Hinsichtlich Wohnmobile über 3,5 to geht oft einiges durcheinander, denn oft wird in in der Diskussion die LKW- oder Niutzfahrzeugg-Maut mit der Maut für Wohnmobile durcheinander geworfen – Wohnmobile sind in aller Regel aber keine LKWs (es sein denn, sie sind aus irgendeinem Grund so zugelassen worden, sondern eine Unterkategorie des PKW.
Da da auch bei uns zu einigen Irritationen geführt hat, will ich das nachfolgend ein wenig ausdröseln. Vorab ein Disclaimer: Ich bin kein Verkehrsrechtsexperte und kann nur Erfahrungen und keine rechtsicheren Informationen weitergeben. Eine gute Anlaufstelle, auch gerade weil sich die Bestimmungen ständig ändern, hierfür ist diese Seite eine ganz gut Anlaufstelle: Maut & Vignette
Maut in Skandinavien – digital, fair und fast unsichtbar
Wer in den Norden fährt, spürt sofort: Hier herrscht Ordnung. Die skandinavischen Länder haben die Digitalisierung der Straßenbenutzung schon vor Jahren konsequent umgesetzt. Statt klebender Vignetten oder piepsender Boxen funktioniert die Abrechnung fast überall vollautomatisch über Kameraerfassung und Kennzeichenerkennung. Allerdings: Autobahn-maut gibt es
Dänemark
In Dänemark sind Autobahnen grundsätzlich mautfrei, doch für einige große Brücken wird bezahlt:
- Storebælt-Brücke (zwischen Fünen und Seeland): ca. 65 € für ein Wohnmobil.
- Øresund-Brücke (zwischen Kopenhagen und Malmö): rund 70 € in Richtung Schweden.
Beide Brücken haben Schranken, an denen bar oder mit Karte bezahlt werden kann – am komfortabelsten aber funktioniert das über das elektronische System Brobizz, das automatisch abbucht und Rabatte gewährt.
Schweden
In Schweden gibt es keine Autobahnmaut, aber City-Mauten (sogenannte Trängselskatt) in Stockholm und Göteborg.
Kameras erfassen hier automatisch das Kennzeichen, die Gebühr variiert nach Uhrzeit (bis zu 4 € pro Durchfahrt). Ausländische Fahrzeuge erhalten die Rechnung automatisch per Post über den Dienstleister EPASS24.
Brücken- und Fährverbindungen, etwa nach Öland oder Sundsvall, haben eigene kleine Gebühren, die ebenfalls digital erfasst werden.
Norwegen
Es gibt keine Autobahn-Maut, aber einige Brücken, Tunnel und viele Stadtzufahrten sind mautpflichtig – aber alles läuft vollautomatisch. Auch hier genügt wie in Schweden die Kennzeichenerkennung über Kameras, Rechnungen werden später per Post verschickt (ebenfalls über EPASS24). Wer regelmäßig im Land unterwegs ist, kann sich kostenlos bei AutoPASS registrieren oder sich einen kleinen Transponder (z.B. von TollTickets) bestellen, um Rabatte zu erhalten. Die Gebühren sind moderat (meist zwischen 0,50 € und 5 € pro Abschnitt) und klar nachvollziehbar.
Finnland
Finnland ist das Ausnahme-Land des Nordens: Es gibt überhaupt keine Maut, keine City-Gebühren und (vorerst) keine Pläne, das zu ändern. Brücken und Straßen sind vollständig kostenlos – ein echter Lichtblick für Langzeitreisende im Norden.
Baltikum
Lettland
Grundsätzlich gibt es in Lettland keine Maut für Wohnmobile mit PKW-Zukllassung auf den Autobahnen und Schnellstraßen des Landes. Für LKW (!) ab einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3 t gilt auf Staats- und Regionalstraßen in Lettland Vignettenpflicht (aufgepasst: es geht um die Obergrenze von 3 to, nicht 3,5 to!). Wohnmobile sind von der Vignettenpflicht befreit, wenn sie nicht als LKW zugelassen sind.
Eine Ausnahme bildet die Stadt Jūrmala: In der Kurstadt Jūrmala an der Küste wird eine Umweltschutzabgabe oder City-Maut erhoben. Diese gilt für alle Fahrzeuge und kann vor Ort am Automaten oder in der Touristeninformation sowie per Webseite oder App bezahlt werden.
