Warum überhaupt dieser Vergleich?
Zwei Monate waren wir mit unserem Wohnmobil unterwegs. Eigentlich sollte Albanien das Hauptziel dieser Reise sein. Doch nach drei Wochen hatten wir genug. Nicht etwa, weil wir alles gesehen hatten, sondern weil uns das Land zunehmend ratlos zurückließ.
Überall Müll, unfertige Gebäude, verfallende Anlagen und eine Infrastruktur, die vielerorts zu wünschen übrig ließ. Wir fragten uns, warum es Albanien auch mehr als 35 Jahre nach dem Zusammenbruch des Sozialismus offenbar so schwerfällt, funktionierende gesellschaftliche Strukturen aufzubauen.
Wir beschlossen, früher als geplant Albanien auf der Balkanroute zu verlassen und über Nordmazedonien, Serbien, Kroatien und Ungarn zurückzufahren. Dabei fiel uns auf, wie unterschiedlich sich diese Länder präsentieren. Besonders Ungarn überraschte uns: ordentliche Straßen, gepflegte Ortschaften, kaum Müll. Städte wie Pécs stehen vergleichbaren deutschen Städten kaum nach.
Alle fünf Länder haben eine sozialistische Vergangenheit. Die Frage drängt sich auf: Warum haben sie sich nach 1990 so unterschiedlich entwickelt? Welche Rolle spielen Geschichte, politische Systeme, Kriege und wirtschaftliche Entwicklung? Und warum hatten wir ausgerechnet von Ungarn ein Bild im Kopf, das mit unseren Erfahrungen vor Ort so wenig übereinstimmte?
Natürlich sehen wir als Wohnmobiltouristen nur einen oberflächigen Ausschnitt. Trotzdem sind solche Eindrücke aufschlussreich, vor allem wenn man mehrere Länder unmittelbar hintereinander durchquert. Wir wollten deshalb genauer verstehen, was wir unterwegs gesehen hatten – und unsere eigenen Urteile überprüfen.

Albanien – jeder für sich?
Wir hatten keineswegs erwartet, in Albanien ein wohlhabendes, perfekt organisiertes Land vorzufinden. Schließlich kannten wir seine Geschichte und die jahrzehntelange Isolation unter Enver Hoxha. Aber das Ausmaß der noch heute bestehenden Probleme hat uns überrascht.
Heruntergekommene Häuser, verfallende Industrieanlagen, halbfertige Gebäude und Müll, der scheinbar wahllos in der Landschaft entsorgt wird: Vieles wirkt angefangen und irgendwann sich selbst überlassen.
Natürlich gibt es auch ein anderes Albanien. Wir sahen moderne Hotels, neue Straßen und herausgeputzte Touristenzentren. Besonders entlang der Küste entstehen riesige Hotelanlagen und Wohnkomplexe. Doch gerade diese Gegensätze verstärkten unsere Ratlosigkeit.
Unser Eindruck war, dass hier jeder vor allem versucht, selbst über die Runden zu kommen. An privater Initiative fehlt es nicht. Überall wird gebaut, gehandelt und improvisiert. Doch sobald es um gemeinschaftliche Aufgaben geht, scheint es schwierig zu werden. Warum werden neue Gebäude hochgezogen, während wenige Meter weiter öffentliche Einrichtungen verfallen? Warum funktioniert die Müllentsorgung vielerorts so schlecht? Und weshalb sind manche Straßen in einem derart miserablen Zustand?
Vielleicht liegt ein Teil der Erklärung in der Geschichte. Jahrzehntelang bestimmte ein allmächtiger Staat nahezu jeden Bereich des Lebens. Nach seinem Zusammenbruch fehlten Strukturen, die an seine Stelle treten konnten. Korruption, ungeklärte Eigentumsverhältnisse und die Abwanderung vieler junger Menschen erschwerten den Neuanfang zusätzlich.
Wirtschaftlich hat Albanien durchaus Fortschritte gemacht. Tourismus und Bauwirtschaft boomen, ausländisches Geld fließt ins Land. Bei uns blieb dennoch der Eindruck, dass dieser Aufschwung viele Orte kaum erreicht.
Wir kennen die alltäglichen Probleme der Menschen nicht und sehen eher die Folgen als die Ursachen. Albanien hat wunderschöne Landschaften, faszinierende historische Orte und Menschen, denen wir gerne begegnet sind. Trotzdem haben wir das Land mit mehr Fragen verlassen, als wir bei unserer Ankunft hatten.

