Auslöser für diesen Artikel war ein YouTube-Video über die Frage, was man vor dem Kauf eines Wohnmobils wissen sollte. Vieles darin können wir sofort unterschreiben. Bei einigen Punkten haben wir allerdings andere Erfahrungen gemacht. Vielleicht auch deshalb, weil wir unser Wohnmobil nicht für vier Wochen Sommerurlaub gekauft haben, sondern für ein Leben unterwegs (wobei wir durchaus noch eine feste Bleibe haben und „nur“ monatelang unterwegs sind).

Unseren Grand California haben wir uns erst mit Rentenbeginn gegönnt. Vorher hätten wir ihn zwar gerne gehabt, aber ehrlich gesagt wäre das Unsinn gewesen. Das Geld war nicht einfach so übrig und vor allem fehlte uns die Zeit. Ein Wohnmobil, das elf Monate im Jahr vor der Haustür steht, ist für uns keine gute Investition.

Heute sind wir sechs bis neun Monate im Jahr unterwegs. Rückblickend würden wir vieles genauso wieder machen. Aber wir würden jedem, der mit dem Gedanken spielt, ein Wohnmobil zu kaufen, die folgenden sieben Dinge mit auf den Weg geben.


1. Mietet erst einmal ein Wohnmobil!

Nicht für ein Wochenende. Nicht für vier Tage. Mindestens zwei oder drei längere Reisen. Erst dann merkt man, ob man morgens wirklich gerne auf engem Raum frühstückt, bei Regen im Fahrzeug sitzt oder nachts um drei Uhr im Schlafanzug zur Toilettenentsorgung läuft oder die Gasflaschen wechselt oder, oder …

Viele verlieben sich in die romantische Vorstellung vom Vanlife. Die Realität besteht aber genauso aus Wind, Regen, Mücken, vollen Stellplätzen und gelegentlich überlaufenden Toilettenkassetten.

Wir kennen Menschen, die nach der ersten Reise sofort bestellt haben. Und andere, die nach einer Woche gesagt haben: „Nie wieder.“ Beides ist völlig legitim.


2. Ja, ein Wohnmobil ist teuer. Aber nicht unbedingt das Reisen.

Wer nur auf die Anschaffungskosten schaut, bekommt erst einmal Schnappatmung.

  • Versicherung.
  • Steuern.
  • Inspektionen.
  • Reifen.
  • Wertverlust.
  • etc.
  • etc.
  • etc.

Da kommt einiges zusammen.

Im Video wurden die laufenden Reisekosten recht hoch angesetzt. Das mag für manche zutreffen. Unsere Erfahrung ist eine andere. Unterwegs leben wir oft sogar günstiger als zuhause: Wir gehen seltener essen, kaufen bewusster ein und brauchen erstaunlich wenig, um zufrieden zu sein. Statt ständig irgendwo Geld auszugeben, sitzen wir abends häufig einfach vor dem (oder im) Wohnmobil und schauen in den Sonnenuntergang (oder schlimmstenfalls YouTube-Videos).

Das kostet – nichts.


3. Ein Wohnmobil ist der ehrlichste Beziehungstest überhaupt

Auf maximal zehn Quadratmetern kann man sich nichts vormachen. Wer glaubt, bestehende Paarprobleme würden unterwegs verschwinden, wird wahrscheinlich enttäuscht. Sie werden größer. Viel größer. Deutlicher und unausweichlicher. Man kann sich eben nicht ins Arbeitszimmer zurückziehen oder einfach eine Tür hinter sich schließen.

Das klingt zunächst abschreckend. Wir sehen darin aber auch eine Chance. Ein Wohnmobil zwingt einen dazu, miteinander zu reden. Konflikte lassen sich kaum aussitzen. Natürlich gelingt das nicht immer. Aber wenn zwei Menschen bereit sind, an ihrer Beziehung zu arbeiten, kann das gemeinsame Reisen sie auch enger zusammenschweißen.

Uns geht es als Paar seit dem Wohnmobilkauf schlichtweg besser.


