgig Nordmazedonien eigentlich ist. Die Straße führt vom Ohridsee weg, durch Täler und über längere Steigungen, teilweise auf gut ausgebauten Straßen und Autobahnen. Nach den teilweise abenteuerlichen Straßen Albaniens ist das ausgesprochen entspanntes Fahren.
Je weiter wir nach Norden kommen, desto mehr verändert sich die Landschaft. Die Berge bleiben, aber die Täler werden breiter und dichter besiedelt. Tetovo ist eines der Zentren der albanischsprachigen Bevölkerung Nordmazedoniens. Eigentlich wollen wir uns hier die berühmte Bunte Moschee anschauen. Sie stammt in ihrer heutigen Gestalt im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert und ist tatsächlich etwas Besonderes: Statt der sonst üblichen Kacheln ist sie innen und außen aufwendig mit farbigen Ornamenten und Malereien geschmückt.

Bunte Moschee in Tetovo - Foto: ARistoska / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Bunte Moschee in Tetovo - Foto: Ivan.trpkov / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Nur nützt uns das alles nichts, wenn wir nicht hinkommen. Wir drehen mit dem Grand California durch Tetovo, suchen nach einer halbwegs brauchbaren Möglichkeit zum Parken – und geben entnervt auf. Keine Chance. Also bleibt die Bunte Moschee ungesehen.
Von Tetovo fahren wir weiter Richtung Skopje, allerdings noch nicht bis in die Hauptstadt. Unser Ziel ist Shishevo, ein relativ unscheinbarer Ort am Rand des Matka-Gebiets. Dort landen wir auf dem Campingplatz Natyra: im Grunde eine Wiese in einem Garten, mit neuen, aber leider ziemlich ungepflegten Sanitäranlagen. Schade eigentlich, denn aus dem Platz ließe sich deutlich mehr machen.
Damit stehen wir am Abend nur noch wenige Kilometer vor Skopje – und wieder in einer völlig anderen Umgebung als noch morgens am Ohridsee.
Armut ist relativ – was vom Einkommen übrig bleibt
Wir hatten Albanien bereits mit Marokko verglichen. Nun, nach dem Grenzübertritt nach Nordmazedonien, drängt sich ein weiterer Vergleich geradezu auf.
Auf dem Papier ist Nordmazedonien wirtschaftlich keineswegs stärker als Albanien. Beim nominalen Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner liegt Albanien inzwischen sogar vor Nordmazedonien. Eigentlich könnte man also erwarten, dass der Wohlstand in Albanien auch im Alltag etwas deutlicher zu spüren ist. So einfach ist es allerdings nicht.
Schon der Blick auf die Einkommen zeigt, dass die Unterschiede zwischen Albanien und Nordmazedonien gering sind. Ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen bewegt sich in beiden Ländern in einer ähnlichen Größenordnung. Entscheidend ist aber, was man sich davon kaufen kann – und hier unterscheiden sich die beiden Länder erheblich.
Einkommen und Lebenshaltungskosten1
Die Werte sind Näherungswerte und aufgrund unterschiedlicher statistischer Erhebungsmethoden nur eingeschränkt direkt vergleichbar. Bei Marokko, Albanien und Nordmazedonien handelt es sich beim Einkommen um erhobene durchschnittliche Nettoeinkommen, nicht um Medianwerte. Die Preisindizes wurden zur besseren Vergleichbarkeit auf Deutschland = 100 umgerechnet. ↩︎
| Deutschland | Marokko | Albanien | Nordmazedonien | |
|---|---|---|---|---|
| Nettoeinkommen/Monat | ~2.400 € | ~420 € | ~650 € | ~655 € |
| Wohnung, 1 Zi., außerhalb Zentrum | ~700 € | ~185 € | ~320 € | ~210 € |
| Einfaches Restaurant | ~15 € | ~3,70 € | ~8,40 € | ~6,50 € |
| Essen für 2, Mittelklasse | ~65 € | ~23 € | ~40 € | ~24 € |
| Cappuccino | ~3,50 € | ~1,50 € | ~1,75 € | ~1,55 € |
| Lebensmittel-Preisniveau Deutschland = 100 | 100 | ~49 | ~70 | ~53 |
| Gesamtes Preisniveau Deutschland = 100 | 100 | ~43 | ~67 | ~49 |
Das gleiche Einkommen ist nicht gleich viel wert
Besonders deutlich wird der Unterschied beim Wohnen und beim täglichen Konsum. Während eine kleine Wohnung außerhalb des Stadtzentrums in Albanien im Durchschnitt etwa 320 Euro kostet, sind es in Nordmazedonien nur gut 210 Euro. Ein Restaurantbesuch für zwei Personen kostet in Albanien etwa 40 Euro, in Nordmazedonien eher 24 Euro. Bei einem ungefähr vergleichbaren Einkommen bleibt einem Nordmazedonier damit schlicht mehr übrig.
