Das Gegenteil ist der Fall.
Das Grundkonzept des Grand California 680 finden wir nach wie vor erstaunlich gut. Der Grundriss funktioniert, die Raumaufteilung passt zu uns, das Bett ist bequem, das Bad ist brauchbar und selbst die viel kritisierten Oberschränke gefallen uns. Es ist übrigens einer der wenigen Campervans, in denen Michael mit seinen 2,05 cm aufrecht stehen kann.
Wenn wir (und das heißt wohl am ehesten Michael) einen Grand California noch einmal von Grund auf bauen dürfte, sähe er deshalb dem heutigen ziemlich ähnlich. Wir würden ihn nur anders und auch besser bauen.
Die Möbel dürfen bleiben – nur bitte in haltbar
Die geschwungenen Oberschränke des Grand California werden gerne kritisiert. Uns gefallen sie. Sie geben dem Innenraum ein eigenständiges Aussehen, eine gewisse Luftigkeit und bieten ausreichend Stauraum – wenn man gelernt hat, wie man sie sinnvoll bepackt (dabei helfen längliche Packtaschen, die man beispielsweise bei Amazon für kleines Geld bekommt). Auch die übrige Möblierung finden wir grundsätzlich gelungen.
Was nicht gelungen ist, ist teilweise deren Ausführung. Schrankschlösser dürfen in einem Reisemobil nicht einfach abbrechen. Schubladen müssen auch nach vielen Kilometern über schlechte Straßen zuverlässig in ihren Führungen bleiben. Türen dürfen sich nicht so verziehen, dass man sie nur noch mit Nachdruck schließen kann.
Ein Reisemobil ist schließlich kein Wohnzimmer auf Rädern. Während der Fahrt arbeitet die gesamte Karosserie, sie verwindet sich, sie wird durchgeschüttelt. Und genau dafür muss der Möbelbau eines Reisemobils ausgelegt sein.
Wir würden deshalb gar nicht unbedingt andere Möbel bauen. Wir würden dieselben Möbel mit besseren Beschlägen, stabileren Verriegelungen und einer Konstruktion bauen, die ein paar hunderttausend Kilometer über europäische und nordafrikanische Straßen verträgt.
Andere Polsterbezüge würden wir auch verwenden, denn die originalen bekommen schon beim Anschauen Flecken.
Auch das Bad würden wir behalten
Noch weniger verstehen wir den Drang vieler Ausbauer, auf möglichst kleinem Raum möglichst komplizierte Badezimmer zu konstruieren.
Da werden Wände geschwenkt, Waschbecken geklappt, Toiletten verschoben und ganze Badezimmer verwandelt, indem man einen Teil einfach beiseite dreht. Das Ergebnis nennt sich dann Schwenkbad, Raumbad oder Multifunktionsbad. Für uns bedeutet es vor allem: mehr Mechanik, mehr Dichtungen, mehr bewegliche Anschlüsse – und damit mehr Dinge, die irgendwann kaputtgehen können und ganz sicher auch werden.
Das Bad des Grand California ist dagegen erfreulich unspektakulär. Es ist da. Man macht die Tür auf und benutzt es. Und wenn man darin duscht, ist danach übrigens auch die Toilette sauber. Genau so würden wir es wieder haben wollen. Apropos Toilette: Wir sind auch keine Fans dieser Spezialkonstruktionen von Trockentrenn- bis zur Verbrenner-Toilette. Auch wenn es fast schon unzeitgemäß wirkt: uns reicht die Thetford-Kassettentoilette (mit Flexaport-Blumentopf…)
Nur würden wir auch hier auf eine robustere Ausführung achten. Eine Duschkabinenwand sollte nicht reißen nur weil draußen mal extreme sommerliche Hitze ist und eine Tür sollte sich auch nach einigen Jahren noch schließen lassen, ohne dass man ihr mit Schwung oder einem beherzten Faustschlag erklären muss, wohin sie gehört.
Das Bett? Darf ebenfalls bleiben
Auch am Heckbett würden wir erstaunlich wenig ändern.