Fünf Länder, fünf unterschiedliche Eindrücke
Albanien
Albanien hat uns vor allem durch seine Gegensätze beschäftigt. Berat mit seinen historischen Häusern, Gjirokastër mit seiner Altstadt und die beeindruckenden Berglandschaften gehören zu den schönen Erinnerungen. Daneben stehen schlechte Straßen, chaotischer Verkehr und flächendeckend vernachlässigte Infrastruktur.
Was uns besonders irritierte, war der Eindruck, dass durchaus Geld vorhanden ist und investiert wird, während grundlegende öffentliche Aufgaben liegen bleiben.

Nordmazedonien
Nach Albanien wirkte Nordmazedonien etwas geordneter, auch wenn viele wirtschaftliche Probleme sichtbar blieben.
Besonders überrascht hat uns Skopje. Nach dem Erdbeben von 1963 wurde die Stadt weitgehend modernistisch wiederaufgebaut. Mit dem Projekt „Skopje 2014“ erhielt das Zentrum später neoklassizistische Fassaden, monumentale Gebäude und zahllose Denkmäler. Historisch ist davon vieles nicht, manches wirkt ein wenig skurril. Trotzdem hat uns die Stadt fasziniert. Bei aller Widersprüchlichkeit besitzt sie einen eigenen Charakter – jedenfalls mehr als manche deutsche Innenstadt mit ihrer mittlerweile austauschbaren Architektur.
Einen völlig anderen Eindruck vermittelte uns der Ohridsee mit seiner wunderschönen Landschaft und dem lebendigen und für nordmazedonische Verhältnisse geradezu herausgeputzten Städtchen Struga.

Serbien
Serbien hat uns eher enttäuscht. Viele Gebäude und öffentliche Flächen wirkten vernachlässigt, die Straßen waren teilweise in schlechtem Zustand.
In Niš hatten wir uns von der Festung und der historischen Innenstadt mehr versprochen. Auch Belgrad konnte uns bei unserem kurzen Besuch nicht recht überzeugen. Allerdings sind Großstädte ohnehin nicht unser Ding.
Eine gewaltige Ausnahme war der Dom des Heiligen Sava. Seine riesigen, mit goldenen Mosaiken ausgestatteten Innenräume haben uns regelrecht umgehauen. Überhaupt gehörten die Begegnungen mit der orthodoxen Glaubenswelt zu den eindrucksvolleren Erfahrungen dieser Reise.

Kroatien
Kroatien haben wir nur kurz durchquert. Nach dem Grenzübertritt aus Serbien wirkte manches bereits etwas geordneter. Allerdings beschränkte sich unser Aufenthalt weitgehend auf die Baranja nahe der ungarischen Grenze. Für eine fundierte Einschätzung haben wir diesmal zu wenig vom Land gesehen.
Ungarn
Ungarn war die eigentliche Überraschung unserer Rückreise. Ehrlich gesagt hätten wir das Land bisher kaum als eigenständiges Reiseziel in Betracht gezogen. Irgendwie hatte dieses Land für uns immer ein gewisses „Gschmäckle“, ohne dass wir das hätten begründen können.
Umso überraschter waren wir: weitgehend ordentliche Straßen, gepflegte Ortschaften, kein Müll. Auch auf dem Land wird gebaut, renoviert und gewerkelt. Natürlich stehen dort ebenfalls Häuser, die dringend eine Renovierung nötig hätten. Der Gesamteindruck war trotzdem ausgesprochen positiv.
Besonders Pécs hat uns gefallen: eine lebendige Stadt mit einer schönen historischen Innenstadt, die sich vor vergleichbaren deutschen Städten keineswegs verstecken muss. Budapest kannten wir bereits von einer früheren Reise und hatten auch diese Stadt in guter Erinnerung.
Warum scheint hier so vieles zu funktionieren, was uns in anderen Ländern als problematisch aufgefallen war? Unsere bisherigen Vorstellungen von Ungarn mussten wir jedenfalls gründlich korrigieren.

