Ursprünglich wollten wir auf dem Landweg nach Albanien reisen. Die Route schien zunächst unkompliziert: Heidelberg – Österreich – Slowenien – Kroatien – Montenegro – Albanien. Eine abwechslungsreiche Route mit vielen landschaftlichen Höhepunkten und zahlreichen Möglichkeiten für Zwischenstopps.
Doch je tiefer wir in die Planung eintauchten, desto komplexer wurde die Sache. Der Knackpunkt: 4,2 Tonnen.
Unser Grand California ist auf 4,2 Tonnen aufgelastet. Das bietet zwar viele Vorteile bei der Zuladung, bringt aber in Europa einige Besonderheiten mit sich. Während Pkw und Wohnmobile bis 3,5 Tonnen häufig einfach eine Vignette kaufen oder an Mautstationen bezahlen, gelten für schwerere Fahrzeuge teilweise völlig andere Regelungen.
Besonders Österreich bereitete uns Kopfzerbrechen. Hier benötigt unser Fahrzeug eine GO-Box, mit der die streckenabhängige Maut erfasst wird und das Fahrzeug anhand verschiedener Kriterien einstuft, darunter Achszahl und Schadstoffklasse. Vor der ersten Fahrt muss die Box eingerichtet und korrekt registriert werden. Gerade Einsteiger können hier leicht Fehler machen. Berichte über hohe Nachzahlungen und Strafen finden sich in Wohnmobilforen zuhauf. Slowenien macht die Sache nicht einfacher. Auch dort gelten für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen andere Regeln als für die üblichen Vignettenfahrzeuge.
Ganz ehrlich: Wir haben kein Problem damit, Maut zu bezahlen. Was uns nervt, ist dieses Nebeneinander völlig unterschiedlicher Systeme. Da braucht man für jedes Land andere Regeln, andere Geräte und andere Informationsquellen. Und je intensiver wir uns damit beschäftigten, desto deutlicher wurde: Europa vereinheitlicht zahllose Vorschriften – ausgerechnet bei der Maut kocht jedes Land sein eigenes Süppchen.
Drei Möglichkeiten
Wir standen vor der Wahl zwischen drei verschiedenen Routen:
- Variante 1: Die klassische Balkanroute. Sie wäre landschaftlich wohl am reizvollsten gewesen, doch Mautgebühren, Grenzübertritte und der organisatorische Aufwand hätten die Reise deutlich erschwert.
- Variante 2: Über die Schweiz nach Italien und anschließend mit der Fähre von Ancona nach Durrës. Diese Route hätte die Straßenkilometer deutlich reduziert, doch das Buchungsportal erwies sich als wenig benutzerfreundlich und machte die Buchung unnötig kompliziert.
- Variante 3: Ebenfalls über die Schweiz nach Italien, aber weiter bis Bari und von dort mit der Fähre nach Durrës. Diese Strecke ist zwar auf der Straße etwas länger, bietet aber deutlich mehr Flexibilität bei den Fährverbindungen.
Neben den Mautgebühren haben wir auch Dieselkosten, Verschleiß, zusätzliche Übernachtungen und den Zeitbedarf berücksichtigt.
Ein weiterer wichtiger Faktor war die Unsicherheit. Während die italienischen Autobahnen unkompliziert funktionieren – Ticket ziehen, bezahlen, weiterfahren –, hätten wir uns bei der Balkanroute erst in mehrere unterschiedliche Mautsysteme einarbeiten müssen. Das erschien uns letztendlich unnötig kompliziert.
Unsere Entscheidung
Nach sorgfältiger Überlegung haben wir uns für die Italienroute entschieden. Unsere Route führt uns nun über die Schweiz bis nach Bari, von wo aus wir mit der Fähre nach Durrës überqueren. Diese Entscheidung spart uns nicht nur mehrere hundert Straßenkilometer auf dem Balkan, sondern erspart uns jedoch die Weiterfahrt über mehrere weitere Mautsysteme auf dem Balkan. So erreichen wir Albanien deutlich entspannter.
Zwar ist die Fähre mit Kosten verbunden, doch wenn man Kraftstoff, Mautgebühren, Übernachtungen und den zusätzlichen Verschleiß der ca. 400 km längeren Landroute berücksichtigt, relativiert sich der Preis überraschend schnell.
Die Fährbuchung
Die Buchung der Fähre gestaltete sich zunächst etwas schwierig, da sich die Buchungsportale deutlich unterscheiden. Teilweise stößt man dabei auf überraschende Hürden. So verlangte das Buchungsportal von GNV (einer Fährgesellschaft) zunächst eine italienische digitale Identität (CIE)…
Am Ende entschieden wir uns für eine Kabine, die ausreichend Komfort für die Nachtüberfahrt bietet, ohne in den Luxusbereich vorzustoßen.
Unser Tipp: Wer in der Hauptsaison reisen möchte, sollte frühzeitig buchen. Einige Verbindungen sind oft schon Monate im Voraus ausgebucht. So war beispielsweise die Tour Anfang des Jahres von Genua nach Tanger Med bereits Monate vorher ausgebucht. Auch bei unserer Buchung für die Überfahrt von Bari nach Durrës konnten wir bestimmte Optionen nicht mehr so einfach buchen, obwohl wir erst in etwa sechs Wochen fahren wollen. Im Herbst ist die Situation meist entspannter, dennoch empfiehlt es sich, die Fahrpläne rechtzeitig zu prüfen.
Fazit
Bei Reisen mit einem Wohnmobil über 3,5 Tonnen ist die kürzeste Strecke nicht immer die beste. Es lohnt sich, verschiedene Routen sorgfältig durchzurechnen, wobei Maut, Kraftstoff, Fähren, Zeit und Nerven gleichermaßen berücksichtigt werden sollten. Für uns war die Entscheidung klar: Italien und die Fähre bieten einen deutlich entspannteren Start in unsere Albanienreise.
Ob unsere Überlegungen am Ende richtig waren, wird sich unterwegs zeigen. Natürlich werden wir darüber berichten.
