Die gesamte Reise war von Anfang an von Herausforderungen geprägt, und auch die Ankunft in Marokko per Schiff von Algeriens aus gestaltete sich nicht ganz einfach. Es gab Probleme mit der Sommerzeitumstellung, die Fähre kam zu spät (und dann war es auch nicht die gebuchte Fähre). Und obwohl wir das Problem beim Entladen der Sattelschlepper nicht genau beobachten konnten, kamen wir uns mit unserem kleinen Wohnmobil in den engen Räumen des Schiffes und den vielen Sattelschleppern um uns herum etwas klaustrophobisch vor. Zwischendurch veranstalteten genervte LKW-Fahrer ein Hupkonzert im Bauch des Schiffes, was leider auch nichts an der langsamen Fortbewegung änderte.

Wenn man von Spanien nach Marokko übersetzt, ist man überrascht, wie nah der andere Kontinent eigentlich ist. Es sind gerade mal 14 Kilometer – England ist deutlich weiter von Frankreich entfernt. Man setzt aber nicht nur nach Marokko über, man fährt nach Afrika.

Der eigentliche Grenzübertritt nach Marokko erinnerte an die damaligen DDR-Grenzübergänge, wenn auch die marokkanischen Beamten deutlich weniger einschüchternd wirkten – aber die Grenze ist schon ordentlich gesichert. Von dort aus ging es auf die Autobahn Richtung Süden bis zum ersten Campingplatz nördlich von Asilah.

Mit dem Schiff über die Meerenge von Gibraltar


Kaum waren wir auf dem Campingplatz Tadahart angekommen, begegneten wir bei der Suche nach einem geeigneten Stellplatz zufällig einem netten deutsch-schweizerischen Pärchen. Wir hatten die beiden bereits letztes Jahr in Lettland kennengelernt. Sie leben seit einigen Jahren als Vollzeit-Vanlifer und arbeiten auch vom Van aus (www.leben-pur.ch). Wir verbrachten einen schönen Abend mit ihnen und genossen köstliches marokkanisches Essen und wirklich interessante Gespräche.

Atlantikstand bei Tadahart


Zwischen Klischee und Wirklichkeit

Afrika wird oft mit Armut und einfachen Verhältnissen assoziiert. Doch zumindest in Marokko greift dieses Klischee zu kurz. Marokko ist kein „armes Afrika“, sondern ein wirtschaftlich vergleichsweise starkes Land. So ist Marokko beispielsweise der größte Automobilproduzent Afrikas und exportiert inzwischen mehr Autos in die EU als China. Diese Tatsache ist kaum bekannt und verdeutlicht nur einen Aspekt von Marokkos wirtschaftlicher Lage. Oder: Das Land verfügt über eines der besten Autobahnnetze Afrikas, eine Hochgeschwindigkeitseisenbahnstrecke und ist führend im Energiesektor.

Gleichzeitig sind die Gegensätze im Land deutlich spürbar. Moderne Industrie, Autobahnen und wachsende Städte existieren neben traditionellen Lebensweisen und teils sehr einfachen Verhältnissen – oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Diese Mischung aus wirtschaftlicher Dynamik und kultureller Tiefe macht für uns einen Teil des besonderen Reizes Marokkos aus und prägt die ersten Eindrücke direkt nach der Überfahrt.

Einfache Schubladen, in die man Länder stecken könnte, sind bei Marokko völlig ungeeignet. Daher ist es immer von Vorteil, reisen zu können und Länder und Menschen vor Ort zu erleben.


‌Mobiles Internet und Telefon in Marokko

Eine Reise nach Afrika bringt Kommunikationsherausforderungen mit sich, da der Kontinent nicht zur EU gehört (Marokko hatte sich übrigens mal um eine Mitgliedschaft bemüht). Folglich können mobiles Telefonieren und mobiles Internet zu erheblichen Kosten führen, wenn man nicht vorsichtig ist. In nur vier Wochen können die Kosten leicht vierstellig werden. Daher ist es ratsam, nach der Ankunft in Marokko sofort das Datenroaming zu deaktivieren, besser noch den heimischen Mobilfunktarif komplett auszuschalten. Allerdings ist man dann nicht mehr erreichbar und Google Maps (oder andere Online-Navigationen) funktioniert auch nicht mehr.

Es gibt drei wesentliche Lösungen:

Man kauft sich gleich nach Ankunft für einen begrenzten Betrag eine marokkanische SIM-Karte und tauscht sie gegen die heimische SIM-Karte aus. Das Problem dabei ist, dass man dann nicht mehr über die alte Telefonnummer erreichbar ist. Noch wichtiger ist, dass Onlinebanking und 2F-Authentifizierung mit dieser neuen Telefonnummer nicht funktionieren.