Was der Sozialismus hinterlassen hat
Alle fünf Länder haben eine jahrzehntelange sozialistische Vergangenheit. Allerdings lagen zwischen ihren politischen und wirtschaftlichen Systemen teilweise Welten.
Albanien entwickelte sich unter Enver Hoxha zu einer der abgeschottetsten Diktaturen Europas. Die Wirtschaft wurde vollständig verstaatlicht, die Landwirtschaft kollektiviert und religiöse Betätigung verboten. Schließlich isolierte sich das Land sogar von seinen früheren Verbündeten. Als das System Anfang der 1990er-Jahre zusammenbrach, fehlten grundlegende Voraussetzungen für eine funktionierende Marktwirtschaft.
Jugoslawien ging unter Tito einen anderen Weg. Nach dem Bruch mit Stalin 1948 entwickelte es ein vergleichsweise offenes sozialistisches System. Betriebe wurden im Rahmen der Arbeiterselbstverwaltung geführt, die Menschen konnten relativ frei reisen und Hunderttausende arbeiteten als Gastarbeiter in Westeuropa. Allerdings kämpfte das Land zunehmend mit Verschuldung, Inflation und Arbeitslosigkeit. Hinzu kamen erhebliche wirtschaftliche Unterschiede zwischen den einzelnen Republiken, gepaart mit historisch begründeten Feindseligkeiten.
Ungarn wiederum entwickelte nach der Niederschlagung des Volksaufstands von 1956 unter János Kádár den sogenannten Gulaschkommunismus. Politisch blieb das Land eine Diktatur, wirtschaftlich ließ die Regierung jedoch zunehmend Freiräume zu. Kleinere private Tätigkeiten wurden möglich, Betriebe erhielten mehr Eigenständigkeit und die Kontakte zum Westen nahmen zu. Als 1989 der Systemwechsel begann, verfügte Ungarn bereits über marktwirtschaftliche Erfahrungen und internationale Verbindungen, die einem Albanien weitgehend fehlten.
Der Blick auf den Sozialismus allein reicht jedoch nicht aus. Ungarn und große Teile Kroatiens waren lange habsburgisch geprägt, Albanien und Nordmazedonien dagegen über Jahrhunderte osmanisch. Schon vor dem Sozialismus bestanden erhebliche Unterschiede bei Industrialisierung, Verwaltung und Infrastruktur. Die Länder starteten also unter sehr verschiedenen Voraussetzungen in die Zeit nach 1990.
Was nach dem Sozialismus geschah
Der politische Aufbruch brachte vielen Menschen zunächst wirtschaftliche Unsicherheit. Staatliche Betriebe verloren ihre Absatzmärkte und Subventionen, ganze Industriezweige brachen weg. Privatisierungen verliefen häufig chaotisch, Arbeitsplätze verschwanden. Ungarn konnte dabei auf Erfahrungen mit westlichen Partnern zurückgreifen; Albanien musste nach Jahrzehnten der Isolation erst wirtschaftliche Institutionen aufbauen.
Für die Nachfolgestaaten Jugoslawiens kamen die Kriege der 1990er-Jahre hinzu. In Kroatien und Bosnien-Herzegowina wurden Städte, Industrieanlagen und Verkehrswege zerstört. Serbien litt unter Sanktionen, dem Verlust bisheriger Märkte und ausbleibenden Investitionen. Allerdings erklären die Kriege nicht alles: Nordmazedonien blieb von den großen Kämpfen weitgehend verschont und entwickelte sich dennoch nur langsam. Slowenien stabilisierte sich nach einem kurzen Krieg vergleichsweise schnell.
Albanien erlebte Ende der 90er eine weitere Katastrophe. Betrügerische Pyramidensysteme, in die große Teile der Bevölkerung ihre Ersparnisse gesteckt hatten, brachen zusammen. Es folgten Unruhen und zeitweise der Verlust staatlicher Kontrolle. Korruption und unsichere Eigentumsverhältnisse belasteten den Aufbau zusätzlich.
Ein wichtiger Unterschied ist die Integration in die EU. Ungarn gehört seit 2004 zur EU (allerdings mit eigener Währung), Kroatien seit 2013. Beide erhielten erhebliche Fördermittel für Straßen, Städtebau und andere Infrastruktur. Ausländische Unternehmen investierten und die Lieferketten in andere europäische Länder wurden enger. Albanien, Serbien und Nordmazedonien sind weiterhin Beitrittskandidaten und haben nicht im selben Maß von diesen Möglichkeiten profitiert.
Hinzu kommt ein Problem, das man auf der Durchreise leicht übersieht: die Abwanderung. Vor allem junge und gut ausgebildete Menschen gehen nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz. Ihre Überweisungen helfen den Familien zu Hause, doch sie ersetzen weder Fachkräfte noch funktionierende Institutionen. Gerade in ländlichen Regionen fehlen irgendwann diejenigen, die Betriebe übernehmen, Häuser erhalten und neue Ideen verwirklichen könnten.