Litauen
Für Wohnmobile mit PKW-Zulassung gibt es unabhängig von der Gewichtsklasse keine Maut in Litauen. Allerdings gibt es zwei Sonderfälle, die auch auf WoMos zutrifft:
Umweltmaut in der Kurischen Nehrung: bei der Einfahrt in die Kurische Nehrung wird eine Umweltschutzabgabe erhoben. Die Höhe der Gebühren ist abhängig von Fahrzeugtyp und Reisezeitpunkt und kann an den Kontrollposten sowie per Webseite oder App entrichtet werden.
City-Maut in Kaunas: in Kaunas wird eine City-Maut erhoben. Diese gilt für alle Fahrzeuge außer Motorräder und kann vor Ort an Parkuhren sowie online und per App bezahlt werden.
Estland
Estland ist das einfachste Land der drei baltischen Länder: hier gibt es keine Maut – weder für Pkw noch für Wohnmobile oder Lkw. Einzig auf einigen Privatstraßen oder Fährverbindungen (z. B. zu den Inseln Hiiumaa oder Saaremaa) können Gebühren anfallen. Autobahnen im klassischen Sinn gibt es ohnehin nicht – Estlands Straßen sind frei, ruhig und meist gut gepflegt.
Polen – Maut gibt’s reichlich, Übersicht eher weniger
Polen hat eines der am stärksten ausgebauten Mautsysteme Europas – und zugleich eines der unübersichtlichsten – von Belgien einmal abgesehen, doch dazu später mehr. Von der Maut sind alle WoMos über 3,5, to, unabhängig von der Fahrzeugklasse betroffen. Zwar sind die Gebühren im internationalen Vergleich moderat, doch, hat schon viele Wohnmobilreisende zur Verzweiflung gebracht. Nicht, weil die Maut selbst teuer wäre, sondern weil das Anmeldeverfahren einfach eine Zumutung ist:
Das System heißt e-TOLL und basiert auf einer GPS-gestützten Erfassung ähnlich wie in Belgien. Prinzipiell braucht jedes Fahrzeug über 3,5 Tonnen ein registriertes Konto und eine App oder On-Board-Unit, die die gefahrenen Abschnitte übermittelt.
Klingt einfach – ist es aber nicht: die Registrierung verlangt Fahrzeugdaten, Kennzeichen, Gewicht, Zahlungsart und eine Verknüpfung zur polnischen Steuerplattform. Wir haben einige Wohnmobilfahrer getroffen, die beim Anmeldeprozess schlicht gescheitert sind – uns eingeschlossen: Sprachprobleme, App-Abstürze oder undurchsichtige Formulare.
Wir selbst haben es ebenfalls versucht – und nach mehreren Stunden aufgegeben. Stattdessen sind wir konsequent Landstraßen gefahren, und das war im Nachhinein die bessere Entscheidung: kein Stress, kein Datenchaos – dafür viel mehr vom Land gesehen. Polens Nebenstraßen führen durch kleine Dörfer, Wälder und Felder, die man auf der Autobahn nie wahrnimmt. Der Zeitverlust hält sich in Grenzen, und der Gewinn an Atmosphäre ist groß.
Wer sich trotzdem anmelden will, findet Informationen unter etoll.gov.pl, wo es inzwischen auch eine englische Anleitung gibt.
Belgien – Maut nach Gewicht und Zufall
Kaum ein Land hat ein so undurchschaubares Mautsystem wie Belgien.
Für Pkw und kleinere Camper unter 3,5 to ist alles einfach: sie fahren kostenlos. Doch sobald das zulässige Gesamtgewicht eines Fahrzeugs über 3,5 to liegt, gerät man in ein bürokratisches Labyrinth. Belgien kennt keine klassische Autobahnmaut mit Schildern oder Tickets, sondern ein satellitengestütztes System namens Viapass. Es erfasst Fahrzeuge über 3,5 to auf nahezu allen Autobahnen und vielen Nationalstraßen – auch dann, wenn diese Straßen gar nicht mautähnlich wirken und durch keinerlei Kennzeichnung als Mautstraße erkennbar sind.