Mit der serienmäßigen Matratzenlösung konnten wir uns nicht anfreunden. Nachdem wir eine andere Matratze aufgelegt haben, schlafen wir dort allerdings hervorragend. Viel besser schlafen wir zuhause auch nicht.
Natürlich könnte man Hubbettkonstruktionen entwickeln, Lattenroste verschieben und den Heckbereich mit allerlei Mechanik versehen. Aber warum?
Ein Bett soll vor allem eines tun: ein gutes Bett sein. Unseres ist das inzwischen. Und speziell für Michael braucht es ein Bett, das man ohne Umbauten nutzen kann. Sein Mittagsschlaf muss jederzeit möglich sein.
Wasserinstallation: einmal komplett neu, bitte
Ganz anders sähe es bei der Wasserinstallation aus.
Wenn wir unseren Grand California neu aufbauen würden, käme eine vernünftige Druckwasseranlage hinein. Mit einer guten Pumpe, einem Druckausgleichsbehälter und vor allem mit Armaturen und Anschlüssen aus dem Sanitärfachhandel und nicht aus der Spielwarenabteilung. Also Armaturen, die diesen Namen auch verdienen.
Eine Küchen- oder Badarmatur muss für uns nicht aus dem Campingzubehör stammen. Der normale Sanitärbereich bietet seit Jahrzehnten robuste Technik, für die man auch Jahre später noch Ersatzteile bekommt.
Noch wichtiger wäre uns allerdings die Zugänglichkeit der Installationen. Es kann nicht angehen, dass man bei einem Problem erst die Silikonfugen der Duschkabine aufschneiden muss und einen ganzen Unterschrank ausbauen muss um nach ein paar ungebetenen Wassertropfen zu fahnden.
Jede wesentliche Schlauchverbindung müsste erreichbar sein. Es gäbe einen zentralen Verteiler, Absperrmöglichkeiten für die einzelnen Verbraucher und vernünftige Serviceöffnungen. Eine Wasserpumpe müsste man wechseln können, ohne vorher ein Möbelstück zerlegen zu müssen. Dasselbe gilt für eine Armatur oder einen Schlauchanschluss. Und Schlauchanschlüsse wären so konstruiert, dass sie sich nicht einfach so von alleine lösen können – auch nicht bei Frost.
Und wenn irgendwo trotzdem Wasser austritt, möchten wir sehen, wo es austritt und wohin es versickert. Apropos Versickern: es kann nicht sein, dass Wasser einfach so in den Boden läuft und ggfs. ungeahnte Schäden anrichtet, wenn etwas undicht wird. Hier muss zwingend eine Auffangwanne hin, am Besten mit Alarmfunktion.
Die Vorstellung, dass Wasser irgendwo hinter einem Schrank verschwindet, durch irgendwelche Öffnungen läuft und schließlich an ganz anderer Stelle wieder zum Vorschein kommt, ist für uns inzwischen das Musterbeispiel dafür, wie man eine Wasserinstallation nicht bauen sollte.
Ein Defekt lässt sich nie völlig verhindern. Aber man kann ein Fahrzeug auch so konstruieren, dass aus einem kleinen Defekt kein großes Problem wird.
Die Küche braucht eine richtige Spüle
Auch den Küchenblock des Grand California finden wir grundsätzlich nicht schlecht. Seine Position stimmt, die Arbeitsfläche ist halbwegs brauchbar und die Aufteilung funktioniert. Nun gut, die ausziehbare Erweiterung der Arbeitsfläche sollte man so konstruieren, dass man sie auch sinnvoll nutzen kann – das, was VW hier abgeliefert hat, ist ein schlechter Witz.
Die Koch-Spül-Kombination würde bei uns allerdings sofort herausfliegen. Ja, man kann auf diesem zweiflammigen Dometic-Spielzeug kochen. Und ja, dieses kleine Edelstahlbecken ist rein technisch betrachtet eine „Spüle“. Spätestens wenn ein größerer Topf abgewaschen werden soll, bekommt man allerdings Zweifel daran, ob die Entwickler des Grand California jemals versucht haben, darin tatsächlich Geschirr oder vielleicht einen größere Pfanne zu spülen.