Auch bei Lebensmitteln zeigt sich dieser Unterschied. Setzt man das deutsche Preisniveau mit 100 an, liegt Albanien bei ungefähr 70, Nordmazedonien dagegen nur bei gut 50. Das ist ein erheblicher Unterschied – und einer, den man als Reisender durchaus bemerkt.
Natürlich erzählen solche Zahlen nicht die ganze Geschichte. Sie sagen nichts darüber aus, wie Einkommen innerhalb eines Landes verteilt sind, wie viele Menschen überhaupt ein regelmäßiges Einkommen haben oder welche Unterschiede zwischen Hauptstadt, Touristenregionen und ländlichen Gebieten bestehen. Aber sie helfen, einen Eindruck einzuordnen, der sich beim Reisen ziemlich schnell einstellt.
Und wieder der Vergleich mit Marokko
Wir haben Marokko mit in die Tabelle genommen, weil sich der Vergleich geradezu aufdrängt: Marokko ist wirtschaftlich deutlich ärmer als Albanien und Nordmazedonien. Auch die Einkommen liegen erheblich niedriger. Gleichzeitig sind aber viele Dinge des täglichen Lebens wesentlich billiger. Ein einfaches Essen kostet nur einen Bruchteil dessen, was man in Albanien bezahlt, und auch beim Wohnen und bei Lebensmitteln liegt das Preisniveau deutlich niedriger.
Vor allem aber hatten wir in Marokko einen ganz anderen Eindruck als in Albanien: Natürlich gibt es auch dort Armut, schlechte Straßen, Müll, heruntergekommene Gebäude und ausgesprochen einfache Lebensverhältnisse. Trotzdem hatten wir immer wieder das Gefühl, dass etwas entsteht. Straßen werden gebaut, Häuser entstehen, Städte verändern sich, überall wird gewerkelt. in wichtiger Faktor ist hier König Mohammed VI., der seit seinem Amtsantritt Modernisierung des Landes mit großen Infrastrukturprojekten, dem Ausbau von Verkehrswegen und gezielten Investitionen vorantreibt.
In Albanien hatten wir dagegen erstaunlich oft den gegenteiligen Eindruck: Stillstand und jeder wurstelt sich irgendwie durch – es fehlt ein übergeordnetes Konzept. Verlassene Industrieanlagen, verrottende Fördertürme, halbfertige Gebäude, aufgegebene Eisenbahnanlagen und eine Infrastruktur, die vielerorts irgendwann einmal gebaut, anschließend aber offenbar nur noch auf Verschleiß gefahren wurde.
Und dann fährt man über die Grenze
Nordmazedonien ist deshalb besonders interessant. Denn hier funktioniert die Erklärung „Albanien ist eben ein armes Land“ plötzlich nicht mehr besonders gut.
Wir überqueren die Grenze – und zunächst einmal ändert sich wirtschaftlich gar nicht so viel. Wir befinden uns weiterhin in einem der ärmeren Länder Europas. Trotzdem verändert sich das Bild.
Die Orte wirken aufgeräumter, wir sehen weniger Bauruinen und weniger verlassene Gebäude. Straßen und öffentlicher Raum machen vielerorts einen gepflegteren Eindruck. Und selbst ein modernes Einkaufszentrum, das in Albanien außerhalb Tiranas eher ungewöhnlich wäre, steht hier ganz selbstverständlich am Stadtrand.
Das alles sind subjektive Reiseeindrücke. Nach ein paar Tagen in einem Land kann man keine volkswirtschaftliche Analyse erstellen. Und selbstverständlich gibt es in allen drei Ländern große regionale Unterschiede. Aber gerade deshalb sind die Zahlen interessant: Sie widersprechen unserem Eindruck nicht – sie helfen vielmehr, ihn zu verstehen.
Albanien ist wirtschaftlich nicht ärmer als Nordmazedonien. Trotzdem bedeutet das nicht automatisch, dass es den Menschen dort besser geht. Wenn die Einkommen ähnlich hoch sind, das tägliche Leben aber deutlich mehr kostet, relativiert sich der statistische Vorsprung schnell. Und Marokko zeigt noch etwas anderes: Auch ein wesentlich niedrigeres Wohlstandsniveau muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Land den Eindruck von Stillstand oder Verfall vermittelt.
