Wenn wir mit dem Wohnmobil unterwegs sind und der Tag langsam ausklingt, läuft bei uns erstaunlich oft YouTube. Nicht, weil wir selbst gerade nicht reisen könnten – schließlich sind wir oft selbst unterwegs –, sondern ganz einfach, weil wir neugierig sind. Neugierig darauf, was andere so machen. Wie lösen andere bestimmte Probleme? Welche Regionen und Landschaften entdecken sie? Welche Ideen können wir für unsere eigenen Touren mitnehmen?
Im Laufe der drei Jahre, die wir nun als Teilzeit-Vanlifer unterwegs sind, haben sich dabei einige Kanäle herauskristallisiert, die wir regelmäßig anschauen. Jeder von ihnen hat seinen eigenen Schwerpunkt. Gemeinsam ist ihnen, dass sie uns unterhalten, inspirieren und manchmal auch ganz praktisch weiterhelfen.
Martin (Reiseschrauber): Technik und Problemlösungen
Wenn es um Technik rund ums Wohnmobil geht, führt für uns kaum ein Weg an Martin vorbei - Sabine macht um diesen Kanal allerdings eher einen Bogen, das ist Michaels Metier. Seine Videos sind selten spektakulär inszeniert – und genau das macht ihren Reiz aus. Statt Hochglanzbildern gibt es fundierte Informationen über Fahrzeugtechnik, Stromversorgung, Internet, Starlink, Mobilfunk, Mautsysteme oder sinnvolle Umbauten.
Gerade weil wir unseren Grand California kontinuierlich weiterentwickeln, hat vor allem Michael aus seinen Videos schon so manche Anregung mitgenommen. Man muss nicht jede Lösung übernehmen, aber man bekommt fast immer Denkanstöße. Und genau das schätzen wir an Martin: Er verkauft keine Patentrezepte, sondern regt dazu an, die für das eigene Wohnmobil passende Lösung zu finden.

Christian und Sybil (Benny goes overland): Fernweh und außergewöhnliche Länder
Christian und Sybil wecken Reiselust - Lust auch auf ferne Ziele. Früher war noch Jule mit im Bunde, aber Jule ist letztes Jahr im stattlichen Alter von 15 Jahren in den Dackelhimmel gewechselt. Ihre Art des Reisens kann sich sicher nicht jeder leisten - dass sie heute so lange unterwegs sein können, liegt sicher auch daran, dass sie ihr Leben entsprechend geplant haben und sich so diesen Traum materiell ermöglichen konnten. Entsprechend wenig zeitliche (und wohl auch finanzielle) Grenzen müssen sich die beiden setzen.
Mit ihrem Mercedes Vario sind sie dort unterwegs, wo viele Wohnmobilreisende nie hinkommen: Zentralasien, Iran, die Arabische Halbinsel oder entlegene Regionen Europas. Derzeit sind sie in Südamerika unterwegs - eine Reise, die auf zwei bis drei Jahre angelegt ist. Dabei verzichten sie auf Effekthascherei. Ihre technisch gut umgesetzten Filme leben von Landschaften, Begegnungen und insbesondere Christians angenehm ruhigen Erzählweise. Die beiden vermitteln viel „bildungsbürgerliche“ Informationen über die Orte, die sie besuchen, aber sie machen das auf eine sehr angenehme Art. Es sind keine Lehrfilme über die durchreisten Länder, es sind persönliche Erlebnisberichte.
Besonders gefällt uns, dass sie den Menschen und den Ländern mit großem Respekt begegnen. So bekommt man selbst Lust, den eigenen Horizont immer wieder ein Stück zu erweitern. Und insbesondere Christian ist immer für gutes Essen zu haben – „lecker“ ist eines der Worte, das in jedem YouTube-Bericht mehrmals vorkommt. Genau diese Mischung aus Fernweh, Gelassenheit und Neugier sorgt dafür, dass wir uns auf jedes neue Video freuen.