Eine weitere Möglichkeit ist die Installation einer eSIM zusätzlich zur heimischen SIM-Karte – bei neueren Geräte-Generationen ist das möglich. Die heimische SIM-Karte verbleibt im Smartphone, das Datenroaming wird jedoch deaktiviert. So bleiben Anrufe und SMS möglich, und noch wichtiger: Onlinebanking funktioniert weiterhin. Die Anrufe auf die heimische Mobilfunknummer solltest du aus Kostengründen allerdings auf das absolut notwendige Minimumm beschränken. Die eSIM dient für den Datenverkehr und die Internetnutzung, Telefongespräche werden vorzugsweise über Facetime, WhatsApp oder Signal geführt. iOS-Nutzer können iMessage verwenden, um SMS- oder MMS-Gebühren zu vermeiden. Es genügt, ein mitgenommenes Smartphone so einzurichten und für andere Geräte (bei denen der Mobilfunk komplett abgeschaltet werden kann) einen Hotspot freizugeben. Tablets oder Laptops können sich dann einfach mit diesem WLAN verbinden.

Bei der Auswahl des eSIM-Anbieters sollte man auf ein möglichst unbegrenztes Datenvolumen achten. Wir hatten uns für Holafly entschieden, das für Marokko und den geplanten Zeitraum das beste Angebot zu sein scheint. Die Kosten für fünf Wochen Marokko sind überschaubar – wer länger reist oder mehrere Länder bereist, benötigt andere Lösungen.

Die dritte Möglichkeit ist Starlink. Leider haben wir zu lange gezögert, uns dafür zu entscheiden und kurz vor der Abreise war dann die Zeit zu kurz. Starlink bietet Internetzugang per Satellit (und in einigen Ländern sogar Telefonverbindung). Die Kosten sind mittlerweile tragbar und der Tarif kann bei Nichtnutzung des Geräts ruhen gelassen werden (und funktioniert trotzdem – allerdings nur sehr langsam. Für das Verschicken eine Email oder einer Textnachricht mag es reichen). Es gibt jedoch zwei Nachteile: Man benötigt freie Sicht auf den Himmel und die Starlink-Antenne verbraucht relativ viel Strom.


Von Tahadart nach Kenitra

Die Fahrt nach Kenitra ist nicht besonders aufregend – etwa 180 Kilometer marokkanische Autobahn. Die Autobahn ist gesäumt von weitläufigen Obst- und Gemüseanbauflächen, darunter zahlreiche Avocado-Plantagen, die gerade in voller Blüte stehen.

Wir machten eine Pause im Maâmora-Wald in der Nähe von Kenitra. Traditionell ist der Maâmora-Wald das wichtigste Anbaugebiet für Korkeichen, leider wird er heute zunehmend von Eukalyptusbäumen verdrängt. Die Korkeichen werden regelmäßig geschält, ohne gefällt zu werden – ein Verfahren, das seit Jahrhunderten praktiziert wird. Der gewonnene Kork findet sich später in Weinflaschen auf der ganzen Welt wieder. Gleichzeitig dient der Wald als Weidefläche, vor allem für Schafe und Ziegen, aber auch für Kühe, und ist damit Teil eines fein austarierten Systems zwischen Natur und Nutzung.

In Kenitra stehen wir auf einem fast leeren, reichlich in die Jahre gekommenen Campingplatz. Immerhin haben wir hier unsere Ruhe – bewacht von einigen Straßenkatzen. Kenitra ist kein Ziel für Sehenswürdigkeiten, sondern eher unscheinbar – immerhin gibt es hier feien Zugang zum Atlantikstrand.

Maâmora-Wald


Am Strand von Kenitra


Die Kehrseite der Landschaft: Müll allerorten

In Marokko fällt einem sofort die schiere Menge an Müll auf, die überall herumliegt. Wälder sind übersät mit Abfall, und fast jeder Strand ist von Müll überflutet. In vielen ländlichen Gebieten fehlt es an funktionierenden Müllentsorgungssystemen. Was nicht abgeholt wird, bleibt liegen oder wird unsachgemäß entsorgt. Gleichzeitig steigt der Konsum, was zu mehr Verpackungen und Plastik führt, aber die Entsorgungssysteme (wenn es sie überhaupt gibt) können mit dieser steigenden Nachfrage nicht mithalten. Und ehrlich gesagt: Wir fragen uns, ob es am fehlenden Willen liegt.

Als jemand, der von der EU mit Plastikstrohhalmverbot und angetackerten Flaschendeckeln genervt ist, erlebt man das als krassen Gegensatz. Es wird deutlich, dass die Maßnahmen wie das Plastikstrohhalmverbot und die Flaschendeckelverordnung nichts weiter als ökologisches Rosenkranzbeten sind. Sie werden die Welt nicht retten, und sie machen uns auch nicht zu einem Vorbild für den Rest der Welt.

Überall liegt Müll herum