Vielleicht lässt sich unser Eindruck nach diesen drei Ländern deshalb ganz einfach zusammenfassen:
Marokko ist ärmer, aber vielerorts hat man das Gefühl, dass etwas entsteht. Nordmazedonien ist ebenfalls arm, wirkt aber erstaunlich geordnet. Und Albanien ist auf dem Papier etwas wohlhabender – trotzdem hatten wir dort immer wieder das Gefühl, dass etwas zurückbleibt.
Zahlen erklären eben nicht alles, was man sieht, wenn man durch ein Land fährt.
Ein Abstecher in die Matka-Schlucht
Bevor wir nach Skopje fahren, machen wir am Morgen noch einen Abstecher in die Matka-Schlucht. Von unserem Stellplatz in Shishevo ist es nicht weit, und am Vormittag hält sich der Besucherandrang noch in Grenzen.
Steile Felswände ragen links und rechts des Treska-Flusses auf, dazwischen liegt ein langgestreckter Stausee. Entstanden ist er durch den Bau des Matka-Staudamms Ende der 1930er-Jahre – eines der ältesten Wasserkraftwerke Nordmazedoniens.
Direkt am Wasser führt ein Weg in die Schlucht hinein. Weit kommen wir allerdings nicht, denn der Weg wird zunehmend schmaler und führt teilweise direkt am Fels entlang. Man kann hier mehrere Kilometer wandern, Kajaks mieten oder mit kleinen Booten durch die Schlucht fahren.
Wir begnügen uns mit einem eher kurzen Spaziergang. Mehr braucht es eigentlich auch nicht: ein bisschen laufen, auf das ruhige Wasser schauen und die gewaltigen Felswände auf sich wirken lassen.
Und dann geht es weiter nach Skopje. Der Kontrast könnte kaum größer sein: morgens noch zwischen Felsen und Wasser in der Matka-Schlucht, wenig später stehen wir zwischen Betonbauten, neoklassizistischen Fassaden und einer gefühlt unendlichen Zahl von Denkmälern mitten in der Hauptstadt.



Spaziergang in die Matka-Schlucht
Eine Stadt aus drei Epochen
Skopje hat uns positiv überrascht. Nachdem uns ChatGPT die Auskunft gegeben hatte: „Skopje ist einen Blick wert, aber kein Pflichtprogramm, für das ihr euch den Tag verderben müsst“, wären wir fast gar nicht in die Stadt gefahren.
Zum Glück haben wir es doch getan. Mitten in der Stadt gibt es einen etwas skurrilen Stellplatz bei einer Autowaschanlage. Schön ist anders, Natur gibt es keine und Campingromantik erst recht nicht. Aber der Platz ist zweckmäßig – und vor allem liegt die Innenstadt bequem in Fußweite.
Ein ganz besonderer Stellplatz
Das monumentale Skopje
Skopje wurde 1963 von einem schweren Erdbeben getroffen, bei dem rund 80 Prozent der Stadt zerstört oder schwer beschädigt wurden. Tito machte den Wiederaufbau zu einem internationalen Projekt, an dem sich zahlreiche Länder beteiligten. Entstanden ist dabei ein ziemlich wildes architektonisches Gemenge.
Aus den 1960er- und 70er-Jahren stammen viele der wuchtigen Betonbauten, die heute teilweise etwas heruntergekommen wirken. Man kann sie hässlich finden – damals standen sie für eine radikal moderne Architektur und für den Versuch, nach der Katastrophe eine völlig neue Stadt zu bauen.
Und dann kam ab 2010 noch einmal eine ganz andere Schicht hinzu. Im Rahmen des Projekts „Skopje 2014“ entstanden zahlreiche neoklassizistische und historisierende Gebäude, Fassaden und Denkmäler. Das ist wahrscheinlich das Überraschendste an Skopje: Ein großer Teil dessen, was im Zentrum nach repräsentativer Architektur des 19. Jahrhunderts aussieht, ist gerade einmal zehn oder fünfzehn Jahre alt.
So wirkt die Innenstadt heute stellenweise wie eine merkwürdige Collage: osmanisches Skopje, sozialistische Nachkriegsmoderne und ein historisierendes Skopje des 21. Jahrhunderts stehen ziemlich unvermittelt nebeneinander.