Ordnung, Wohlstand und der Blick auf Deutschland
Natürlich spielt Geld eine Rolle. Wer wenig verdient, kann sein Haus nicht beliebig renovieren, und arme Gemeinden haben weniger Mittel für Straßen und öffentliche Einrichtungen. Wohlstand allein erklärt die Unterschiede jedoch nicht. Auch in wirtschaftlich stärkeren Regionen – etwa in Teilen Süditaliens – gehören Müll und vernachlässigte Infrastruktur zum Straßenbild.
Entscheidend ist offenbar auch, wie zuverlässig öffentliche Einrichtungen arbeiten. Wird der Müll abgeholt? Werden Straßen unterhalten und Vorschriften durchgesetzt? Gibt es klare Zuständigkeiten? Dafür braucht es Geld, aber ebenso eine funktionierende Verwaltung.
Vielleicht spielen außerdem unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit eine Rolle. Daraus lässt sich allerdings nicht auf den Fleiß der Menschen schließen. Ein ungepflegter Vorgarten bedeutet nicht, dass sein Besitzer untätig ist. In Ungarn fiel uns auf, wie viel auch auf dem Land repariert und renoviert wird – oft vermutlich in Eigenarbeit und Stück für Stück.
Und ausgerechnet Ungarn brachte uns dazu, über Deutschland nachzudenken. Manche Straßen und Ortschaften wirkten in Ungarn besser gepflegt als bei uns. Ungarn hat nach 1989, unterstützt durch europäische Mittel, viel modernisiert. Deutschland lebt dagegen vielerorts von einer Infrastruktur, die über Jahrzehnte aufgebaut und inzwischen weitgehend auf Verschleiß gefahren wird. Man denke an marode Brücken, sanierungsbedürftige Schulen, die unzuverlässige Bahn und und und…
Das heißt nicht, dass Ungarn insgesamt die bessere Infrastruktur besitzt. Aber wirtschaftliche Stärke garantiert offenbar nicht, dass öffentliche Einrichtungen gut funktionieren. Vielleicht überschätzen wir (nicht nur) gelegentlich die Leistungsfähigkeit unseres eigenen Landes und unterschätzen, was anderswo erreicht wurde.

Was man von der Straße aus nicht sieht
Wir reisen mit einem komfortablen Wohnmobil, sind wirtschaftlich unabhängig und können selbst entscheiden, wo wir bleiben. Das ist eine privilegierte Art, andere Länder kennenzulernen. Wir kaufen in normalen Supermärkten ein, fahren auch abseits der Touristenrouten und übernachten auf einfachen Stellplätzen. Trotzdem bleiben wir Besucher.
Wir wissen nicht, wie es sich dort von einem durchschnittlichen Einkommen lebt, wie verlässlich Schulen und Gesundheitswesen sind oder welche Erfahrungen die Menschen mit Behörden machen. Eine gepflegte Innenstadt sagt wenig über das Dahinter, die soziale Ungleichheit, Korruption oder demokratische Institutionen aus.
Wir haben Ungarn als gepflegt und gut organisiert erlebt. Das stand in deutlichem Gegensatz zu dem Bild, das uns zuvor häufig vermittelt worden war. Die uns vermittelte Kritik an Ungarn und seiner Regierung ist von politischen Interessen geprägt. Ungarn vertritt innerhalb der EU eigenständige Positionen und gerät damit regelmäßig in Konflikt mit Brüssel. Ob die Kritik dann berechtigt ist, können wir nach einer Reise nicht beurteilen. Unser Eindruck hat uns jedoch vorsichtiger gegenüber einer Berichterstattung gemacht, die politische Konflikte mitunter auf das ganze Land überträgt.
Auch einzelne Beobachtungen sind nicht repräsentativ. Eine vermüllte Straße steht nicht für eine ganze Stadt, eine renovierte Altstadt nicht für das ganze Land. Unsere Urteile hängen zudem von den gewählten Strecken und unseren eigenen Vorstellungen von Ordnung und Lebensqualität ab.
Unsere Eindrücke dürfen aber subjektiv sein. Wir sollten sie nur nicht mit der ganzen Wirklichkeit verwechseln.