Kein Schild, kein Hinweis, keine Schranke. Das System verlässt sich darauf, dass jeder Betroffene eine sogenannte OBU (On-Board-Unit) im Fahrzeug installiert hat. Diese kleine Box (z. B. von Satellic) meldet per GPS, wo man sich befindet, und berechnet daraus die gefahrenen mautpflichtigen Kilometer. Wer ohne OBU unterwegs ist, fährt „unsichtbar“ – aber illegal.
Und genau hier lauern die Fallstricke: Belgien setzt auf ein dichtes Netz aus stationären Kameras und mobilen Kontrollfahrzeugen, die per Kennzeichenerkennung prüfen, ob ein Fahrzeug über 3,5 to ohne aktive OBU unterwegs ist. Wird man erwischt, drohen Bußgelder bis zu 3 000 € – jeweils 1 000 € pro Region (Flandern, Wallonien, Brüssel). Dabei spielt es keine Rolle, ob man nur wenige Kilometer gefahren ist oder bloß die Grenze überquert hat. Und da es mautpflichtige Straßen gibt, die z.B. die wallonisch-flämische Grenze überqueren, kann man wegen Befahren der gleichen Straße gleich von zwei Behörden zur Kasse gebeten werden
Man kann bei Google Maps (und anderen Navigationssystemen oder -Apps) zwar "mautfrei" einstellen, aber diese Systeme führen sie viele Reisende unbeabsichtigt auf mautpflichtige Straßen, denn die Mautpflicht einzelner Straßen kann sich ändern, ohne dass das Google & Co mitbekommen.
Daher ist es wichtig: wer in Belgien unterwegs ist, sollte sich vor der Einreise unbedingt auf der offiziellen Website www.viapass.be die jeweils aktuelle Karte der mautpflichtigen Straßen ansehen. Dort ist genau verzeichnet, welche Autobahnen und N-Straßen gebührenpflichtig sind – und welche nicht.
Das belgische System ist so angelegt, dass der Verdacht aufkommen köännte, es stünde Absicht dahinter, WoMo-Fahrer in die Irre zu leiten und nachher abzukassieren. Ich will nicht hoffen dass das wirklich so ist, aber der Eindruck drängt sich einfach auf.
Und dann gibt es da noch die Umweltmaut – das ist ein Thema für sich, denn das ist noch inkonsistenter als die Straßenmaut.
Luxemburg – klein, überschaubar und mautfrei
Luxemburg ist in Sachen Maut das vielleicht entspannteste Land Mitteleuropas. Hier gilt: keine Vignette, keine Straßengebühr, kein Registrierungszwang – weder für Pkw noch für Wohnmobile oder Lkw.
Das gesamte Straßennetz, inklusive Autobahnen und Schnellstraßen, kann kostenlos befahren werden. Auch Umweltzonen oder City-Mauten gibt es nicht.
Für Reisende bedeutet das: Man kann einfach durchfahren, ohne sich Gedanken über OBU-Geräte, Apps oder Ländervignetten zu machen.
Luxemburg profitiert dabei von seiner kompakten Größe – man ist ohnehin selten länger als eine Stunde im Land unterwegs. Das erspart Bürokratie und macht Luxemburg zu einem angenehmen Transitland zwischen Belgien, Frankreich und Deutschland.
Niederlande – fast alles frei, mit drei kleinen Ausnahmen
Die Niederlande sind für Wohnmobilreisende ein angenehm unkompliziertes Pflaster. Es gibt keine allgemeine Maut und auch keine Vignettenpflicht – alle Autobahnen, Schnellstraßen und Landstraßen sind grundsätzlich kostenlos befahrbar, unabhängig vom Fahrzeuggewicht. Das gilt also auch für schwere Wohnmobile über 3,5 to.
Lediglich zwei Tunnel im Land erheben eine Gebühr:
- Westerscheldetunnel in Zeeland (zwischen Terneuzen und Ellewoutsdijk) – rund 26 € für ein großes Wohnmobil (allerdings sind wir hier auch chon kostenlos durchgefahren, weil die elektronische Erkennung unser WoMo falsch eingestuft hat)
- Kiltunnel bei Dordrecht – etwa 8 €
- Die A 24 bei Rotterdam (Vorsicht: Hier gibt es keine klassische Mautstelle)
An beiden kann man bar oder mit Karte zahlen; wer regelmäßig fährt, nutzt das elektronische System T-Tag oder Brobizz, das automatisch abbucht und Rabatte gewährt.