4. Wer zwei linke Hände hat, wird unterwegs oft fluchen

Kaputt geht immer etwas. Wirklich immer.

  • Mal eine Wasserpumpe.
  • Mal ein Fenster.
  • Mal eine Schublade.
  • Oder irgendein Sensor, von dessen Existenz man bis dahin gar nichts wusste.
  • Ein beliebter Kandidat ist auch die Tauchpumpe (du solltest gleich Ersatz mitnehmen)
  • Und ein spezielles Gimmick des Grand California ist das unregelmäßig abstürzende KFG-Steuergerät. Du solltest wissen, wie du damit umgehst.

Und je älter das Basisfahrzeug wird, desto wichtiger wird es, wenigstens die grundlegende Technik zu verstehen. Einen Reifen wechseln sollte man schon können, wenn man sich außerhalb der Reichweite eines Automobil-Clubs bewegt.

Mindestens genauso wichtig ist aber etwas anderes: Pflegt euer Wohnmobil. Und damit meinen wir nicht den Hochdruckreiniger:

  • Kontrolliert Dichtungen.
  • Schmiert Scharniere.
  • Beseitigt kleine Schäden sofort.

Viele teure Reparaturen beginnen als Kleinigkeit, die man monatelang ignoriert hat. Und kleinere Schäden haben die unangenehme Eigenschaft, immer mehr zu werden und irgendwann steht man vor einem Berg von Problemen.


5. Das meiste Zubehör kauft man erst nach dem Kauf (oder besser gar nicht)

Vor der ersten Reise glauben fast alle, perfekt ausgestattet zu sein. Das dachten wir auch. Ein Jahr später sah unser Wohnmobil ganz anders aus:

  • Gastankflaschen.
  • Heckauszug
  • Starlink.
  • zusätzliche Lithiumbatterie.
  • Sitzbezüge
  • Trittschemel statt Trittstufe (die nahm nur Bodenfreiheit weg)
  • Sandbleche
  • Abspannhaken (nix geht über PeggyPeg)
  • Verbesserungen hier, Optimierungen dort.

Fast alles entstand erst, weil uns unterwegs etwas gefehlt hat. Unser Rat lautet deshalb: Plant beim Kauf nicht nur Geld für das Fahrzeug ein. Plant auch Geld für die nächsten zwei Jahre ein. Denn erst unterwegs zeigt euch das Wohnmobil, was ihm noch fehlt.

Und kauft nicht jeden Mist, nur weil irgendein YouTuber Powerbank XYZ oder was auch immer als das unverzichtbare Ding vorgestellt hat. Auch wir haben in unserer überbordenden Begeisterung Zeug gekauft, was wir noch nie gebraucht haben und vermutlich auch nie brauchen werden:

  • Brauchen wir wirklich einen Wechselrichter? Die meisten Geräte lassen sich über 12 V betreiben oder laden?
  • Brauchen wir teure Wasserfilter, die genau dann keinen Wasserdruck mehr durchlassen und versagen, wenn es eigentlich nötig wäre?


6. Das perfekte Wohnmobil existiert nicht

Das mussten wir ebenfalls lernen, und zwar ziemlich schnell. Viele glauben, Premiumhersteller seien automatisch perfekt. Sind sie nicht.

Ob Volkswagen, Hymer, Concorde, Morelo oder Niesmann+Bischoff – am Ende bauen alle mobile Ferienhäuser auf ein Fahrgestell, das ständig Vibrationen, Temperaturschwankungen und Erschütterungen ausgesetzt ist. Da lockert sich irgendwann etwas. Da klappert etwas. Da fällt irgendwann etwas aus (und manchmal auch herunter).

Bei unserem Grand California haben wir insofern Glück, dass VW sowohl für das Basisfahrzeug wie auch für den Ausbau zuständig ist. Das Letztere ist insofern nachteilig, da übliche VW-Werkstätten von Campingausbauten keine Ahnung haben (unsere hat glücklicherweise, der Werkstattleiter hat selbst einen Crafter ausgebaut). Der Vorteil: Man hat nur einen Ansprechpartner für Basis und Ausbau.