Wir würden Kochfeld und Spüle voneinander trennen. Ein vernünftiges Kochfeld auf der einen Seite (da reicht eigentlich sogar eine Flamme), daneben eine ausreichend große Spüle mit einer soliden Armatur. Keine spektakuläre Innovation. Einfach eine Küche, in der man kochen und anschließend abspülen kann. Ein einflammigere Kochfeld würde auch mehr Platz schaffen und wenn man tatsächlich mal zwei Flammen braucht, nutzt man vor dem Camper einen mobilen Kocher (den haben wir sowieso dabei, erstens als Backup und zweitens möchte niemand Choucroute oder Fisch im Camper kochen …)
Was wir übrigens nicht machen würden, ist eine Umstellung von Gas auf Elektro, gar noch ein Induktionskochfeld (letzteres wollen wir noch nicht mal zuhause haben). Das macht in einem auch nur halbwegs autarken Camper einfach keinen Sinn und wenn wir könnten, wie wir wollten, würden wir auch daheim mit Gas kochen.
Elektrik: weniger Intelligenz, mehr Funktion
Bei der Elektrik würden wir einen anderen Grundsatz verfolgen: So viel Elektronik wie nötig – und so wenig gegenseitige Abhängigkeiten wie möglich.
Wir brauchen keine zentrale, Bus-gesteuerte Intelligenz, damit irgendwo eine Lampe angeht. Die Wasserpumpe braucht keinen Computer. Und wenn irgendein Display oder Steuergerät ausfällt, sollten Kühlschrank, Heizung und Wasserversorgung trotzdem weiter funktionieren. Auch das ist Autarkie, auch das ist Redundanz. Irgendwo irgendwelche Mätzchen abzuarbeiten, damit die regelmäßig aus dem Ruder laufenden elektrischen Verbindungen wieder funktionieren, ist keine Autarkie, sondern Murks. Grand California-Fahrer kennen diese Mätzchen: blauen Stecker unter dem Armaturenbrett ziehen, Aussenlampe zweimal anschalten, damit das Ambientelicht wieder tut und ähnliches.
Natürlich würde auch unser Ausbau moderne Elektronik enthalten. Solarregler, Ladebooster, Batteriemanagement und Batteriecomputer sind durchaus sinnvoll. Aber die Systeme sollten möglichst eigenständig arbeiten und auf das beschränkt werden, wo sie Sinn machen.
Eine zentrale Anzeige darf uns gerne sagen, wie voll die Batterie ist, wie viel Solarstrom gerade hereinkommt und wie viel Wasser noch im Tank ist (dann bitte aber auch halbwegs exakt). Nur sollte es beispielsweise dem Wasserhahn vollkommen egal sein, ob diese Anzeige gerade funktioniert.
Vielleicht ist das die wichtigste Lektion aus drei Jahren Grand California: Elektronische Vernetzung ist nicht automatisch Fortschritt. Manchmal ist ein altmodischer, nicht Bus-gesteuerter Schalter einfach ein ziemlich gutes Bedienkonzept.
Und noch etwas: Kabel und Leitungen sollten nicht unsichtbar „für immer“ verbaut werden. Kabelkanäle beziehungsweise zugängliche Installationswege wären wichtig. Ein zusätzliches Kabel vom Heck nach vorne zu ziehen, sollte auch zehn Jahre später relativ unkompliziert möglich sein. Dasselbe gilt für Wasser- und Heizungsleitungen.
Und der Tisch darf etwas kleiner werden
Eine vergleichsweise kleine Änderung betrifft den Tisch. Der ist uns schlicht zu groß, zu breit, zu lang
Ein paar Zentimeter weniger Länge würden den Durchgang und ein paar Zentimeter weniger Breite würden das Hinsetzen deutlich angenehmer machen, ohne dass dadurch ernsthaft nutzbare Tischfläche verloren ginge. Vielleicht könnte man das ja mit einer Auszugslösung bei etwas mehr Platzbedarf lösen.