Was soll’s – uns hat die Stadt beeindruckt. Rund um den Fluss wirkt das Ganze stellenweise fast ein bisschen wie Paris, nur dass man in Skopje offenbar der Meinung war, es könne nie genug Statuen und Denkmäler geben. Gefühlt steht an jeder zweiten Ecke irgendein Feldherr, Dichter, Heiliger oder Nationalheld auf einem Sockel.






Das monumentale und moderne Skopje
Kirche St. Konstantin und Helena
Beeindruckend fanden wir auch die orthodoxe Kirche St. Konstantin und Helena in unmittelbarer Nähe des Mutter-Teresa-Gedenkhauses. Sie sieht aus, als stünde sie dort schon seit Jahrhunderten, ist aber erst 2025 geweiht worden. Ganz aus der Luft gegriffen ist der historische Eindruck allerdings nicht: Die Kirche knüpft an eine ältere Kirche gleichen Namens an, die nach dem Erdbeben von 1963 abgetragen wurde.
Und wieder fällt uns etwas auf, das wir schon in anderen orthodoxen Kirchen erlebt haben: Hier wird eine Form von Frömmigkeit ganz selbstverständlich gelebt, die man bei uns kaum noch sieht. Menschen jeden Alters kommen herein, bleiben vor den Ikonen stehen, verneigen und bekreuzigen sich, beten kurz, zünden eine Kerze an – oder gehen nach ein paar Minuten einfach wieder hinaus. Das wirkt nicht inszeniert und auch nicht besonders feierlich. Es gehört offenbar einfach zum Alltag. Und vielleicht ist es gerade deshalb so eindrucksvoll.

Kirche St. Konstantin und Helena
Der Alte Basar
Und dann ist da noch der Alte Basar auf der anderen Seite des Vardar. Das Viertel stammt in seinen Ursprüngen aus osmanischer Zeit und bildet einen ziemlich starken Kontrast zum monumentalen Skopje rund um den Macedonia Square.
In den engen Gassen reiht sich ein Geschäft ans nächste: auffallend viele Juweliere, Läden mit teilweise ziemlich opulenten Hochzeitskleidern, Herrenausstatter, kleine Cafés und Restaurants, dazwischen Handwerker und ein paar Souvenirläden. Das Ganze wirkt lebendig, aber erstaunlich gepflegt und geordnet.
Mit den Souks, die wir aus Marokko kennen, hat das nur bedingt etwas gemeinsam. Dort herrscht ein faszinierendes Durcheinander aus Händlern, Werkstätten, Menschen, Gerüchen und Waren. Der Basar von Skopje ist dagegen beinahe entspannt. Orientalisch geprägt ist er durchaus – aber in einer ziemlich aufgeräumten Balkan-Version.



Im alten Basar von Skopje
Auf den Spuren des Autoput
Weiter geht es Richtung Niš. Wir folgen dabei weitgehend der Strecke des alten Autoput. Wer ungefähr so alt ist wie wir, weiß vermutlich noch, was damit gemeint ist – entweder aus eigener Erfahrung oder aus den Erzählungen jener Zeit. Jahrzehntelang war der Autoput die große Straßenverbindung von Mitteleuropa über Jugoslawien in Richtung Balkan, Griechenland und Türkei.
Mit der heutigen, gut ausgebauten Autobahn hatte diese Strecke über weite Teile allerdings wenig gemeinsam. Viel Verkehr, lange einspurige Abschnitte, kaum Ortsumgehungen und endlose Lastwagenkolonnen machten das Fahren anstrengend. Besonders in den Sommermonaten kamen die sogenannten Gastarbeiter hinzu, die aus Deutschland, Österreich und anderen westeuropäischen Ländern in Richtung Türkei unterwegs waren.
Nicht selten saßen ganze Familien samt Gepäck im völlig überladenen Ford Transit oder großen Limousinen wie dem Ford 17 M, der damals den Spitznamen „Türken-Mercedes“ trug. Die Strecke war lang, die Urlaubszeit knapp, und entsprechend wurde oft mit möglichst wenigen Pausen durchgefahren. Übermüdung, riskante Überholmanöver und der dichte Gegenverkehr machten den Autoput berüchtigt – und mitunter tödlich. Immer wieder kam es zu schweren Unfällen, wenn ein Fahrer vom Schlaf übermannt auf die Gegenfahrbahn geriet.
Heute ist davon nicht mehr viel zu spüren. Wir fahren auf einer modernen Autobahn Richtung Niš. Aber der Name Autoput weckt noch immer Bilder aus einer Zeit, in der eine Fahrt nach Jugoslawien oder Griechenland tatsächlich noch ein kleines Abenteuer war.