Bei den klassischen Ausbauen, hat man den Vorteil, dass die sich mit Campingausbau besser auskennen. Ob sie besser arbeiten, mag dahin gestellt sein. Aber wenn du dann Probleme mit dem Basisfahrzeug hast, musste du in einer andere Werkstatt. Und manchmal gibt es Fehler, die sich nicht genau zuordnen lassen, dann sitzt du zwar nicht zwischen zwei Stühlen, aber streitest dich u.U. mit zwei Werkstätten.

Die ersten zwei Jahre waren auch bei uns geprägt von Werkstattterminen und kleinen Nachbesserungen. Nicht dramatisch, aber eben deutlich mehr, als wir erwartet hatten.

Perfektion sollte deshalb niemand erwarten. Und genau deshalb hilft zumindest basales handwerkliches Geschick (denn die Garantie läuft irgendwann aus). Apropos Garantie: Schaut, dass alles abgearbeitet wurde, bevor die Garantie ausläuft. Unsere reicht für die ersten 5 Jahre und die Liste, die bereits nachgebessert werden musste, ist nicht wirklich kurz:

  • Kassettenklappe
  • Dachhimmel befestigt
  • Dachluken ausgetauscht
  • Heckdusche repariert
  • Verschlüsse und Scharniere der Oberschränke neu justiert
  • Schubladen neu befestigt
  • Starterbatterie
  • Spurwechselassistent
  • Steuergerät des Infotainment-Systems

Alles kein wirkliches Drama, solange man Garantie hat. Aber allein für das, was uns der Tausch des Steuergerätes gekostet hätte, wenn wir keine Garantieansprüche mehr gehabt hätten, hätten wir einen kleinen Gebrauchtwagen kaufen können.


7. Rechnet ehrlich nach, wie ihr euer Wohnmobil nutzen werdet

Das ist vermutlich der unbequemste Punkt: Wer einmal im Jahr drei oder vier Wochen Urlaub macht, sollte wirklich nachrechnen. So schön ein eigenes Wohnmobil auch ist – wirtschaftlich ergibt das oft wenig Sinn. Mit Wertverlust, Versicherung, Wartung und Finanzierung landet man schnell bei Summen, für die man sehr komfortabel anderen Urlaub machen könnte.

Bei uns sieht die Rechnung völlig anders aus. Wir sind sechs bis neun Monate im Jahr unterwegs. Unser Wohnmobil ist kein Freizeitspielzeug, es ist unser zweites Zuhause. Und je häufiger wir unterwegs sind, desto besser relativieren sich die hohen Anschaffungskosten.


Unser Fazit

Wir haben den Kauf unseres Wohnmobils keine einzige Minute bereut. Nicht weil alles perfekt wäre. Ganz im Gegenteil. Es klappert gelegentlich (eigentlich immer - das ist das Schicksal eines jeden Kastenwagens). Es geht immer, wirklich immer, etwas kaputt. Vieles kann/muss man selbst beheben, aber trotzdem verbringt man Zeit in Werkstätten. Man investiert mehr Geld in Zubehör, als man ursprünglich geplant hatte. Oder man kauft Zubehör, das man nicht braucht.

Und trotzdem würden wir es jederzeit wieder tun. Denn das Wohnmobil hat uns etwas gegeben, das man mit Geld kaum kaufen kann: Zeit. Zeit füreinander. Zeit für spontane Abstecher. Zeit, morgens aufzuwachen und erst dann zu entscheiden, wohin der Tag führt.

Wenn wir irgendwann wirklich nicht mehr reisen können? Dann suchen wir uns eben ein Altenheim mit Stellplatz, Ver- und Entsorgung sowie Stromanschluss. Ein bisschen Freiheit sollte schließlich auch im hohen Alter noch möglich sein. Und mindestens Michael will 105 Jahre alt werden (ihr wisst schon: Radtour auf den Mt. Ventoux...).