Das ist übrigens keine theoretische Überlegung. Diese Änderung werden wir tatsächlich demnächst umsetzen.
Plissees – schick, aber zu empfindlich
Die Plissees an den Fenstern sehen gut aus und funktionieren auf den ersten Blick auch hervorragend. Im Alltag zeigt sich allerdings schnell, dass sie für ein Reisefahrzeug schlicht zu empfindlich sind. Einmal unachtsam dagegen gestoßen, und schon bleibt ein Knick zurück. Und auch die unzähligen Falze des Materials wirken nicht gerade so, als wären sie für jahrelanges tägliches Öffnen und Schließen gemacht.
Manche Grand-California-Besitzer berichten sogar vom sogenannten „Sternenhimmel“: lauter winzige Löcher im Plissee, die sich offenbar allein durch die Druckschwankungen beim Zuschlagen der großen Schiebetür bilden. Spätestens dann stellt sich die Frage, ob hier nicht die elegante Optik wichtiger war als die Robustheit.
In einem Reisefahrzeug würden wir das anders lösen. Vielleicht weniger schick, dafür einfach, stabil und im Zweifel problemlos austauschbar. Bei einem Eigenausbau würden wir möglicherweise sogar ganz auf fest eingebaute Verdunkelungsrollos und Plissees verzichten und bei Bedarf passgenaue Matten in die Fenster einsetzen – ähnlich den Lösungen, wie man sie beispielsweise von Pro-Ject kennt. Was nicht ständig mechanisch bewegt wird, kann auch nicht ständig kaputtgehen.
Und noch wichtiger ist ein zweiter Punkt: Ein Fenster samt Verdunkelung muss reparierbar sein. Es kann nicht die konstruktive Lösung sein, dass für die Reparatur eines Rollos oder einer Führung erst Möbel demontiert und anschließend Teile der Innenverkleidung entfernt werden müssen. Verschleißteile gehören so eingebaut, dass man sie mit vertretbarem Aufwand erreichen, reparieren und austauschen kann.
Das wäre überhaupt eines unserer Grundprinzipien bei einem Eigenausbau: Nicht nur überlegen, wie etwas eingebaut wird – sondern schon beim Einbau überlegen, wie man zehn Jahre später wieder drankommt.
Taschen für die Stühle: Gut gemeint, aber schlecht umgesetzt
In den beiden Hecktüren gibt es Taschen für zwei Campingstühle und einen Tisch – eigentlich eine ziemlich gute Idee. Der Tisch ist praktisch, wenn auch als Nachkaufteil ausgesprochen teuer. Die dazugehörigen Stühle sind dagegen für uns kaum brauchbar: Vor allem die viel zu kurzen Rückenlehnen machen längeres Sitzen ziemlich unbequem. Vermutlich fiel die Wahl auf diese Stühle, weil sie bereits aus dem California auf Bulli-Basis vorhanden waren und sich entsprechend einfach übernehmen ließen.
Will man sie gegen vernünftige Campingstühle austauschen, beginnt allerdings das nächste Problem. Die Taschen sind so knapp auf die Originalstühle zugeschnitten, dass viele andere Modelle schlicht nicht hineinpassen. Also heißt es messen, ausprobieren und gegebenenfalls basteln.
Dabei müsste man das Prinzip gar nicht aufgeben. Die Unterbringung in den Hecktüren ist sinnvoll und verschenkt keinen wertvollen Stauraum im Fahrzeug. Man müsste die Taschen lediglich etwas flexibler und vor allem so konstruieren, dass auch größere, bequemere Stühle hineinpassen.
Besonders kritisch ist die linke Hecktür: Dort darf der Stuhl beim Schließen nicht mit dem Bettgestell kollidieren. Genau dafür bräuchte es eine durchdachte Lösung – eine Tasche, die den vorhandenen Raum besser ausnutzt, ohne weiter in den Innenraum hineinzuragen.