Was wir zu wissen glaubten
Die meisten Länder kennen wir vor allem aus den Nachrichten. Dort geht es verständlicherweise um politische Konflikte, Krisen und Skandale. Dass in einer ungarischen Kleinstadt die Müllabfuhr funktioniert, Häuser renoviert werden und die Menschen ihren Geschäften nachgehen, ist keine Nachricht.
So übertragen wir leicht das, was wir über eine Regierung lesen, auf ein ganzes Land. Aus berechtigter Kritik an politischen Entscheidungen entsteht eine negative Vorstellung von der Gesellschaft oder sogar von den Menschen, die dort leben. Regierung, Staat und Bevölkerung sind jedoch nicht dasselbe.
Unser „Gschmäckle“ bei Ungarn beruht auf politischer Berichterstattung bei uns zuhause, auf alten Vorstellungen von Osteuropa und ziemlich wenig eigener Erfahrung. Ähnlich war es uns im Vorjahr mit Polen gegangen. In beiden Ländern passte vieles, was wir vor Ort erlebten, nicht zu unseren Bildern im Kopf.
Das bedeutet nicht, dass Reiseeindrücke zuverlässiger sind als Medienberichte. Auch sie zeigen nur einen Ausschnitt. Es braucht beides: Informationen über politische und wirtschaftliche Zusammenhänge und die unmittelbare Erfahrung vor Ort. Widersprechen sie einander, lohnt sich ein genauerer Blick. Deshalb: Fahrt in die Länder und schaut euch die Situation vor Ort an.

Was wir mit nach Hause nehmen
Diese Reise verlief anders als geplant. Albanien war das eigentliche Ziel, doch nach drei Wochen machten wir uns auf den Rückweg. Gerade dieser Rückweg durch Nordmazedonien, Serbien, Kroatien und Ungarn gab der Reise eine unerwartete Richtung. Aus unseren Beobachtungen entstanden Fragen nach Geschichte, Wirtschaft und gesellschaftlicher Entwicklung.
Albanien hat uns ratlos zurückgelassen. Nordmazedonien überraschte uns vor allem mit Skopje, Serbien blieb hinter unseren Erwartungen zurück – mit dem Dom des Heiligen Sava als überwältigender Ausnahme. Ungarn zwang uns am deutlichsten, ein vorhandenes Urteil zu korrigieren.
Unterwegs verschiebt sich auch der Blick auf Deutschland. Wohlstand und funktionierende Infrastruktur sind nicht dasselbe. Manches, was wir zu Hause für selbstverständlich halten, klappt anderswo besser. Gleichzeitig werden die Vorzüge des eigenen Lebensumfelds deutlicher: soziale Absicherung, medizinische Versorgung und die Freiheit, das eigene Leben weitgehend selbst zu gestalten.
Wir haben viele Unterschiede gesehen, aber längst nicht alle verstanden. Geschichte hilft bei der Einordnung, erklärt jedoch nicht alles. Politische Entscheidungen, wirtschaftliche Möglichkeiten und gesellschaftliche Gewohnheiten greifen ineinander. Von außen lässt sich das kaum abschließend beurteilen.
Was bleibt, sind persönliche und zwangsläufig unvollständige Eindrücke. Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieser Reise: Wir sollten vorsichtiger über Länder urteilen, die wir kaum vom eigenen Reisen kennen – und bereit sein, unsere Vorstellungen zu ändern, wenn die Wirklichkeit nicht zu ihnen passt.
Die nächste Reise kommt bestimmt. Griechenland? Oder doch noch einmal Marokko?