Was man als WoMo-Fahrer im Blick behalten sollte, sind die Umweltzonen (milieuzones) in größeren Städten wie Amsterdam, Rotterdam oder Utrecht. Hier gelten Einfahrverbote für ältere Diesel und Fahrzeuge mit schlechter Abgasnorm (meist unter Euro 4). Auf der Seite www.milieuzones.nl kannst du prüfen, wo genau welche Regeln gelten.
Für uns als Wohnmobilreisende heißt das: Vorbereitung ist alles. Ein kurzer Blick auf die offiziellen Mautseiten (oder die oben erwähnte ADAC-Seite) vor der Abfahrt spart oft Ärger, Bußgelder und graue Haare. Die Gewichtsklasse entscheidet dabei mehr als der Fahrzeugtyp – und kleine Details, wie die Zulassung als „Lkw“ statt „Wohnmobil“, können über den Unterschied zwischen kostenlos und teuer entscheiden.
Und manchmal – wie im Westerscheldetunnel – bekommt man vom System sogar ein kleines Geschenk: Class 2 = 0,00 €. So jedenfalls ist es uns passiert.
Fazit: Klarheit schaffen in einem Maut-Dschungel, der keiner sein müsste
Wer mit einem Wohnmobil über 3,5 Tonnen unterwegs ist, landet schnell in einem Gewirr aus Halbwissen, widersprüchlichen Regeln und verwirrenden Begriffen. Denn entscheidend ist weniger das Gewicht selbst als die Zulassungsart: Ein Wohnmobil bleibt in Europa in aller Regel ein Pkw, nicht automatisch ein Lkw – und fällt damit in den meisten Ländern unter völlig andere Mautpflichten. Viele Diskussionen entstehen genau daraus: Man wirft Lkw-Maut und Pkw-/Wohnmobilregelungen durcheinander.
Die gute Nachricht: Der Norden Europas ist fast vollständig unkompliziert. Skandinavien hat die Maut digitalisiert, transparent gemacht und so benutzerfreundlich gestaltet, dass man als Reisender kaum etwas merkt. Finnland ist komplett mautfrei, Estland ebenso. Lettland und Litauen machen nur in wenigen Fällen Ausnahmen – meist Umwelt- oder City-Mauten.
Ganz anders Polen und Belgien: Hier zeigt sich die Schattenseite der Digitalisierung. Beide setzen auf satellitengestützte Systeme, die Pflichtgeräte, Apps oder Registrierungen verlangen – und gerade Belgien macht es so unübersichtlich, dass sich selbst geübte Reisende schnell im Labyrinth aus OBU-Pflicht, regionalen Gebühren und kaum gekennzeichneten Straßen verlieren. Wer hier mit einem schweren Wohnmobil unterwegs ist, muss wissen, welche Wege kostenpflichtig sind – oder riskiert empfindliche Bußgelder. Navigation „mautfrei“ reicht nicht; entscheidend sind die offiziellen Karten.
Dazwischen liegen Länder wie die Niederlande oder Luxemburg, die es angenehm unkompliziert halten: fast alles frei, nur wenige Sonderfälle, klare Regeln.
Unterm Strich gilt:
- Nicht das Gewicht entscheidet – sondern die Zulassung. Ob dein Fahrzeug als Pkw/Wohnmobil oder als Lkw eingestuft ist, bestimmt in vielen Ländern deinen Weg durch den Gebühren-Dschungel.
- Skandinavien und das Baltikum sind einfach. Digital, transparent oder komplett mautfrei.
- Polen und Belgien erfordern Vorbereitung. Wer nicht registriert ist oder die falsche Straße nimmt, zahlt – manchmal sogar mehrfach.
- Ein kurzer Blick auf die offiziellen Seiten spart Ärger. Ob AutoPASS, EPASS24, Viapass, Maut & Vignette oder nationale Umweltzonen: 5 Minuten Recherche können 500 € Strafe verhindern.
Für uns hat sich gezeigt: Wer sein Wohnmobil kennt, seine Zulassung versteht und die offiziellen Infos nutzt, reist entspannter – und kann sich auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht: Unterwegssein, Landschaften und Erlebnisse. Und manchmal schenkt dir das System sogar eine kostenlose Tunnelpassage.