Auch hier gilt also: Die Idee ist gut. Sie wurde nur zu sehr auf ein bestimmtes Zubehörteil zugeschnitten, statt vom tatsächlichen Gebrauch auszugehen.
Die Kühlschrankschublade
Viele meckern darüber – wir finden sie gut. Mit etwas Tetris passt erstaunlich viel hinein, und weil es eine Schublade ist, fällt einem beim Öffnen auch nicht erst einmal der halbe Inhalt entgegen.
Das Problem liegt für uns also auch hier nicht im Konzept, sondern in der Umsetzung und vor allem in der Ersatzteilpolitik.
Denn irgendwann geht alles einmal kaputt, auch eine Kühleinheit. Die im Grand California verbaute Kühlschrankschublade ist eine speziell für VW gefertigte Lösung von Webasto. Muss die komplette Einheit ersetzt werden, bewegt man sich inzwischen in einer Größenordnung von rund 2.200 Euro. Das ist für einen Kühlschrank schlicht absurd.
Ähnlich sieht es bei den Auszugsschienen aus. Auch hier kommen spezielle Teile zum Einsatz, deren Ersatzpreise in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem stehen, was vergleichbare hochwertige Schwerlastauszüge aus dem normalen Möbelbau kosten.
Würden wir den Camper selbst ausbauen, würden wir am Prinzip der Kühlschublade trotzdem festhalten. Nur würden wir eine handelsübliche 12-Volt-Kompressorlösung von Dometic, Webasto, Vitrifrigo oder einem anderen etablierten Hersteller integrieren – und den Küchenblock von vornherein so konstruieren, dass sie sich später problemlos gegen ein anderes Modell austauschen lässt.
Denn auch hier gilt: Ein Kühlschrank darf kaputtgehen. Aber sein Defekt sollte weder zum wirtschaftlichen Totalschaden des Küchenblocks werden noch davon abhängen, ob Volkswagen in zehn Jahren noch ein ganz bestimmtes Spezialteil liefern kann.
Standardteile statt Speziallösungen
Wo immer es möglich ist, würden wir auf Standardteile setzen. Und zwar auf solche, die man auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch irgendwo kaufen oder durch etwas Vergleichbares ersetzen kann (wobei wir fragen, ob ein heutiges Basisfahrzeug überhaupt noch so lange hält).
Eine Armatur muss nicht aus dem Campingzubehör stammen – im Sanitärhandel gibt es seit Jahrzehnten robuste und reparierbare Lösungen. Eine Wasserpumpe sollte ein gängiges Modell sein, das sich notfalls gegen eine andere Pumpe mit ähnlichen Leistungsdaten austauschen lässt. Dasselbe gilt für Schalter, Sicherungen, Steckdosen, Leuchten, Beschläge, Scharniere oder Schubladenauszüge.
Dabei muss nicht einmal jedes Teil identisch ersetzt werden können. Viel wichtiger ist, dass Schnittstellen und Einbaumaße so gewählt sind, dass Alternativen möglich bleiben.
Genau das ist bei vielen speziell für ein bestimmtes Fahrzeug entwickelten Komponenten nicht der Fall. Solange Volkswagen das entsprechende Ersatzteil liefern kann, ist das allenfalls teuer und ärgerlich. Spannend wird es nach zehn oder fünfzehn Jahren, wenn ein kleines Kunststoffteil, eine Steuerung oder ein spezieller Beschlag nicht mehr erhältlich ist – und wegen eines eigentlich belanglosen Defekts plötzlich eine komplette Baugruppe ersetzt werden müsste.
Ein Reisemobil ist für uns kein Produkt, das nach ein paar Jahren wieder ausgetauscht werden soll. Gerade ein Fahrzeug dieser Preisklasse sollte problemlos 15 oder 20 Jahre genutzt werden können.
Deshalb wäre bei einem eigenen Ausbau die Frage nicht nur: Was passt hier am schönsten hinein? Sondern immer auch: Was mache ich, wenn dieses Teil 2038 kaputtgeht?