Florian und Betty (Außer Haus): Inspiration für eigene Reiseziele
Florian und Betty zeigen eine Form des Reisens, die unserer eigenen vielleicht am nächsten kommt. Sie reisen in einem Carthago Malibu (die Inneneinrichtung in Holzoptik wäre nicht unser Fall - aber wir fahren selbst ja auch in einer Art rollender Zahnarztpraxis herum…). Beide sind wohl in der Kreativbranche tätig, stehen noch voll im Berufsleben und deshalb machen sie, allein schon wegen der engen beruflichen Zeitfenster, ganz andere Reisen als Christian und Sybil.
Ihre Videos machen Lust darauf, einfach loszufahren. Immer wieder entdecken wir bei ihnen Orte (in erreichbarer Entfernung), von denen wir vorher noch nie gehört haben. Manche landen direkt auf unserer Merkliste für zukünftige Touren. Und ihre Ziele sind solche, die wir auch irgendwann mal anfahren werden oder die wir bereits schon hinter uns hatten: Schweden, Norwegen, Baltikum, Frankreich, Italien. Interessant dabei ist, dass sie manche dieser Regionen völlig anders wahrgenommen haben als wir.
Dabei wirken ihre Filme angenehm unaufgeregt und immer sind sie mit einer deutlichen Prise Humor und mitunter auch Selbstironie gewürzt. Sie zeigen schöne Landschaften, interessante Stellplätze und kleine Erlebnisse am Wegesrand, ohne alles künstlich dramatisieren zu müssen. Und ihre Reisen und Ausflüge sind schon allein wegen der körperlichen Ressourcen genau das, was wir auch suchen: Nichts übertreiben, einfach gut gehen lassen. Vielleicht fühlen wir uns gerade deshalb diesem Kanal besonders verbunden.

Jason und Alida (kommandofrei): authentisches, lockeres Unterwegssein
Jason und Alida bringen eine ganz andere Dynamik mit, aber das Pärchen ist auch eine ganz andere Altersgruppe mit deutlich mehr Power unterm Hintern. Nach einem Kombi mit Dachzelt, mit dem sie beispielsweise Marokko, die Türkei oder Sardinien bereist haben, haben sie sich einen alten Iveco Daily zum ausgewachsenen Expeditionsmobil umgebaut. Wir haben sie erst vor Kurzem entdeckt.
Ihre Reisen wirken spontan (und sind es vermutlich gar nicht), authentisch und manchmal auch ein wenig chaotisch – genau so, wie Reisen eben häufig sind. Sie zeigen nicht nur die schönen Momente, sondern auch Pannen, Schwierigkeiten und Situationen, in denen nicht alles nach Plan läuft. Aktuell sind sie in den „Stan-Ländern“ (Kasachstan, Kirgistan etc.) unterwegs.
Gerade ihre Ehrlichkeit macht den Kanal sympathisch – perfekt inszenierte Traumwelten gibt es auf YouTube schließlich schon genug. Die beiden sind Vollzeit-Vanlifer mit vollem Einsatz und haben sich mit ihrem Reiseprojekt offensichtlich ein tragfähiges wirtschaftliches Fundament geschaffen.
Die Videos, die sie drehen, werden zunehmend (noch) professioneller und es ist ein Genuss, die Landschaften, die sie durchfahren, miterleben zu dürfen. Die Tonqualität dürfte an der einen oder anderen Stelle gerne noch etwas besser sein. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau – denn die Begeisterung, mit der Jason und Alida unterwegs sind, springt in jedem Video auf den Zuschauer über.