Und wenn die Antwort lautet „Dann kaufe ich eben eine handelsübliche Armatur, Pumpe oder Schubladenschiene und baue sie ein“, wäre schon ziemlich viel gewonnen.
Vor allem aber: Man muss an die Dinge herankommen
Und dann wäre da noch ein Punkt, den wir bei einem vollständigen Neuaufbau zur obersten Konstruktionsregel machen würde:
Alles, was kaputtgehen kann, muss leicht erreichbar sein. Und alles, was kaputt gehen kann, darf nicht unkontrollierbare Folgeschäden nach sich ziehen.
Ein Reisemobil wird älter. Fenster können undicht werden. Pumpen gehen kaputt. Armaturen müssen ausgetauscht werden. Kabel bekommen Probleme. Steckverbindungen lösen sich. Dichtungen müssen erneuert werden. Das ist vollkommen normal.
Nicht normal sollte sein, dass für den Austausch eines Bauteils zunächst das halbe Fahrzeug zerlegt werden muss.
Wir würden deshalb ganz bewusst Servicewege einplanen: Abnehmbare Verkleidungen, verschraubte statt verklebte Abdeckungen, Kabelkanäle, Revisionsöffnungen und zugängliche Anschlüsse. Es kann nicht angehen, dass man Oberschränke und Deckenverkleidung abnehmen muss, nur um ein klemmendes Moskitonetz der Dachhaube zu reparieren.
Vielleicht verliert man dadurch hier und dort ein paar Liter Stauraum. Damit könnten wir sehr gut leben, zumindest der Grand California 680 hat mehr als genug Stauraum für Zwei. Und wer den 600er mit vier Personen nutzen will, ist ohnehin arm dran (oder fährt nur mal über’s Wochenende irgendwohin)
Denn wenn wir irgendwo in Albanien oder Marokko stehen und etwas geht kaputt, sind uns zehn Liter zusätzlicher Stauraum ziemlich egal. Dann möchten wir vier Schrauben lösen können, eine Klappe öffnen und an das defekte Teil herankommen.
An was man übrigens auch herankommen muss, sind die Gasflaschen und die Elektrik. Es ist einfach sinnbefreit, wenn man Gasflaschen, die man aus dem Wagen ohnehin nach hinten herausholen muss, erst umständlich um die Ecke heben muss. Und ebenso sinnbefreit ist es, wenn man sich beispielsweise zur Kontrolle der Elektrik in das Heck kauern muss (das wird übrigens mit zunehmendem Alter eine immer größere Herausforderung…)
Also doch kein anderer Grand California
Das Interessante an diesem Gedankenexperiment ist deshalb sein Ergebnis.
Wir würden keinen völlig anderen Camper bauen. Wir würden wahrscheinlich wieder einen langen Crafter nehmen – dieses Fahrzeug fährt einfach zu gut und das Fahrerhaus bietet auch großgewachsenen Menschen ausreichend Platz zu Fahren (fahr mal mit 2,05 cm einen Fiat…). Der Grundriss würde dem Grand California 680 erstaunlich ähnlich sehen. Die Oberschränke dürften bleiben. Das Bad würde bleiben. Das Heckbett ebenfalls.
Wir würden vieles sogar ziemlich genau so bauen, wie Volkswagen es konzipiert hat. Nur würden wir an einigen Stellen weniger darüber nachdenken, wie sich ein Bauteil möglichst elegant in die Serienproduktion integrieren lässt – und mehr darüber, was mit diesem Bauteil nach fünf, zehn oder fünfzehn Jahren passiert.
Robuste Beschläge. Eine vernünftige Wasserinstallation. Eine richtiges Kochfeld und eine richtige Spüle. Möglichst unabhängige elektrische Systeme. Und vor allem eine Konstruktion, die sich reparieren lässt. Und wir würden das mit bedeutend mehr handwerklicher Qualität ausführen.
Denn vielleicht ist das nach einigen Jahren mit dem Grand California unser eigentliches Fazit:
Das Konzept des Grand California ist nicht das Problem. Man müsste es nur richtig bauen.