Gerfried und Olya (WoMoGuide): tiefgehende Reiseberichte mit viel Hintergrundwissen
Gerfried und Olya gehören zu den erfahrensten Wohnmobilreisenden, die wir regelmäßig verfolgen. Beide sind WoMo-Profis, die auch ein höchst informatives WoMo-Portal auf die Beine gestellt haben. Bei ihren Videos steht nicht das Fahrzeug im Mittelpunkt, sondern das Reisen selbst. Ihr Knaus Boxdrive ist vor allem das Mittel, um lange unterwegs zu sein, neue Regionen zu entdecken und möglichst tief in ein Land einzutauchen. Aktuell sind sie in Nord-Spanien unterwegs. Entdeckt haben wir ihren Kanal bei der Vorbereitung unserer Marokkoreise.
Ihre Reisen führen sie häufig abseits der üblichen touristischen Ziele. Sie interessieren sich für Landschaften und besondere Orte, aber ebenso für den Alltag und die Menschen vor Ort. Gerade diese Mischung aus ausführlichen Reiseberichten, persönlichen Erlebnissen und fundierten Hintergrundinformationen macht ihren Kanal interessant.
Natürlich geht es bei ihrem Kanal, zumindest in älteren Videos, gelegentlich auch um Ausstattung, Technik und praktische Fragen des Wohnmobilalltags. Doch der eigentliche Reiz liegt für uns in ihrer Art zu reisen: individuell, neugierig und mit dem Anspruch, mehr von einem Land kennenzulernen als nur die bekannten Sehenswürdigkeiten. Gerade deshalb schauen wir ihre Videos immer wieder gerne – nicht nur zur Reiseplanung, sondern einfach auch, um neue Ecken Europas kennenzulernen.
Die beiden betreiben ein wirklich besuchenswertes und professionell umgesetztes Webportal rund um WoMo-Reisen: WoMoGuide

Sascha Ohde: filmisch erzählte Reisen und Vanlife aus Leidenschaft
Sascha gehört für uns zu den Kanälen, die weit mehr sind als reine Reiseberichte. Seit 2011 lebt er dauerhaft in einem rollenden Einfamilienhaus (ein Dethleffs-Wohnmobil mit Zwillingsachse hinten – also ein ordentliches Geschoss) und verbindet seine Erfahrungen als Fulltime-Vanlifer mit einer beeindruckenden Qualität als Filmemacher und Fotograf. Seine Videos wirken nie hektisch, sondern erzählen Geschichten – mal über spektakuläre Landschaften, mal über die kleinen Momente des Alltags unterwegs. Sascha Ohde merkt man den Profi an und trotzdem ist er geradezu witzig, gerade wenn er von irgendwelchen kleineren oder größeren Missgeschicken berichtet.
Besonders gefällt uns, dass Sascha das Reisen nicht romantisiert. Er zeigt die Freiheit des Vanlife, verschweigt aber auch die Herausforderungen nicht. Dazu kommen immer wieder praktische Themen wie Autarkie, Technik, Sicherheit oder rechtliche Fragen, die er verständlich und mit viel eigener Erfahrung erklärt.
Was seine Filme für uns aber besonders macht, ist ihre technische Qualität – Sascha ist halt Profi. Viele Aufnahmen wirken eher wie kleine Dokumentationen und nicht wie klassische YouTube-Videos. Man merkt, dass hier jemand nicht nur reist, sondern Geschichten erzählen möchte. Und genau deshalb bleiben seine Filme oft noch eine ganze Weile im Kopf, nachdem der Abspann längst gelaufen ist.

Warum wir überhaupt andere Reisende anschauen
Man kann sich natürlich fragen, warum wir auf Reisen (und auch zuhause) überhaupt noch Reisevideos ansehen. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Reisen endet nicht, wenn man den Motor abstellt. Es lebt auch von Inspiration, vom Austausch und davon, den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu richten.
Natürlich würden wir diese Reisen, die wir sehen, niemals eins zu eins nachfahren. Jeder reist anders, jeder setzt andere Schwerpunkte und jeder erlebt dieselbe Landschaft auf seine ganz persönliche Weise. Genau das macht den Reiz aus.
Aber insbesondere die genannten Kanäle liefern uns Ideen, zeigen neue Perspektiven und erinnern uns immer wieder daran, wie vielfältig das Reisen mit dem Wohnmobil sein kann.
Eines haben diese sechs Kanäle jedenfalls gemeinsam: Sie machen uns Lust, den Zündschlüssel umzudrehen und selbst wieder loszufahren. Und vielleicht entdeckt der eine oder andere von euch darunter ebenfalls einen neuen Begleiter für den nächsten Abend auf dem Stellplatz.
